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Button im freien Fall: Es wird immer schlimmer

Das katastrophale Rennen in Kanada war der vorläufige Höhepunkt der Krise des Jenson Button: Was ist mit dem Melbourne-Sieger los?

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Qualifying in Montreal, bei dem Jenson Button nur auf den zehnten Platz fuhr, sagte der Brite: "Viel schlimmer kann es nicht mehr werden." Doch 24 Stunden später musste der Weltmeister von 2009 seine Meinung revidieren. "Es war schrecklich. Es scheint immer schlimmer zu werden." Nach drei Boxenstopps beendete Button den Grand Prix nur auf Platz 16. Statt um den Sieg zu kämpfen, duellierte sich der McLaren-Pilot mit den Toro Rosso und Caterham. Das Rennen in Montreal ist der vorläufige Höhepunkt eines dramatischen Absturzes.

Jenson Button

Jenson Button ist derzeit das Sorgenkind der Formel 1 Zoom

Vor drei Monaten sah die Welt des Jenson Button noch völlig anders aus. Der 32-Jährige siegte bei Saisonauftakt in Melbourne. Nach einer Kollision im Regenrennen von Sepang blieb Button in Malaysia zwar ohne Punkte, meldete sich mit Platz zwei in China jedoch eindrucksvoll zurück. Doch seitdem läuft der Brite seiner Form mit immer größerem Abstand hinterher. Seit Mitte April gewann Button ganze zwei WM-Punkte, in der Gesamtwertung liegt er mit einem Rückstand von 43 Punkten auf seinen Teamkollegen Lewis Hamilton abgeschlagen auf Rang acht.

Was ist also los mit Button? Gestern waren die Probleme offensichtlich. "Wir hatten einfach keine Geschwindigkeit. Ich konnte die Reifen nicht schonen und sie bauten rasant schnell ab", erklärt Button die drei Boxenstopps. Doch trotz mehrere Reifenwechsel war der 32-Jährige wesentlich langsamer als die Konkurrenz. "Ein solches Rennen hatte ich noch nie. Ich fuhr das Auto am Limit, war aber zwei Sekunden zu langsam. Das ist verwirrend", so Button.

McLaren stellt sich hinter Button

Jenson Button, Martin Whitmarsh (Teamchef, McLaren), Lewis Hamilton

In Melbourne war Jenson Button noch der umjubelte Sieger Zoom

Sein Team war anschließend sehr darum bemüht, seinen Fahrer in Schutz zu nehmen. "Er hat die Hinterreifen hart rangenommen, weil wir am Freitag ein bestimmtes Setup der Hinterradaufhängung nicht testen konnten. Das war unser Fehler. Wir waren nicht dazu in der Lage, ihm ein gutes Rennauto zu geben", sagt Teamchef Martin Whitmarsh.

Auch Sportdirektor Sam Michael machte Button keinen Vorwurf. "Als Team haben wir ihm nicht gerade geholfen, vor allem durch das Problem mit dem Getriebe am Freitag", sagt der Australier bei 'Sky Sports F1'. Wegen eines Öllecks am Getriebe hatte Button am Freitag wertvolle Abstimmungszeit verloren. "Wir sind mit dem Setup in eine völlig andere Richtung gegangen, konnten aber nicht genügend Longruns fahren. Das hat ihn gestern beeinträchtigt", so Michael.


Fotos: Jenson Button, Großer Preis von Kanada


"Wenn wir all dies Problem mit dem Getriebe und im Qualifying nicht gehabt hätten, und er dann in dieser Position wäre, müssten er sich Sorgen machen", beschwichtigt Michael. "Aber er weiß: Wenn all diese Dinge funktionieren, sind wir vorne." Damit wären zwar die schlechte Traktion und die stark abbauenden Hinterreifen in Montreal erklärt, doch Buttons Probleme bestehen nicht erst seit diesem Wochenende. In Barcelona und Monaco verpasste er den Einzug in Q3, in Montreal gelang ihm dies nur, indem er früh sämtliche weichen Reifen verbrauchte.

Verursacht ein Update die Krise?

