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  • 29.08.2014 · 10:50

  • von Christian Sylt & Caroline Reid

Ecclestone warnt seine Kritiker: "Werde mich rächen"

Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone über das Ende des Münchner Prozesses und offene Rechnungen, die er nun endlich begleichen möchte

(Motorsport-Total.com) - Nach der Einstellung des Münchner Bestechungsprozesses warnt Bernie Ecclestone Kritiker, die ihm vor Einstellung des Verfahrens noch den Untergang prophezeit hatten. Ecclestone bezahlte in Deutschland 100 Millionen US-Dollar (umgerechnet 76 Millionen Euro), um den Vorwurf zu beseitigen, er habe Schmiergeld bezahlt, damit die Formel 1 an seinen bevorzugten Investor, das Private-Equity-Unternehmen CVC Capital Partners, verkauft wird. Der Prozess fand wöchentlich an jeweils zwei Tagen statt, damit Ecclestone parallel seine Formel-1-Geschäfte leiten konnte. Laut Anwalt Sven Thomas sei das zuletzt "extrem belastend" geworden.

Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone ist froh, dass er sich wieder um die Formel 1 kümmern kann Zoom

"Jetzt habe ich wieder ein bisschen mehr Zeit. Da folge ich doch meinem alten Motto: 'Was bringt dir deine Wut? Schau lieber zu, wie du dich rächen kannst!' Ich bin noch nicht wütend, aber ich werde mich rächen", sagt Ecclestone (Original: "I have got a little bit more time and I shall follow my old idea in life, 'don't get mad, get even'. I haven't got mad but I'm going to get even.")

Ganz oben auf seiner Liste steht dabei Dieter Hahn, Aufsichtsratschef des deutschen Medienunternehmens Constantin Medien. Constantin hat Ecclestone vergangenes Jahr in London verklagt, weil dieser die Formel-1-Anteile für CVC unterbewertet haben soll, statt sie an einen höheren Bieter zu verkaufen. Constantin hat den Prozess im Februar verloren, geht aber gegen das Urteil in Berufung.

Aus Mangel an Beweisen

Mit der Einstellung des Verfahrens in Deutschland meint Ecclestone seine Unschuld bewiesen zu haben. Richter Peter Noll sagt, dass sich die Verdachtsmomente gegen den Formel-1-Geschäftsführer "in wesentlichen Teilen nicht erhärtet" hätten. Das Gericht sei der Auffassung, dass sich daran auch in der weiteren Beweisaufnahme nichts ändern würde. Selbst wenn strafrechtliche Vorwürfe gegen Ecclestone aufrechterhalten bleiben könnten, wögen diese nicht so schwer, dass sie einer Verfahrenseinstellung entgegenstünden, so Noll.

Ecclestone überwies von den 100 Millionen Dollar wie vereinbart 99 Millionen an die Staatskasse und eine Million an eine Kinderhospizstiftung. Anschließend räumte er ein, er sei "ein bisschen ein Idiot" gewesen, sich auf dieses Angebot eingelassen zu haben. Im Nachhinein sagt er aber: "Die Staatsanwälte wussten nicht, dass der Richter das vorschlagen würde. Die sprechen überhaupt nicht miteinander."


Fotostrecke: Happy Birthday, Bernie!

Noll erklärt, dass die hohe Summe nichts mit den im Prozess aufgearbeiteten Ereignissen zu tun habe, sondern im Verhältnis zum Wohlstand des Angeklagten steht. "Das System ist ziemlich gut", findet Ecclestone. "Wenn jemand Probleme an der Backe hat und 5.000 im Jahr verdient, dann ist das etwas anderes als bei jemandem, der mehr verdient. Ich halte das für eine gute Idee."

"Sie haben mich nicht dazu gezwungen, 100 Millionen zu zahlen. Ich habe zugestimmt zu zahlen", ergänzt er. "Ich musste nicht zahlen, sondern ich habe mich dazu entschieden." Die Staatsanwaltschaft kontaktierte Ecclestone bezüglich einer Einigung nach drei Prozessmonaten.

Einigung komplexer als dargestellt

Früher hätte das offenbar nicht stattfinden können: "Es ist nicht so einfach, wie es die Leute darstellen", so Ecclestone. "Du sagst nicht einfach: 'Hier habt ihr ein paar Pfund.' Es ist ein Privileg. Sie müssen erst einmal realisieren, dass sie keine gute Anklage haben, und wenn die Staatsanwälte, ich und die Verteidigung glücklich sind, kann man sich einigen. Aber solange muss man den Prozess weiterführen."

"Disney ist eine nette Firma, nette Leute." Bernie Ecclestone

Die Einigung stabilisiert das Management der Formel 1 und ebnet den Weg für CVCs Verkauf von 35 Prozent der Formel-1-Anteile. Laut aktuellen Medienberichten sind Virgin-Media-Eigentümer Liberty Global, Disney und sogar Ecclestone selbst mögliche Investoren. Ecclestone möchte aber nicht verraten, ob ein solcher Deal vor dem Abschluss steht.

"Disney ist eine nette Firma, nette Leute. Ich weiß nicht, wer die alle sind", erklärt der 83-Jährige. "Viele wollten sich schon in die Formel 1 einkaufen. Solange sie nicht wissen, was das kostet, ist das Kaffeeklatsch. Ich habe keine Ahnung, ob CVC dieses Jahr verkaufen wird, keine Ahnung. Ob ich selbst Anteile zurückkaufe, hängt davon ab, ob sich eine gute Gelegenheit ergibt, aber das hat für mich nicht Priorität. Ich bin momentan ziemlich beschäftigt und muss eine Menge aufholen."

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