powered by Motorsport.com
  • 17.10.2008 17:01

  • von Fabian Hust

Button: "Man muss egoistisch sein"

Jenson Button erklärt, warum er in seiner Formel-1-Karriere innerhalb von zwei Jahren gleich zweimal gewillt war, einen Vertrag zu brechen

(Motorsport-Total.com) - Als Jenson Button in der Saison 2000 beim BMW Williams F1 Team in die Formel 1 einstieg, da wurde er insbesondere in Großbritannien schon als der kommende Weltmeister gefeiert. In der Tat lief es für ihn in der ersten Saison an der Seite von Ralf Schumacher gut, mit 12 WM-Punkten beendete er die Saison auf dem achten Rang. Ein Jahr später saß Button im Benetton, drei Jahre später wechselte er zu BAR-Honda, aus dem mittlerweile das reinrassige Honda-Team geworden ist.

Titel-Bild zur News: Jenson Button

Jenson Button macht in der Formel 1 derzeit eine schwere Zeit durch

Während dieser acht Jahre erlebte Button lediglich 2004 eine relativ erfolgreiche Saison, als er mit 85 WM-Punkten den dritten Rang belegte. Schon ein Jahr später fiel er auf die neunte Position zurück (37 Punkte), 2006 folgte mit 56 Punkten ein kleiner Aufschwung, bevor es 2007 mit sechs Zählern erneut rapide bergab ging. Zur "Krönung" machte man dieses Jahr noch einmal einen Schritt zurück, derzeit hat der Brite gerade einmal drei Punkte auf dem Konto.#w1#

Mit seinen 28 Jahren und nur einem glücklichen Sieg in der Tasche sieht Button nach wie vor eine erfolgreiche Zukunft für sich in der Formel 1, auch wenn ihm längst Lewis Hamilton den Rang abgelaufen hat und er auch nicht mehr der jüngste Pilot ist, der in der Formel 1 einen Punkt einfahren konnte.

"Das war ein fantastisches Jahr, für meine erste Saison hätte ich mir nicht mehr wünschen können", so Button im Interview mit dem 'Herald Tribune'. "Es lastete überhaupt kein Druck auf mir, da ich 20 Jahre alt war. Wenn ich keine ordentliche Leistung in diesem Jahr gezeigt hätte, dann hätte ich vielleicht für das kommende Jahr keinen Platz gefunden, das war der einzige Druck, den ich hatte."

Schon damals wusste Button, dass er kein weiteres Jahr im britischen Rennstall verbringen kann, da er lediglich als kurzfristiger Ersatz für den enttäuschenden Alessandro Zanardi agierte, bevor man Juan Pablo Montoya verpflichtete.

Das folgende Jahr bei Benetton war für ihn "hart", nachdem er in der Saison zuvor so große Erfolge hatte feiern können: "Das Auto war schrecklich. Es war so schlecht, dass ich nicht auswählen konnte, an welchem Ende ich zu arbeiten hatte. In der ersten Jahreshälfte zeigte sich meine Unerfahrenheit."

Obwohl er in der Saison darauf mehr Punkte sammelte als Jarno Trulli, entschied sich Renault dazu, für 2003 Fernando Alonso zu verpflichten und am Italiener festzuhalten. Aus diesem Grund wechselte er zu BAR: "Der Empfang dort war unglaublich. Ich fühlte mich dort wesentlich heimischer als bei den anderen beiden Teams. Es gab den Willen, mir zu helfen, was großartig war."

Es war ihm jedoch schwer gefallen, den Respekt von Jacques Villeneuve zu ernten: "Er war nie ein einfacher Teamkollege". Zudem habe sich der Kanadier seiner Meinung nach unwohl gefühlt, weil ein junger Fahrer in sein gemachtes Nest kam. Für ihn sei es "ein aufregendes Jahr" gewesen, schließlich holte er mehr Punkte als der ehemalige Formel-1-Weltmeister.

2004 folgte das unrühmliche Jahr, als Button zu Williams zurückkehren wollte, das 'Contract Recognition Board' jedoch entschied, dass er einen gültigen Vertrag mit BAR hat und im Team bleiben muss. Ein Jahr später erneut eine fragwürdige Situation: Eigentlich hatte er für 2006 bei Williams unterschrieben, entschied sich dann jedoch plötzlich, bei BAR bleiben zu wollen. Den Rechtsstreit vergoldete BAR mit rund 22 Millionen Euro Schadensersatz für Williams.

Für sein Verhalten hat Button heute eine Erklärung. Damals wollte er unbedingt für ein Team fahren, das durch einen Automobilhersteller unterstützt wird. Als er das Gefühl hatte, dass Honda nicht hinter BAR steht, wollte er zu Williams zurückkehren, das von BMW unterstützt wurde. Dann erfuhr er, dass BMW sich von Williams trennen wird und Honda 2006 BAR kaufen würde. Aus diesem Grund wollte er sicherstellen, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht bei Williams fährt.

"Die Leute in diesem Sport realisieren, dass die erste Person, an die du denken musst, du selbst bist", gesteht Button. "Was bringt es, zu Williams zu gehen, wenn sie nicht wieder ein Rennen gewinnen? Man möchte gewinnen, man muss egoistisch sein."

Und wie es der Zufall will, hat Williams seit 2004 kein Rennen mehr gewonnen, wohingegen Button - allerdings mit viel Glück - beim Großen Preis von Ungarn 2006 bei einem verregneten Rennen im 113. Anlauf ganz oben auf dem Podium stehen durfte. Doch von den erhofften großen Erfolgen ist Button im Moment so weit entfernt, wie nie zuvor...