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  • 09.07.2009 · 17:28

Alonso: "Ich will unbedingt wieder gewinnen"

Fernando Alonso im Interview über die erneuten Ferrari-Gerüchte, die Aufholjagd von Renault und die Aussichten für die zweite Saisonhälfte

(Motorsport-Total.com) - Für italienische und spanische Medien ist der Fall klar: Fernando Alonso soll im Rahmen des Grand Prix von Italien in Monza als neuer Ferrari-Pilot bestätigt werden - einzig der Betroffene selbst will davon derzeit nichts wissen. Am Nürburgring verwies Alonso entsprechende Spekulationen wieder einmal ins Reich der Fabeln und gab sich im Interview optimistisch, schon bald wieder siegen zu können - entweder bei Renault oder bei einem anderen Team mit einem konkurrenzfähigen Auto.

Fernando Alonso

Ein gutgelaunter Fernando Alonso nahm in der Eifel Stellung zu den neusten Gerüchten

Frage: "Fernando, Pat Symonds hat gesagt, dass Renault das Jahr mit dem drittschnellsten Auto beenden kann. Wie zuversichtlich bist du, dass dieses Ziel erreicht werden kann?"
Fernando Alonso: "Warum nicht? Ganz offensichtlich handelt es sich dabei nicht um ein einfaches Unterfangen, doch ein solches haben wir ja auch schon im vergangenen Jahr gemeistert. Wir haben das Potenzial, um das zu schaffen. Es gibt zwei Teams - Brawn und Red Bull -, die allen anderen etwas voraus haben. Doch dann folgt schon die Gruppe der drittschnellsten Teams um Toyota, Williams und Ferrari."#w1#

"Es ist nicht klar, wer nun hinter Brawn und Red Bull liegt. Wir würden diese Gruppe gerne ergänzen und auf manchen Strecken die Gelegenheit haben, in die Top 5 vorzustoßen. Wir werden sehen. Wir haben einige aerodynamische Updates dabei und werden den Wagen bei diesem Grand Prix verbessern. Simulationen kann man nur schwerlich Glauben schenken, weil es manchmal mehr und manchmal eben weniger bringt."

"Wir hoffen jedenfalls darauf, zwei oder zweieinhalb Zehntel zu finden. Hoffentlich bringt uns das in eine bessere Position. Wir wollen unbedingt Zähler einfahren, weil wir die Punkteränge in den vergangenen zwei Grands Prix verpasst haben. Das erste Ziel lautet daher, konstant in den Top 8 zu landen. Anschließend wollen wir mit weiteren Verbesserungen noch weiter zu den Topleiten aufschließen."

Die Gerüchteküche läuft auf Hochtouren...

Frage: "Wie siehst du deine Zukunft angesichts des andauernden Streits zwischen FIA und FOTA?"
Alonso: "Ich denke, wir haben uns nun schon lange genug darüber unterhalten und haben diesen politischen Streitereien in den vergangenen Monaten zu viel Zeit gewidmet. Das hat dem Sport sicherlich nicht geholfen und ich hoffe sehr darauf, dass es jetzt endet und dass wir wieder über den Sport und eine finale Lösung sprechen können. Warten wir also einfach einmal ab. Wir konzentrieren uns jedenfalls auf dieses Rennen. Je weniger abseits der Strecke passiert, desto besser wird es für alle Beteiligten sein."

Frage: "Was sagst du zu den jüngsten Gerüchten um Ferrari?"
Alonso: "Nichts. Das sind doch alles nur Gerüchte. Die geistern doch schon seit vier oder fünf Jahren umher."

Frage: "Hast du Gespräche mit Ferrari geführt oder gar schon einen Vertrag unterzeichnet?"
Alonso: "Nein und nein."

"Ich fühle mich bei Renault sehr wohl." Fernando Alonso

Frage: "Es gab also keinerlei Gespräche mit Ferrari?"
Alonso: "Ich denke, es ist noch etwas früh in der Saison. Wir haben noch nicht einmal die Saisonhälfte überschritten. Es ist Anfang Juli und für gewöhnlich ist es erst nach dem Sommer an der Zeit, um sich darüber zu unterhalten - sofern man dann an etwas anderem als dem eigenen Team interessiert ist. Ich fühle mich bei Renault sehr wohl. Ich gehe davon aus, dass wir eine weitaus bessere zweite Saisonhälfte hinlegen werden als es die erste war. Dann werden wir sehen, wie sich das Auto weiterentwickelt und was wir im kommenden Jahr tun können. Da ist natürlich alles offen, aber es gibt im Augenblick keinen Grund zur Eile."

