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  • 18.04.2013 · 19:54

Button: "Mir gefällt es nicht"

Jenson Button ärgert sich über die Ankündigung, dass es ab Barcelona andere Reifen geben soll - Auch die Auswahl der Mischungen für Bahrain passt dem Briten nicht

(Motorsport-Total.com) - Mit einer Zweistoppstrategie zog Jenson Button beim Grand Prix von China Platz fünf an Land - mehr, als der McLaren in der aktuellen Konfiguration hergibt. In Bahrain will der Brite erneut auf die Strategie-Karte setzen, zeigt sich in diesem Zusammenhang aber von der Auswahl der Reifenmischungen enttäuscht.

Jenson Button

Jenson Button zeigt sich von der Situation um Pirelli wenig begeistert Zoom

In seiner Medienrunde am Donnerstag spricht Button über zwei Planänderungen bei Pirelli, über die Wichtigkeit des Barcelona-Upgrades, den Verlust von Paddy Lowe und den Einstand von Sergio Perez bei McLaren.

Frage: "Jenson, wie beurteilst du die bisherige Saison generell?"
Jenson Button: "Wenn man den Leuten zuhört, könnte man denken, es ginge nur um die Reifen. Was uns betrifft, so lief das erste Rennen richtig schlecht. Seither haben wir aber eine Reihe von Verbesserungen erzielt. Wir verstehen das Auto inzwischen viel besser."

Frage: "Mit welchen Erwartungen gehst du in das Bahrain-Wochenende?"
Button: "Nun, uns ist klar, dass wir vom reinen Tempo her wahrscheinlich nicht ganz an der Spitze mitkämpfen können. Für uns geht es vielmehr darum, erneut die richtige Strategie zu finden. Der Kurs unterscheidet sich doch recht stark von dem in China. Hier bauen die Hinterreifen viel schneller ab als die Vorderreifen. Aufgrund der Hitze kann man sich die Reifen sehr schnell kaputtmachen."

Weicher Reifen erlaubt mehr Strategievielfalt

Frage: "Pirelli hat entschieden, als Alternative zum Hard-Reifen den Medium anstelle des Soft nach Bahrain zu bringen. Was hältst du davon?"
Button: "Das ist ein wenig enttäuschend. Der weiche Reifen wäre nett gewesen. In unserer aktuellen Situation können wir im Grunde nur über die Strategie etwas bewirken - vielleicht mehr, als das Auto verdient hätte. Im vergangenen Jahr war es hier wirklich kritisch, was die Lebensdauer der Hinterreifen angeht. In diesem Jahr ist die Situation aber eine andere. Die Mischungen sind zwar genau wie im Vorjahr erneut Medium und Hard, aber die Reifen wurden verändert. Auch die Autos sind andere."

"Ich kann aber verstehen, dass man sich hier gegen die Soft-Mischung entschieden hat, denn hier bauen die Reifen aufgrund der Temperaturen doch sehr schnell ab. Da wir jetzt nicht mit dem Soft-Reifen konfrontiert werden, sollte es für alle etwas einfacher sein, die richtige Strategie auszuwählen. Ich bin gespannt, wie es ausgeht. Womöglich bauen die Reifen überhaupt nicht ab. Das würde uns als Team nicht gerade helfen, doch wir müssen abwarten. Morgen sollten wir ein bisschen schlauer sein. Es wird aber mit Sicherheit kein einfaches Rennen."

Jenson Button

In Schanghai fuhr Button mit nur zwei Stopps bis auf Platz fünf nach vorn Zoom

Frage: "Laut Pirelli wird es ab Barcelona andere Reifen geben. Ist das für dich eine Erleichterung?"
Button: "Nein. Ich sehe nicht, aus welchem Grund heraus das notwendig wäre. Über den Winter hat sich niemand darüber beschwert, aber plötzlich ist das ein Thema. Ich bin überrascht, dass es eine Änderung gibt und muss sagen, mir gefällt es nicht. Ich verstehe, dass es manchmal schwierig ist, wenn ein Reifen sehr schnell abbaut. Man darf aber nicht vergessen, dass eine Mischung im Grunde für das Qualifying bereitsteht und die andere eher für das Rennen geeignet ist. Das haben wir in diesem Jahr herausgefunden. Der Ansatz war es, in diesem Jahr zwei bis drei Stopps pro Rennen zu haben. Genau das ist eingetreten. Ich bin überrascht, dass es in diesem Bereich eine Änderung gibt und bin mir sicher, dass da starker Druck ausgeübt wurde."

