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  • 23.07.2013 · 12:40

  • von Christian Sylt & Caroline Reid

CVC: Ecclestone-Nachfolger außerhalb der Formel 1 zu suchen

Bei CVC Capital ist man überzeugt, dass Bernie Ecclestones Nachfolger nicht aus der Motorsportszene kommen wird - Derzeit stellt sich die Nachfolge-Frage aber nicht

(Motorsport-Total.com) - Bei CVC Capital Partners, also jenem Private-Equity-Unternehmen, welches die Formel 1 kontrolliert, ist man überzeugt, dass der Nachfolger für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nicht aus der Motorsportszene kommen wird. Eine CVC nahestehende Quelle lässt jedoch wissen, dass man trotz der Anklage gegen Ecclestone keine Absichten hege, den 82-jährigen Formel-1-Zampano kurzfristig zu ersetzen. Für die Zukunft müsse man sich aber mit dieser Frage beschäftigen.

Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone wird wohl bis auf Weiteres der Formel 1 vorstehen Zoom

"Dieses Geschäft ist nicht groß genug, als dass es einen Nachfolger im unmittelbaren Umfeld geben würde. Der Nachfolger wird mit großer Wahrscheinlichkeit außerhalb zu suchen sein", so die Quelle. Für die Formel 1 direkt arbeiten derzeit 313 Mitarbeiter und zehn Führungskräfte, wobei es keinen Stellvertreter gibt, der darauf wartet, das Zepter von Ecclestone zu übernehmen.

Im Jahr 2011 wurde David Campbell (früherer Europa-Chef des Elektronikkonzerns AEG) verpflichtet, um sich in der Formel 1 um das Thema Corporate Hospitality zu kümmern. Campbell galt als möglicher Ecclestone-Nachfolger, verließ die Formel 1 aber nach etwas mehr als einem Jahr. Inzwischen wird Red-Bull-Teamchef Christian Horner als ein möglicher Nachfolger für Ecclestone gehandelt. Zu den immer wieder genannten Namen, die außerhalb der Formel-1-Szene tätig sind, gehören Justin King (Vorstandschef der britischen Supermarktkette Sainsbury's) und Stuart Rose (früherer Chef der britischen Supermarktkette Marks & Spencer).

Headhunter-Firma mit Nachfolge beauftragt

Anfang dieses Jahres trat zutage, dass im Zuge der CVC-Vorbereitungen für den geplanten Börsengang der Formel 1 die weltweit operierende Headhunter-Firma Egon Zehnder International beauftragt wurde, eine Liste möglicher Ecclestone-Nachfolger zu erstellen. Auf dieser Liste fand sich Berichten zufolge unter anderem der Name von Richard Scudamore, Vorsitzender der britischen Fußballliga Premier League.

Inzwischen führt Ecclestone die Formel 1 seit fast 40 Jahren und hält einen 5,3-prozentigen Anteil an der Muttergesellschaft Delta Topco. Im Jahr 2006 erwarb CVC von der BayernLB 47,2 Prozent der Formel-1-Anteile. Kurz darauf zahlten Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino 44 Millionen US-Dollar an den mittlerweile ehemaligen BayernLB-Risikovorstand Gerhard Gribkowsky.

Die Münchener Staatsanwälte sind der Ansicht, dass Ecclestone das Geld an Gribkowsky zahlte, um den Verkauf der Formel 1 an CVC zu steuern und somit als Boss der Königsklasse im Amt zu bleiben. Nach Ansicht der Anwälte wurde der BayernLB-Anteil durch den Verkauf an CVC reduziert, schließlich hätten andere Käufer mehr zahlen können. Ecclestone bestreitet dies und gibt vor, dass ihm Gribkowsky für den Fall einer Nichtzahlung mit falschen Angaben über seine eigenen Steuerangelegenheiten bei den britischen Behörden gedroht habe.