Frage: "Stell dir nur einmal für eine Sekunde vor, du würdest der Teamkollege von Felipe Massa sein. Denkst du, es gäbe dieselben Probleme wie mit Lewis Hamilton?"
Alonso: "Nein, denn Flavio (Briatore; Anm. d. Red.) wird die Situation schon managen!"

Alonso hofft für 2010 wieder auf ein Siegerauto

Frage: "Denkst du, der Hauptfehler von Ferrari, McLaren und Renault war, ein Auto für KERS zu bauen und anschließend zu versuchen, es auch ohne KERS schnell zu machen?"
Alonso: "Das ist sicher ein Teil davon, ganz klar. Hätten die Teams das für KERS verwendete Geld und die dafür aufgebrachte Zeit in den Windkanal gesteckt, dann hätten wir daraus deutlich produktivere Ergebnisse in Bezug auf die Rundenzeiten erhalten. Das ist das eine. Zweitens spielte in diesem Jahr auch diese Diffusor-Geschichte zu Saisonbeginn eine große Rolle - vor allem für die vier Topteams. Hätte man den Doppeldiffusor in Australien für illegal befunden, dann wären die Teams ohne dieses Teil in einer guten Position gewesen - wie schon den gesamten Winter über."

"Es gab also einige Faktoren, welche sehr großen Einfluss darauf hatten, wie sich die Saison für die besten Teams entwickeln würde. Aber so ist nun einmal die Formel 1. Das ist ein Sport. Manchmal gewinnst du und manchmal kannst du einfach nicht gewinnen. Im kommenden Jahr werden diese Teams aber allesamt stark zurückkommen. Wir werden dann wieder die Topteams an der Spitze sehen. Es ist nur sehr schwer vorstellbar, dass die kleinen Teams ein solches Leistungsniveau über zwei Jahre hinweg aufrecht erhalten können."

"Ich vermisse das Siegen - daran gibt es keine Zweifel." Fernando Alonso

Frage: "Wie wichtig wird es für deine weitere Karriere sein, im kommenden Jahr wieder ein Siegerauto zu fahren?"
Alonso: "Das ist wichtig, aber nicht das Ende der Welt. Ich vermisse das Siegen - daran gibt es keine Zweifel. Ich will unbedingt wieder gewinnen und so schnell wie möglich wieder ein Siegerauto zur Verfügung haben. Ich weiß aber, dass es hier um Sport geht und solche Dinge überall vorkommen - nicht nur im Motorsport. Das passiert im Tennis, in der NBA oder im Fußball. Manchmal hat man in seiner Karriere Höhen und Tiefen. Im Motorsport ist es jedenfalls wichtig, das Auto und das Paket zu haben."

"Wir haben das bei Michael (Schumacher; Anm. d. Red.) gesehen, dem möglicherweise großartigsten Fahrer aller Zeiten. Er hat bei Benetton zwei Titel gewonnen und musste bei Ferrari dann fünf Jahre warten. Es geht schließlich nicht nur um die menschliche Komponente, sondern auch um das Team und das Paket. Ich ordne mich also selbst in einer solchen Phase ein - auf Standby. Ich trainiere jedenfalls weiter physisch und psychisch. Ich bin ein besserer Fahrer, als ich es noch vor zwei Jahren war. Ich warte förmlich auf ein konkurrenzfähiges Auto und damit werde ich besser sein denn je."

"Ich habe in den vergangenen zwei oder drei Jahren einiges gelernt. Ich habe mich im Vergleich zu 2005 und 2006 in vielen Bereichen verbessert, wo ich noch Defizite hatte. Wenn ich also wieder in eine gute Ausgangslage komme, dann bin ich hoffentlich besser und kann meine Leistung bringen. Letztendlich hängt es allerdings auch an Glück und anderen Dingen. Ich fühle mich jedenfalls bereit - mehr als zuvor. Ich bin jetzt gerade in einer Phase meiner Karriere, wo ich nicht aufgebe, weiter lerne und mich stetig verbessere. Mein Tag wird kommen."