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Alonso fühlt sich "nicht gut genug" für IndyCar-Saison

Mit einer ungewöhnlichen Begründung schließt Fernando Alonso einen Fulltime-Wechsel in die IndyCar-Saison aus - Thema Indy 500 aber noch nicht erledigt

(Motorsport-Total.com) - Fernando Alonso möchte sein Ziel, die "Triple-Crown" aus Grand Prix von Monaco, Indy 500 und 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen, weiterhin verfolgen. Eine komplette IndyCar-Saison kann sich der zweimalige Formel-1-Weltmeister aber nicht vorstellen. Interessant ist jedoch, wie er das am Rande des Grand Prix von Kanada in Montreal (Formel 1 2017 live im Ticker) begründet.

Fernando Alonso

Fernando Alonso traut sich eine komplette IndyCar-Saison eher nicht zu Zoom

Der 35-Jährige möchte sich zwar "nicht zu 100 Prozent" festlegen, dass er auch 2018 Formel 1 fahren wird ("Im September werde ich mir anschauen, welche Optionen ich habe"). Aber die Königsklasse habe für ihn "oberste Priorität, denn eine komplette Saison in der IndyCar-Serie kann ich mir kaum vorstellen. Dafür bin ich nicht vorbereitet. Ein Rennen zu fahren ist eine Sache, aber eine komplette Saison konkurrenzfähig zu bestreiten? Dafür bin ich womöglich nicht gut genug."

"Diese Jungs sind sehr talentiert und fahren schon seit vielen Jahren dort. Auf ein Rennen kannst du dich vorbereiten und es gut umsetzen, aber für eine ganze Saison brauchst du eine Menge Energie - und die habe ich vielleicht nicht mehr", sagt er. "Meine ganzen Fähigkeiten sind für die Formel 1 entwickelt, seit 16 Jahren. Mit diesem Auto kann ich am besten umgehen. Und dem möchte ich auch treu bleiben: In der Formel 1 zu fahren und zu versuchen, hier zu gewinnen."

McLaren hat bis September Zeit

Was er 2018 tun wird, wird sich Alonso erst "nach dem Sommer" überlegen. Zuletzt hatte er gesagt, dass er bei McLaren bleiben wird, wenn das Team bis September siegfähig ist - was in Branchenkreisen als völlig ausgeschlossen gilt. Allerdings sehen Experten derzeit auch kaum Chancen, bei einem der drei Formel-1-Topteams (Ferrari, Mercedes, Red Bull) unterzukommen - und überall sonst würde er wohl auch keine Chance auf den WM-Titel haben.


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IndyCar für das Andretti-Team, Le Mans mit Porsche - Alonso hat durchaus auch Optionen außerhalb der Formel 1, wenn er das denn möchte. "Ich stehe allen Möglichkeiten sehr aufgeschlossen gegenüber", sagt er, stellt aber klar: "Meine Priorität ist, hier Rennen zu gewinnen. Aber wenn McLaren nicht dazu in der Lage ist, bald zu gewinnen, dann wird die Wahrscheinlichkeit, dass ich hier bleibe, immer geringer."

Abgeschlossen ist das Thema Indy 500 keineswegs: "Ich will das Rennen gewinnen, das steht fest", sagt er und lacht: "Für die 'Triple-Crown' musst du alle drei gewinnen, nicht nur einmal dort fahren! Wir waren diesmal nahe dran. Hoffentlich bekomme ich in Zukunft noch eine Chance. Ich weiß nicht wann, aber es wäre schön, es zu gewinnen." Möglicherweise erneut mit Unterstützung von McLaren, sollte das Team am "Brickyard" auch in Zukunft ein Auto einsetzen.

In Indianapolis einigen die Augen geöffnet

Mit seiner unbelohnten Galavorstellung vor zwei Wochen hat Alonso jedenfalls viele daran erinnert, was für ein Kaliber Rennfahrer er ist: "Das Indy 500 hatte den gleichen Wert wie eine ganze Saison hier, was die Aufmerksamkeit angeht. Was ich dort geleistet habe, öffnet einigen Leuten vielleicht die Augen. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich auch in der Formel 1 erfolgreich sein kann. Aber die Gelegenheit habe ich derzeit einfach nicht", seufzt er.


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Außerdem führte er endlich mal wieder ein Rennen an - ein ungewohntes Gefühl, denn in der Formel 1 war das zuletzt beim Grand Prix von Ungarn 2014 der Fall. "Ich habe das Gefühl nie vermisst - es war immer da", sagt Alonso. "Jedes Rennen, wenn ich mein Visier runterklappe, sagt zumindest ein Prozent in meinem Körper, dass vorne irgendwas passieren kann, vielleicht eine gute Strategie, und dann kann ich vielleicht auch von Platz 17 auf das Podium fahren."

"Ich glaube immer an mich selbst", unterstreicht er. Zumal er seinen einzigen Referenzpunkt, den hoch eingeschätzten Teamkollegen Stoffel Vandoorne, regelmäßig deklassiert. Aber wieder einmal Führungsluft zu schnuppern, das hat trotzdem gut getan: "Es ist nicht so, dass dieses Gefühl vor Indianapolis weg war. Aber es stimmt, dass es ein magisches Ereignis für mich war, das größte Rennen der Welt anzuführen. Das werde ich nie vergessen!"