Frage: "A propos starker Druck. Wie stehst du zum Thema Sicherheit in Bahrain?"
Button: "Man verfolgt natürlich die Nachrichten und wenn man einen Twitter-Account hat, ist es unmöglich, nichts davon mitzukriegen. Wir müssen uns aber nach dem halten, was die FIA vorgibt. Im Kalender stehen 19 Rennen. Wir vertrauen auf die Entscheidung der FIA, hierher zu kommen. Also fahren wir hier."

Kurve 10 in Bahrain kein Spaß

Frage: "Gibt es auf dem Bahrain International Circuit eine Passage, die dir besonderes Kopfzerbrechen bereitet?"
Button: "Ja, die Kurven 9 und 10 - die Linkskurve, die in eine noch engere Linkskurve übergeht. Ich mag den Kurs, aber diese Passage mag ich nicht. Egal was man auch probiert und verstellt, das linke Vorderrad blockiert dort immer. Es ist eine wirklich schwierige Kurve, aber darum geht es ja, oder?"

Frage: "Du hast in der Vergangenheit in Bahrain schon gewonnen. Rechnest du hier mit einem Schritt nach vorn?"
Button: "Nein, nicht hier. Wir haben im Grunde dasselbe Auto wie vor einer Woche - von ein paar Kleinigkeiten einmal abgesehen. Wir müssen einfach das Beste daraus machen und so viele Punkte wie möglich mitnehmen, bevor es nach Europa geht. In Barcelona werden wir neue Teile am Auto haben. Das zurückliegende Rennen war ganz gut. Es war aber nicht sehr aufregend, als die Leute hinter mir immer näher kamen. Alles in allem war es nicht perfekt. Mit einem guten Auto hätten wir uns für drei statt für zwei Stopps entschieden und so die Reifen deutlich härter rannehmen können. Ich hoffe, dass wir nicht mehr allzu lange warten müssen, um es auch vom reinen Tempo her mit den Jungs an der Spitze aufnehmen zu können."

Barcelona für McLaren entscheidender denn je

Frage: "Welche Bedeutung misst du den in Barcelona kommenden Upgrades am MP4-28 bei?"
Button: "Barcelona wird für uns in diesem Jahr wahrscheinlich entscheidender denn je sein. Wir werden dort kaum unseren derzeitigen Qualifying-Rückstand von sieben oder acht Zehntelsekunden komplett aufholen können. Solange wir uns aber in die richtige Richtung bewegen, sehe ich die Sache positiv. Wir können noch so viel mehr aus dem Auto herausholen, wenn es uns gelingt, das Aero-Problem in den Griff zu kriegen."

"Man kann es nicht an einer Person festmachen." Jenson Button über die Aero-Schwäche des McLaren MP4-28

Frage: "Paddy Lowe ist derjenige, der den MP4-28 entworfen hat. Ist es vor dem Hintergrund seines angekündigten Abschieds von McLaren schwierig, das Auto weiterzuentwickeln?"
Button: "Er scheint sich aus dem Staub gemacht zu haben. Ich würde Paddy jetzt gerne treffen. Er muss eine Menge Fragen beantworten (lacht; Anm. d. Red.). Nein, im Ernst: Ich komme gut mit Paddy aus. Er ist ein netter Kerl. Es ist schade, dass er in Zukunft nicht mehr für uns arbeiten wird, aber so läuft es in diesem Sport. Man kann es nicht an einer Person festmachen. Es sind hunderte von Leuten in das Konzept und den Aufbau des Autos involviert - jeder in seinem Bereich. Für uns passt es bisher einfach nicht richtig zusammen. Das wissen wir und wir wissen auch, wo wir ansetzen müssen. Die Entwicklung eines Autos ist die große Stärke dieses Teams. Der Start, den wir in diesem Jahr hingelegt haben, ist bitter, liegt aber inzwischen hinter uns. Wir müssen jetzt nach vorn blicken."

