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Boxengassen-Chaos: Warum Vettel überholt und Sainz meckert

Ein gefährliches Manöver von Nico Hülkenberg, eine mutige Entscheidung von Sebastian Vettel und ein leidtragender Carlos Sainz sorgen in China für Diskussionen

(Motorsport-Total.com) - Der Grand Prix von China 2016 darf durchaus als ereignisreich bezeichnet werden. Und einige der zahlreichen Vorfälle fanden am Sonntagnachmittag in der Boxengasse statt. In der Anfahrt zum Reifenwechsel bremst Force-India-Pilot Nico Hülkenberg so stark ab, dass der hinter ihm fahrender Toro Rosso von Carlos Sainz beinahe in ihn hinein fährt und Sebastian Vettel sich sogar fürs Überholen entscheidet. Hülkenberg wurde dafür bestraft, Sainz dadurch vielleicht um eine bessere Platzierung gebracht und Vettel erweist sich als Schlauberger.

"Es scheint normal zu sein, aber es ist sehr gefährlich", prangert Sainz das vorsätzliche Langsamfahren an. "Wenn man hinterher fährt, erwartet man ja nicht, dass so abgebremst wird. Ich wollte ihn noch außen auf dem Gras überholen. Aber dann kam Seb und ich wollte ihm nicht in den Weg fahren. Die Boxengasse sollte ein sicherer Platz sein, kein Platz um Rennen zu fahren und Chaos zu verursachen."

Zu dem Chaos in der Boxengasse kam es auch durch das Chaos auf der Strecke. Durch die Startkollision beider Ferraris und andere Berührungen im Feld lagen viele Trümmerteile auf der Strecke, weswegen sich die Rennleitung in Runde 3 fürs Aufräumen unter dem Safety-Car entschied. Das war der Startschuss für einen Boxenstopp-Andrang, den Hülkenberg, Sainz und Vettel aus Top-10-Platzierung aus beiwohnten.

"Die Regeln sagen, dass man in der Anfahrt nicht abbremsen soll. Aber in der Hitze des Gefechts ist es schwer einzuschätzen, ob man einen Vorteil daraus ziehen kann", verteidigt sich Hülkenberg. Der Force India Pilot stand unter Verdacht, bewusst abgebremst zu haben, weil er sich beim Reifenwechsel hinter seinem Teamkollegen Sergio Perez einreihen musste und so eventuell Zeit sparen wollte. Dafür wurde ihm später eine Fünf-Sekunden-Strafe aufgebrummt.

Der gelackmeierte Sainz weist aber darauf hin, wie gefährlich sich die Situation außerdem hätte entwickeln können: "Es dürfen zwar nur 80 km/h gefahren werden, aber das ist noch immer schnell. Wenn da einer abbremst und man fährt hinten rein, dann drehen sich plötzlich zwei Autos in der Boxengasse - wo Leute drum herum stehen."

Nutznießer der Situation war ohnehin Vettel, dem in seiner Aufholjagd quasi zwei Plätze geschenkt wurden. Denn der Ferrari-Pilot handelte nicht regelwidrig, wie von einigen Zuschauern angenommen. Auch während einer Safety-Car-Phase ist das Überholen im Boxengassen-Bereich erlaubt, wir unter Punkt 39.8 f nachzulesen ist.

"Ich darf dort überholen", triumphiert der viermalige Weltmeister also. "Ich weiß nicht, was mit dem Force India passiert ist. Er war langsam und der Toro Rosso hat sich dazu entschlossen, sich hinten anzustellen, also bin ich so halb über das Gras gefahren, um die beiden zu überholen. Im Boxengasseneingang dürfen wir racen. Scheint so, als war ich der Einzige, der das wusste."