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Dennis und Williams: Spannungen wegen Montoya

Weil McLaren-Mercedes versucht, Juan-Pablo Montoya von BMW-Williams wegzulocken, warnt Frank Williams seinen Kollegen Ron Dennis

(Motorsport-Total.com) - Dicke Freunde gibt es unter den Teamchefs nicht wirklich, denn der Wettbewerb ist zu groß für solche Sympathien. Die Beziehung zwischen Ron Dennis von McLaren und seinem Kollegen Frank Williams kann dennoch als gut bezeichnet werden. Derzeit jedoch wird die Kollegialität auf eine harte Bewährungsprobe gestellt, da McLaren-Mercedes derzeit erfolgreich Personal von BMW-Williams abwirbt und nun nicht einmal vor den Fahrern zurückschreckt.

Ron Dennis

McLaren-Mercedes-Teamchef Ron Dennis: Juan-Pablo Montoya im Blickfeld

Mittlerweile ist durchgesickert, dass die Silbernen versucht haben, Juan-Pablo Montoya als Ersatz von David Coulthard zu verpflichten, ob für 2004 oder 2005 ist jedoch nicht klar. Klar ist jedoch, dass keiner der Beteiligten dieses Thema dementiert, das Team auch offen zugibt, dass man den Vertrag mit David Coulthard auf Grund dessen derzeitiger Formkrise lieber später als zu früh verlängern möchte.

Dass es um die Saison 2004 bei den Gesprächen zwischen Ron Dennis und Juan-Pablo Montoya gegangen ist, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, denn der Kolumbianer besitzt einen Vertrag mit Williams bis in die Saison 2004, der laut Frank Williams "kugelsicher" ist. Und eine Ablösesumme dürfte McLaren-Mercedes wohl kaum bereit sein zu zahlen. Aus glaubwürdigen Quellen ist zu hören: Die Vertragsverlängerung mit David Coulthard wird passend zum Deutschland-Grand-Prix verkündet, die Option wäre sowieso zwei Wochen später abgelaufen.

Einige Experten gehen davon aus, dass vielmehr Montoyas Manager Julian Jacobi die ersten "Beschnupperungen" genutzt hat, um das Gerücht in die Welt zu setzen, es ginge schon um die Saison 2004. Damit könnte man das Gehalt von "JPM" nach oben treiben, der nicht einmal die Hälfte von dem verdient, was Teamkollege Ralf Schumacher überwiesen bekommt.

Allerdings ist Frank Williams bekannt dafür, sich auf solche Spiele nicht einzulassen und will am Gehalt der Fahrer sogar in Zukunft wieder vermehrt sparen, um das Budget in die Entwicklung der Autos stecken zu können. Nur Willi Weber konnte den Briten weich klopfen, sein Portemonnaie für Ralf Schumacher weit zu öffnen ? das Zähneknirschen meint man heute noch hören zu können.

Sollte jedoch Montoya tatsächlich schon 2004 zu McLaren-Mercedes gelockt werden oder gelockt worden sein, dann würde dies Frank Williams seinem Kollegen Ron Dennis nicht verzeihen: "Ron Dennis wäre sehr dumm, wenn er so falsch spielen würde", so Williams gegenüber der am Mittwoch erscheinenden Ausgabe der 'auto, motor und sport'. "Damit setzt er unsere Allianz in anderen Fragen aufs Spiel. Er würde einen Ehrenkodex verletzen. Ich handle nach dem Grundsatz: Fahrer und Sponsoren, die bei anderen Verträge haben, sind tabu."

Nach Informationen der 'Welt' lassen die Verantwortlichen von McLaren-Mercedes derzeit den Vertrag von Montoya überprüfen, um vielleicht doch eine Ablöse zahlen zu können. "Mit einer entsprechenden Summe ist da sicher eine Freigabe zu bekommen", so Niki Lauda gegenüber der 'Welt'. "Das ist dann erst mal die Sache zwischen Frank Williams und Ron Dennis, die beide für Fahrerfragen in den Teams zuständig sind." Der Österreicher glaubt, dass eine Ablösesumme in der Region von zehn Millionen Euro anzusiedeln ist.

Allerdings stellt sich die Frage, in welchem Team Juan-Pablo Montoya besser aufgehoben wäre. Die Frage, ob eher McLaren-Mercedes oder BMW-Williams in den kommenden Jahren einen WM-Titel einfahren kann, ist nicht zu beantworten. Und sicherlich genießt Juan-Pablo Montoya bei Williams mehr Sympathien als bei McLaren-Mercedes, wo man eindeutig auf Kimi Räikkönen als den Star der Zukunft setzt. Letztendlich liegt die Entscheidung beim Fahrer und der lässt sich angeblich zumindest nicht vom Geld einlullen: "Dann hätte ich nicht zu Williams wechseln dürfen, sondern hätte in den USA bleiben müssen."