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  • 19.03.2016 11:00

  • von Dominik Sharaf

Bernie Ecclestone rügt neues Qualifying: "Ziemlicher Mist!"

TV-Zuschauer Ecclestone gefällt die "Reise nach Jerusalem" nicht, er würdigt aber die belebende Wirkung des Formats und wünscht sich eine echte Revolution

(Motorsport-Total.com) - Formel-1-Boss Bernie Ecclestone übt scharfe Kritik am neuen Qualifyingformat. "Ziemlichen Mist" nennt der 85-Jährige den überarbeiteten Modus, dessen Premiere er aus dem fernen London nur im Fernsehen verfolgte. Die Reise nach Australien sparte sich der Zampano, zumal er nach eigener Aussage ohnehin schon abgesehen hätte, dass die Novelle zum Reinfall verkommt. "Ich war von Anfang an nicht begeistert. Aber jetzt haben wir den Salat, bis wir etwas ändern", raunzt Ecclestone.

Titel-Bild zur News: Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone mag das neue Qualifying nicht - und tut das auch kund Zoom

Nicht nur er, auch die Fahrer und die Teamverantwortlichen lassen nach der Premiere in Melbourne kein gutes Haar an dem "Reise-nach-Jerusalem"-System. Immerhin erkennt Ecclestone, dass durch das gestiegene Druckmoment auch die Platzhirsche mit den Nerven zu kämpfen hatten. Er streicht heraus: "Das Einzige, was ich daran gut finde, ist, dass auch die Schnellsten von der Fahrbahn abgekommen sind respektive die eine oder andere Dummheit begangen haben", bemerkt er.

In der Tat leistete sich unter anderem Mercedes-Star Nico Rosberg mehrere Patzer, dazu waren bei vielen Piloten querstehende Autos und qualmende Reifen zu beobachten. Ziel erreicht? "Das führte zu einem Durchwirbeln der Startaufstellung, was wir wollten", betont Ecclestone und erkennt einen Fortschritt, den er bei einer Überarbeitung bewahren will: "Kehren wir zum alten Modus zurück, sage ich voraus, was passiert: Mercedes wäre auf Platz eins und zwei. So einfach ist das."

Er plädiert für mehr Unvorhersehbarkeit bei den Rennen und sagt in Richtung der Journalisten: "Weder Sie noch ich wollen, dass sich die Startaufstellung und der Rennausgang voraussagen lassen. Wir könnten alles verkaufen, was wir haben, und unser Geld auf Hamilton setzen. Die Fans auf dem Weg an die Strecke sollen diskutieren, ob Hamilton sich auf den Hosenboden setzen muss, ob Ferrari schnell ist oder jemand anders auftrumpft. Aber das geht nicht und das ist das Problem."


Fotos: Großer Preis von Australien, Samstag


Ecclestone macht sich erneut für den Vorschlag stark, auf die Qualifying-Zeiten Aufschläge anhand der WM-Gesamtwertung zu verteilen. Es sollen die beste Piloten in den besten Boliden mit schlechteren Startplätzen vor eine schwierigere Aufgabe gestellt werden. Er hofft, dass dann der Schnellste aus dem Mittelfeld starten und sich im Rennen in Rad-an-Rad-Duellen nach vorne kämpfen muss, aber nicht so weit zurückfällt, dass er im Kampf um Rang eins chancenlos ist. "Das würde zumindest für die Hälfte des Rennens guten Sport versprechen.", unterstreicht Ecclestone.

Er betont seine Reformwilligkeit, die er schon im Vorfeld der Saison in diversen Gremien und in den Medien zum Ausdruck brachte: "In den vergangenen 60 Jahren war alles schön und gut. Und das Format gefällt sicher demjenigen, der mehr Pole-Positions haben will als jeder andere. Das ist legitim", so Ecclestone.