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"Die Wut muss raus": Steiner findet Haas-Absturz "bizarr"

Neuer Tiefpunkt für das Haas-Team beim Grand Prix von Frankreich: Das Auto fährt sich zwar gut, ist aber zu langsam - und keiner weiß genau warum ...

(Motorsport-Total.com) - Beim Haas-Team herrscht nach dem Grand Prix von Frankreich Katerstimmung. Mit dem vermeintlich viertschnellsten Auto in die Saison gestartet, liegt der amerikanische Rennstall nach der fünften Doppel-Null im achten Rennen in der Konstrukteurs-WM 2019 an vorletzter Position. Schlechter ist nur Williams.

Kevin Magnussen und Günther Steiner

Beim Haas-Team herrscht Ratlosigkeit: Kevin Magnussen und Günther Steiner Zoom

Kevin Magnussen kam am Sonntag mit einer Runde Rückstand als 17. ins Ziel. Romain Grosjean wurde, an 17. Stelle liegend, aus taktischen Gründen aus dem Rennen genommen. Damit er am kommenden Wochenende in Österreich ein neues Getriebe verbauen darf. WM-Punkte hätte er bei seinem Heimspiel sowieso nicht geholt.

"Ich habe alles gegeben", versichert Magnussen. "Das ganze Rennen. Aber wir hatten einfach nicht die Pace." Und auch Grosjean kann sich auf das miserable Abschneiden keinen Reim machen: "In den ersten Runden tat ich mich schwer damit, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Aber danach war die Balance okay und ich konnte das Maximum aus dem Auto holen."

"Nur die Rundenzeiten haben nicht gestimmt. Sonst sehe ich kein offensichtliches Problem", seufzt der Franzose. "Das müssen wir verstehen und analysieren. Ich bin zufrieden mit meinem Rennen und meinem Tempo. Nach dem Boxenstopp lag ich vor Kevin, mit neuen Reifen, und ich konnte davonziehen. Da sah alles gut aus. Am Ende bin 17. Das ist nicht gut genug."

Le Castellet hätte Haas eigentlich liegen sollen

Dabei hatte sich Haas für den Circuit Paul Ricard gute Chancen ausgerechnet, "weil wir in mittelschnellen und schnellen Kurven eigentlich immer gut waren. Heute war es heiß, viel Energie in den Reifen - ich sehe keinen Grund, warum wir nicht konkurrenzfähig sein sollten. Aber wir waren es nicht. Da muss irgendwas sein. Wir müssen uns hinsetzen und so tief graben wie möglich!"

Team-/Technikchef Günther Steiner, spätestens seit der Netflix-Doku als Mann der klaren Worte bekannt, war am Sonntagabend dementsprechend schlecht gelaunt: "In den vier Jahren war das unser schlechtestes Wochenende. Was ich bizarr finde: Wir haben ein Auto, das im ersten Qualifying gut genug war für P7/P8, das Sechster war in Monte Carlo - und plötzlich sind wir Vorletzter."

"Fragt mich nicht, was es ist. Ich weiß es nicht und kann es nicht beantworten", meint er achselzuckend. "Das ist eine herbe Enttäuschung. Vor allem, weil wir es nicht verstehen. Das ist das Schlimmste daran." Denn Steiner weiß genau: Ein Problem, das du nicht kennst, kannst du unmöglich innerhalb von vier Tagen lösen. Aber am Freitag geht's in Spielberg schon weiter.


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Bisher schob Haas die eklatanten Formschwankungen stets auf die neuen Pirelli-Reifen mit den dünneren Laufflächen. Aber nach seinem 17. Platz im Qualifying in Le Castellet sagte Grosjean: "Wir müssen aufhören, den Reifen die Schuld zu geben." Und tatsächlich scheint das Haas-Team noch andere Probleme zu haben. Nur: Die Ingenieure wissen nicht, wo sie suchen sollen.

Lösen die Reifenprobleme eine Kettenreaktion aus?

Steiner hat einen Verdacht: "Wenn der Reifen in ein bestimmtes Temperaturfenster kommt, funktioniert er nicht mehr. Und dann drehst du dich mit dem Set-up im Kreis. Ich will nicht nur den Reifen die Schuld geben. Aber das Temperaturfenster ist so klein, dass du die ganze Zeit nach Kompromissen suchst, um hineinzukommen. Und das macht langsam."

"Romain hat gesagt, dass das Auto gut zu fahren ist, nur halt zu langsam. Wir haben kein schnappartiges Über- oder Untersteuern. Ganz und gar nicht. Es fehlt einfach Grip. Wir sind zu langsam", stellt der Südtiroler fest. Und das wird sich bis zum nächsten Rennen nicht ändern: "Du kannst nicht in einer Woche Teile bauen und ans Auto schrauben."

