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  • 25.09.2011 · 18:54

  • von Dieter Rencken

Alonso: "Wir hatten nicht so viel Grip"

Ferrari-Pilot Fernando Alonso spricht im Interview über sein Abschneiden in Singapur und die weiteren Aussichten für das Team aus Maranello

(Motorsport-Total.com) - Eigentlich wollte Fernando Alonso in Singapur nach dem Rennsieg greifen, doch daraus wurde nichts: Statt mit Red Bull um den Platz ganz vorne zu streiten, musste sich der spanische Rennfahrer mit einer Verfolgerposition begnügen und verpasste letztendlich sogar das Podest. Ferrari tat sich schwer, was auch am Reifenverschleiß zu erkennen war. Darunter schienen die Roten mehr zu leiden als sonst, wie Alonso im Interview bestätigt. Der Ex-Champion ist aber nicht vollkommen unzufrieden.

Fernando Alonso

Fernando Alonso kam in Singapur auf dem vierten Platz über die Ziellinie

Frage: "Fernando, die weichen Reifen sind normalerweise eine Stärke von Ferrari. Heute war die Reifennutzung allerdings ein Schwachpunkt. Weshalb?"
Fernando Alonso: "Wir hatten nicht so viel Grip. Aus diesem Grund drehten die Reifen mehr durch und deswegen war der Reifenverschleiß bei uns etwas größer als bei den anderen."

"Mit dem ersten Reifensatz litten wir meiner Meinung nach aber ein bisschen mehr als im weiteren Verlauf des Rennens. Da war der Verschleiß dann mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau wie bei den anderen. Unser Tempo war aber geringer, zum Teil recht erheblich. Während des gesamten Stints fehlte es uns an Geschwindigkeit. Das lag nicht nur an den Reifen."

Frage: "Beschreibe uns dein Rennen. Wie erging es dir am Start?"
Alonso: "Der Start war okay und wir machten gleich einige Positionen gut. Wir lagen zunächst an dritter Stelle. Webber (Mark Webber; Anm. d. Red.) überholte uns dann aber. Beim Safety-Car büßte ich meinen kleinen Vorsprung ein, beim Restart lag er dicht hinter mir. Damit waren wir Vierter."


Fotos: Fernando Alonso, Großer Preis von Singapur


"Das nutzte er aus und uns ging dadurch vielleicht ein Podium durch die Lappen. So ist es halt. Webber sollte im Normalfall eh vor uns sein, denn sie sind viel schneller als wir. Wir waren sechs Zehntel oder eine Sekunde langsamer als sie. Platz vier war da das Maximum. Wir treten derzeit gegen McLaren und manchmal auch gegen Mercedes an. In der Fahrer-WM ist eh alles klar."

Wie sieht die weitere Tendenz aus?

Frage: "Du warst ziemlich zuversichtlich, hier um den Sieg kämpfen zu können. Sowohl auf schnellen Strecken als auch auf langsamen Kursen wart ihr bisher aber nicht dazu in der Lage, ganz nach vorne zu fahren. Wie optimistisch bist du für den restlichen Saisonverlauf, was deine Chancen auf einen Rennerfolg angeht?"
Alonso: "Unsere Zuversicht, in diesem Jahr noch Rennen zu gewinnen, ist jetzt natürlich etwas geringer."

"Wir waren weder in Spa-Francorchamps noch in Monza schnell, in Singapur war das nun ebenso nicht der Fall. In Suzuka wird es für uns vermutlich erneut schwierig, denn das ist wieder eine Red-Bull-Strecke. Wir müssen jetzt leider die Ruhe bewahren. Wir sollten uns vor allem mit dem Auto für 2012 beschäftigen. Die fünf noch ausstehenden Rennen sind für uns in erster Linie Testrennen."

"Da kann man dann auch einmal experimentieren." Fernando Alonso

"Wir müssen versuchen, ein Verständnis für gewisse Dinge der kommenden Saison aufzubauen. Da kann man dann auch einmal experimentieren. In manchen der restlichen Rennen sind wir vielleicht wieder etwas konkurrenzfähiger und können möglicherweise auf das Podest fahren. In den anderen Grands Prix werden wir ansonsten halt auf Position fünf oder dergleichen ankommen. Das ist der Stand der Dinge."

"Ich denke, die Fahrer-WM war schon entschieden. In der Konstrukteurswertung haben wir zwar noch eine kleine Hoffnung, McLaren abzufangen, doch sie vergrößerten ihren Vorsprung auf uns wieder einmal. Nun scheinen also auch die Positionen bei den Herstellern recht bezogen zu sein. Da gibt es nicht viel, was wir tun können."¿pbvin|512|4109||0|1pb¿

Frage: "Sprechen wir über das Auto für 2012: Wie sehr warst du in den Designprozess und in die Entwicklung eingebunden und wie sehr wird man dich noch dabei einbinden?"
Alonso: "Nicht allzu sehr. Wir haben Leute, die sich darum kümmern. Wir können dem Team die Richtung vorgeben und ihnen sagen, was wir im Auto spüren."

"Wir verfolgen unsere Konkurrenz und versuchen, den Schwachpunkt unserer Leistung auszumachen. Das wollen wir analysieren. In der aktuellen Formel 1 ist meiner Meinung nach die Aerodynamik das Wichtigste. Wenn du dadurch eine halbe Sekunde gewinnst, wird alles viel einfacher: die Strategie, das Verhalten der Reifen, der Verschleiß, das Aufwärmen der Pneus und dergleichen."

Ferrari: Im Rennen ohne Chance

Frage: "Noch einmal zurück zu Singapur: Konntet ihr bereits am Freitag absehen, dass ihr vielleicht nicht ganz auf Tempo sein würdet?"
Alonso: "Ja. Wir waren aber zunächst etwas konkurrenzfähiger als in den vorhergehenden Rennen. Zwischendurch lagen wir in diesem Grand Prix an dritter Stelle und ohne das Safety-Car und die blauen Flaggen hätten wir es vielleicht auf das Treppchen schaffen können."

"Red Bull hielt mit der wahren Leistung noch hinter dem Berg." Fernando Alonso

"Möglicherweise waren wir hier also etwas schneller als in Spa und Monza. Am Freitag hatte sich das Auto recht gut verhalten. Red Bull hielt mit der wahren Leistung aber noch hinter dem Berg. Sie waren also nicht bei einhundert Prozent. Sie waren außer Reichweite. Wir dachten, dass wir gegen McLaren vielleicht eine kleine Chance haben würden."

"Im Rennen war das der Fall. Möglicherweise nicht bei Jenson (Button; Anm. d. Red.), denn er fuhr klasse. Mit Lewis (Hamilton; Anm. d. Red.) konnten wir aber kämpfen. Wahrscheinlich wäre das auch ohne das Problem zwischen ihm und Felipe gegangen. Bei Lewis trat mehr Reifenverschleiß auf als Jenson. Wir wären wohl dazu in der Lage gewesen, es mit ihm aufzunehmen."

Frage: "Wie würdest du ausgehend davon deine Chancen für Japan und Südkorea einordnen?"
Alonso: "Es wird dort ähnlich laufen wie hier in Singapur, denke ich. Wenn alles passt, wir eine gute Balance haben und wir mit dem Auto vom Freitag an zufrieden sind, dann dürfte das Podest unser Ziel sein. Sind wir dagegen nicht konkurrenzfähig und haben wir Probleme mit der Balance, dann müssen wir realistisch sein. Dann liegen wir auf den Positionen fünf und sechs."