Diverse rechtliche Schwierigkeiten für Ecclestone

Dies ist nicht die einzige Rechtsangelegenheit, in die Ecclestone verwickelt ist. Vor dem Obersten Gerichtshof von London droht ihm ein Zivilprozess, da das deutsche Medienunternehmen Constantin Medien behauptet, durch den Formel-1-Verkauf an CVC sei ein Gewinnverteilungsvertrag nicht eingehalten worden. Vor dem Obersten Gerichtshof von New York klagt die US-amerikanische Investmentgesellschaft Bluewaters Communications gegen Ecclestone. Sie gibt vor, zehn Prozent mehr als CVC geboten zu haben, sei dann aber von Gribkowsky zurückgewiesen worden als dieser bestochen worden sei.

Im Juni des vergangenen Jahres wurde Gribkowsky von einem deutschen Gericht schuldig gesprochen, Bestechungsgeld angenommen zu haben. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. In der vergangenen Woche wurde Ecclestone angeklagt, dieses vermeintliche Bestechungsgeld gezahlt zu haben. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass der Formel-1-Boss vor Gericht muss. Ein Richter hat nun sechs Wochen Zeit zu entscheiden, ob der 82-Jährige bei der Verhandlung erscheinen muss.

Gribkowsky ist für die Münchener Staatsanwälte in Sachen potenzieller Zeugenaussagen das Ass im Ärmel. Ecclestones Anwälte argumentieren allerdings, dass der ehemalige BayernLB-Risikovorstand unglaubwürdig ist, da er verurteilt wurde und seine Aussage mehrfach geändert habe. So behauptete Gribkowsky ursprünglich, das Geld für eine Beratertätigkeit entgegengenommen zu haben. Später wurde seine Aussage zu einem Schuldgeständnis, die das Strafmaß gegen ihn reduziert haben soll.

Gribkowskys Anwalt Sven Thomas sagt: "Die Verteidigung wird zusammen mit dem Oberlandesgericht eine umfassende Vorlage unterbreiten, deren Hauptthema die verschiedenen 'Geständnisse' von Dr. Gribkowsky sind."

Unterstützung durch CVC ungebrochen

Ecclestones rechtliche Schwierigkeiten tun der Unterstützung des Briten durch CVC keinen Abbruch. Infolge der Meldung, dass der Formel-1-Boss angeklagt wurde, gab CVC ein Statement heraus, dass da lautet: "Herr Ecclestone, Geschäftsführer der Formel-1-Gruppe hat nun eine Anklageschrift in englischer Sprache vom Münchener Oberlandesgericht erhalten. Herr Ecclestone hat jetzt sechs Wochen Zeit, auf diese Anklageschrift zu reagieren, bevor das Gericht entscheidet, den Prozess zu eröffnen. Der Vorstand wird die Entwicklungen in dieser Angelegenheit entsprechend im Auge behalten."

Die CVC-Quelle fügt hinzu, dass dieses Verhalten "unsere Unterstützung für Bernie klar zum Ausdruck bringt". Ecclestones Vertrag wurde am 24. März 2006 unterschrieben und beschert ihm ein Jahresgehalt von 2,9 Millionen Euro. Der Vertrag war "ursprünglich fest auf drei Jahre ausgelegt, läuft aber weiter, sofern keine der beiden Parteien der jeweils anderen zwölf Monate im Voraus schriftlich kündigt".

Im vergangenen Jahr wurde Ecclestones Vertrag dahingehend angepasst, dass Restriktionen für die ersten zwölf Monate im Falle einer Kündigung festgeschrieben wurden. Diese beinhalten unter anderem das Verbot "für einen Hersteller zu arbeiten oder einem Hersteller zu helfen, ... einen Verantwortlichen, Berater oder Mitarbeiter eines Konzernunternehmens, das mehr als 100.000 Britische Pfund pro Jahr verdient, zu Rate zu ziehen oder versuchen, ihn zu Rate zu ziehen, ... einen Wettbewerber für eine der Gruppe angehörende Firma aufzubauen oder für einen solchen zu arbeiten".

Die Quelle fügt zudem an, dass "Bernie die Geschicke leitet und den tatsächlichen Vorgängen deutlich näher steht als wir. In unserer Rolle als Anteilseigner sind wir natürlich wichtig, jedoch führen wir nicht das Tagesgeschäft."

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