Daniel Ricciardo, Romain Grosjean

Romain Grosjean stand bei seinem Heimrennen auf verlorenem Posten Zoom

Le Castellet war ein neuer Tiefpunkt. Dabei hatte die Saison so gut begonnen. Ähnlich wie 2018 war Haas in Australien vierte Kraft. Nur eine (erneute) Boxenpanne verhinderte ein doppeltes Top-Ergebnis. In Spanien gab es sieben Punkte, in Monaco stand ein Haas auf P6 der Startaufstellung. Die Welt schien in Ordnung zu sein.

Aber dann kam Kanada, und dort verdichtete sich der Verdacht, dass Haas langsam ins Hintertreffen gerät. Kanada sei auch schon mies gelaufen, merkt ein Journalist an. Steiner kontert: "Hier war noch schlimmer. In Montreal war zumindest das Qualifying okay. Da hätten wir ein Auto in Q3 bringen können. Hier mussten wir froh sein, ein Auto durch Q1 zu bringen."

Steiner: Mitarbeiter von anderen Teams kommen zu mir ...

"Wenn wir wüssten warum, wären wir nicht in dieser Position. Was ich merkwürdig finde ist, dass viele andere das Problem auch haben. Bei uns ist es mit Abstand am schlimmsten. Aber es kommen Leute von anderen Teams zu mir und fragen, ob wir die gleichen Probleme haben. 'Ja, haben wir! Genau das Gleiche. Ich weiß nicht, was es ist. Denn wir haben ja unterschiedliche Autos.'"

Obwohl Steiner immer noch vermutet, dass die Reifen der Hauptgrund für die Formschwankungen seines Teams sind, schließt er sich nicht der Lobby um Red Bull und Ferrari an, die angeblich eine Rückkehr der 2018er-Reifen fordert. "Natürlich reden die Teams miteinander", räumt er zwar ein. "Aber offiziell wurde da nichts besprochen."

Ob sich Haas mit der speziellen Reifensituation 2019 auch deswegen so schwer tut, weil das Team weniger Erfahrung hat als andere, sei "schwer zu sagen", meint Steiner: "Sicher wäre es eine nette Ausrede. Aber ich glaube es nicht. Es ist unser viertes Jahr, und die Reifen sind jedes Jahr neu. Selbst wenn du seit zehn Jahren dabei bist, bedeutet das nicht, dass du diese Reifen durchschaust."

"Ich würde das nicht als Grund nennen. Es gibt Teams, die sind seit Ewigkeiten dabei, denen geht's aber auch nicht anders. Ich bin manchmal hart zu meinen Jungs. Aber wir dürfen es nicht übertreiben, denn andere haben die gleichen Probleme. Ich glaube nicht, dass das der Grund ist. Es gibt Teams, die sind seit 50 Jahren dabei. Aber vor 50 Jahren waren die Reifen ganz anders."

Steiner fordert: "Müssen uns da selbst herausziehen"

"Ich verlasse mich nicht drauf, dass etwas passiert. Wir müssen uns da selbst herausziehen", fordert er. "Das habe ich auch meinen Jungs gesagt: 'Versucht den Unterschied zu verstehen zwischen dem Auto, mit dem wir in Q3 gefahren sind, und dem Auto, das wir jetzt haben, mit dem wir in Q1 ausscheiden.' Da muss ja was passiert sein. Was, das müssen wir herausfinden."

"Ich weiß nicht, wie es weitergeht." Günther Steiner

Aber Steiner klingt ratlos, wenn er sagt: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Das sage ich schon das ganze Wochenende. Weil ich es wirklich nicht weiß." Trotzdem empfindet er die Situation nicht als deprimierend, und auch wütend "wäre das falsche Wort. Es ist eine Herausforderung für mich, aber keine positive", gibt er immerhin zu.

"Wir müssen da rauskommen. Wenn du deprimiert bist, lässt du dich hängen. Wir geben aber nicht auf. Nie!", zeigt sich Steiner kämpferisch. "Die Wut muss raus - und dann zurück an die Arbeit. Ich habe den Jungs gesagt: 'Jetzt müsst ihr noch härter arbeiten als davor! Denn jetzt stecken wir in der Scheiße.' Es bringt nichts, einfach abzuwarten, dass es besser wird."

Und so ist nun Ursachenforschung angesagt: "Wir müssen uns anschauen, wo es schiefgelaufen ist. Wenn wir das wissen, können wir nach Lösungen suchen. Wenn wir das nicht wissen, wo sollst du dann anfangen?", stellt er eine rhetorische Frage in den Raum. Und er ergänzt, nicht ganz ernst gemeint: "Dann können wir gleich ein neues Auto bauen ..."

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