Jenson Button

Seit einigen Rennen spürt Button angeblich kein Feedback der Vorderräder Zoom

Es scheint also ein grundsätzliches Problem mit seinem Auto vorzuliegen. Davon geht mittlerweile auch Button selbst aus. "Wir müssen das Auto einmal auseinandernehmen und schauen, ob sich dadurch eine Verbesserung einstellt. Ich verstehe einfach nicht, was wir tun können. Nach zwei Runden dachte ich nur: 'Oh je.' Wir haben nun schon ein paar Wochen mit diesem Problem zu kämpfen. Wir sind der Sache aber noch immer auf der Spur."

Michael, der als ehemaliger Technischer Direktor des Williams-Teams auch für technische Fragen ein kompetenter Ansprechpartner ist, vermutet, dass der MP4-27 eher dem Fahrstil von Hamilton entgegenkommt. "Bei diesem Auto haben wir manchmal etwas weniger Grip an der Hinterachse, damit kommt Lewis besser zurecht." Der Australier verweist zudem darauf, dass sich in dieser Saison gering Zeitunterschiede in den Ergebnislisten dramatisch auswirken. "Jenson ist manchmal 0,3 Sekunden hinter Lewis. Früher hätte das ein oder zwei Plätze ausgemacht, heute sind es zehn Plätze."

Da Button jedoch in den ersten Rennen mit seinem Auto hervorragend zurechtkam, hält sich im Fahrerlager die Vermutung, dass eine technische Neuerung am MP4-27 die Probleme verursacht. Hinter vorgehaltener Hand wird aus dem Umfeld Buttons berichtet, dass ein Update am McLaren nicht mit seinem Fahrstil harmoniert. Dabei soll es sich um ein elektrisch betriebenes System handeln, welches einen Einfluss auf die Mechanik, mutmaßlich die Vorderradaufhängung hat, wodurch Button kein Feedback der Vorderräder spürt.

Andere Quellen vermuten eine Neuerung im Bereich der Bremsbelüftung, doch auch dies ist derzeit nur Spekulation. Es könnte jedoch die Schwierigkeiten bei der Abstimmung des Fahrzeugs erklären, die sich vor allem im Qualifying bemerkbar machen, wo Button in den vergangenen Rennen stets deutlich langsamer als Hamilton war.

Wann kommt die Wende?

"Er weiß, wie man im Rennauto gewinnt." Ron Dennis

Im Team bemüht man sich jedoch um Optimismus und stärkt seinem Fahrer den Rücken. "Es ist nichts, worüber wir uns langfristig Sorgen machen müssen, aber es ist heute eine Enttäuschung. Jenson ist ein großartiger Rennfahrer. Er wird den Kopf nicht hängen lassen und könnte der erste Fahrer sein, der diese Saison ein zweites Mal gewinnt", ist sich Whitmarsh sicher. "Jenson ist immer noch der gleiche Fahrer wie beim Saisonauftakt. Er weiß, wie man im Rennauto gewinnt", bestätigt der ehemalige Teamchef Ron Dennis bei 'Sky Sports F1'.

"Wir haben daher keine Zweifel, dass Jenson die Kurve bekommen wird, ob nun beim nächsten Rennen oder später", stimmt auch Michael in den Motivationschor ein. "Wir unterstützen ihn zu 100 Prozent, und er wird bald wieder an der Spitze sein. Niemand will das mehr, als er selbst." Sorgen, dass sich die Misserfolge negativ auf Buttons Selbstvertrauen auswirken, hat der Sportdirektor nicht. "Jenson ist ein positiver Mensch, der sich nie hängen lässt. Er ist nicht glücklich, aber das würde ich auch nicht von ihm erwarten. Sein Umfeld unterstützt ihn großartig."

"Ich werde nie aufgeben und immer weiter kämpfen." Jenson Button

"Das war vermutlich eines meiner schlechtesten Rennen in vielen, vielen Jahren", sagt Button nach dem Rennen. "Es ist aber nicht so, dass es mir an Selbstvertrauen fehlen würde oder dass ich nicht genug Druck machen würde." Sein Kampfgeist ist ungebrochen, wie auch die folgende Nachricht bei 'Twitter' zeigt. "Es waren ein paar harte Rennen, aber ich werde nie aufgeben und immer weiter kämpfen."

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