Frage: "Angenommen, die Upgrades zeigen in Barcelona nicht die gewünschte Wirkung. Glaubst du, dass sich McLaren dann früher als sonst auf die Saison 2014 konzentrieren wird?"
Button: "Darüber sollten wir uns jetzt nicht den Kopf zerbrechen. Wir wollen natürlich auch in diesem Jahr Rennen gewinnen. In erster Linie konzentrieren wir uns darauf, was wir mit dem Barcelona-Upgrade bewirken können. Unser Ziel ist es nach wie vor, Rennen zu gewinnen und um den Titel mitzufahren. Wir sind zu 100 Prozent auf die Weltmeisterschaft fokussiert. Wie viele Punkte liege ich zurück, 40? Das ein Sieg und ein dritter Platz - also nicht viel. Sebastian (Red-Bull-Pilot Vettel; Anm. d. Red.) hat im vergangenen Jahr bewiesen, dass man das Ruder auch spät in der Saison noch herumreißen kann. Unser Ziel sind ganz klar Siege, denn mit Siegen bringt man sich in eine bessere Position in der Gesamtwertung."

Glaube an Steigerung bei Perez

Frage: "Wie hättest du reagiert, wenn man dir vor dem Saisonauftakt gesagt hätte, dass du zwei der ersten drei Rennen anführen würdest?"
Button: "Nach dem letzten Barcelona-Test wäre ich doch sehr überrascht gewesen. Der einzige Weg dorthin zu kommen war aber, auf eine Zweistoppstrategie zu setzen während alle anderen auf drei Stopps setzten. Um ehrlich zu sein war ich überrascht, dass wir es in China mit zwei Stopps über die Distanz geschafft haben. Wir mussten es probieren. Für uns hat das bisher gut funktioniert. Wir können uns über die Reifen nicht beschweren. In China haben wir es geschafft, jedes Auto hinter uns zu lassen, zumindest einen Fahrer der Teams. Ich glaube, in Malaysia hätten wir sogar ein noch besseres Ergebnis als in China herausfahren können. Wenn wir unsere Upgrades bekommen, sollten wir in seiner sehr guten Position sein, um vorn mitfahren zu können."

Sergio Perez

Sergio Perez macht einen schwierigen Einstand bei McLaren durch Zoom

Frage: "Dein Teamkollege Sergio Perez hatte bisher einen schwierigen Einstand bei McLaren. Wie beurteilst du seine Performance?"
Button: "Zunächst einmal passt er sehr gut ins Team. Außerhalb des Autos fühlt er sich schon jetzt heimisch. Er verbringt sehr viel Zeit in der Fabrik und versucht, so viel wie möglich aufzusaugen. Das zurückliegende Wochenende war aber sehr schwierig für ihn. Es begann schon am Freitag nicht gut und auch im Rennen hatte er Probleme. Ich kann aber nicht für ihn sprechen und weiß nicht, womit er genau zu kämpfen hatte. Es liegt auf der Hand, dass der Druck größer ist, wenn du für ein Team fährst, das es gewohnt ist, an der Spitze mitzukämpfen. Er ist aber mental sehr stark. Solange er weiterhin vollen Einsatz zeigt, wird er sich auch verbessern."

Frage: "Als dein ehemaliger Teamkollege Lewis Hamilton am vergangenen Wochenende auf die Pole-Position fuhr, hast du ihn spontan umarmt. Ihr pflegt offenbar nach wie vor ein gutes Verhältnis?"
Button: "Ach, da waren gerade die Kameras drauf. Da mussten wir eine Show abziehen (lacht; Anm. d. Red.). Nein, im Ernst: Wir haben immer betont, dass wir gut miteinander auskommen."

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