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  • 05.04.2013 16:40

Allison: "Feuchtes Wetter ist nicht unsere Sache"

James Allison im Interview: Wieso er in China einen Reifen-Härtetest erwartet, wie sich die Updates darauf auswirken sollen und warum der E21 bei Regen schwächelt

(Motorsport-Total.com) - Nach dem tollen Sieg in Melbourne erwies sich der Lotus E21 in Sepang nur bedingt konkurrenzfähig, was mit der Anfangsphase auf feuchter Strecke zusammenhängt. Technikchef James Allison erklärt im Interview, warum der Bolide von Kimi Räikkönen und Romain Grosjean bei Nässe nicht optimal funktioniert, wieso er in Sepang einen Härtetest für die Reifen erwartet und wie man diesbezüglich mit den neuen Updates für Abhilfe sorgen will.

Titel-Bild zur News: James Allison

James Allison weiß, dass sein Lotus E21 bei feuchter Piste schwächelt Zoom

Frage: "James, Melbourne und Sepang haben ein paar Ähnlichkeiten. Inwiefern unterscheidet sich Schanghai?"
James Allison: "China stellt uns vor eine ganz andere Herausforderung als die vergangenen zwei Kurse. In Melbourne gibt es viele mittelschnelle Kurven, die Bandbreite ist aber relativ gering, während sie in Sepang größer ist, vielleicht mit einer Tendenz zu überdurchschnittlich schnellen Kurven. In Schanghai gibt es im Gegensatz dazu fast keine schnellen Kurven. Langsame Kurven dominieren, es gibt ein paar mittelschnelle Kurven. Einige der langsameren Kurven haben einen weiten Radius und machen zu. Das sorgt in Bezug auf die Reifen für einen ziemlichen Härtetest, da deutlich mehr Drehmoment als Grip besteht, wodurch man einen Reifensatz sehr rasch kaputt machen kann."

"Zudem ist es üblicherweise in Schanghai sehr kühl - im Vorjahr war es nicht der Jahreszeit entsprechend -, und daher wird das Graining wieder ein Problem werden, vor sein, weil der Asphalt im Vergleich zu Melbourne sehr glatt ist. Nach unseren bisherigen Erkenntnissen ist der E21 ein vernünftiges Auto, wenn das Graining ein Problem ist. Daher hoffen wir, dass sich das auch in China zeigen wird."

Frage: "2012 geriet Kimi spät im Rennen in akute Probleme. Was war der Grund?"
Allison: "Im Vorjahr schickten wir unsere Fahrer mit einer Strategie ins Rennen, die einen Stopp weniger als beim Rest des Feldes vorsah. Am Ende erwies sich das als ein Schritt zu weit, was vor allem daran lag, dass Kimi die Vorderreifen eine Spur mehr belastet als Romain. Es hat sich dann herausgestellt, dass es bei diesem Rennen vor allem bei den Vorderreifen viel Graining gab. Das war unglücklich, denn davor war es für ihn in diesem Rennen sehr gut gelaufen."

Allison gibt Regenschwäche zu

Frage: "Ein paar Teams waren zuletzt der Meinung, dass sich die diesjährigen Reifen zu sehr von denen aus dem Vorjahr unterscheiden. Stimmst du zu?"
Allison: "Nicht wirklich. Sie sind nur einen Schritt weicher als im Vorjahr, und die neue Konstruktion macht es schwieriger, den Gummi auf der Innenseite des Reifens zu aktivieren. In anderen Worten - es ist weniger Gummi vorhanden, da es sehr knifflig ist, den Reifen über die gesamte Breite in Kontakt mit der Straße zu bringen. Einige Teams würden gerne zum Vorjahresreifen zurückwechseln, aber die Teams wollen immer das durchsetzen, was in ihrem eigenen Interesse ist. Wir sind der Ansicht, dass die aktuellen Reifen für unterhaltsame Rennen sorgen, aber es war klar, dass ich das sagen würde, weil unser Auto gut funktioniert, wenn die Reifen empfindlich sind."

"Leider werden wir einen Nachteil haben, ehe wir einen neuen Heckflügel bringen, der für mehr Abtrieb sorgt." James Allison

Frage: "Die wechselhaften Bedingungen in Malaysia sind euch nicht entgegengekommen. Woran lag das?"
Allison: "Das Ergebnis in Sepang war nicht das, was wir uns erhofft hatten. Das hängt aber vor allem damit zusammen, dass wir nach sieben Runden eine halbe Minute zurücklagen. Ich muss ganz offen zugeben, dass feuchtes Wetter nicht unsere Sache ist. Wir haben Probleme, die Intermediate-Reifen so aufzuwärmen, dass sie Grip bieten, und unser aktueller Heckflügel ist bei feuchten Bedingungen zwar aerodynamisch stabil, aber generiert nicht genügend Abtrieb für diese Bedingungen. Leider werden wir diesbezüglich einen Nachteil haben, ehe wir einen neuen Heckflügel bringen, der für mehr Abtrieb sorgt."

Wie Grosjean die Kurve kriegte

Frage: "Romain zeigte sich am Malaysia-Wochenende deutlich verbessert. Ist er mit dem Auto jetzt glücklicher?"
Allison: "Romain ging mit einem Setup in das Wochenende, das viel zu viel Übersteuern verursachte, aber da er das Auto immer mehr in Richtung Untersteuern einstellte, hat er sich immer wohler im Auto und gefühlt und zeigte in der Folge eine sehr gute Leistung im Rennen. Wie bereits erwähnt belohnen diese Reifen ein gut ausbalanciertes Auto, aber an den Rennwochenenden bleibt nur wenig Zeit, um diesen Punkt genau zu treffen, was es zu einer großen Herausforderung macht. In Melbourne ist es uns nicht so recht gelungen, bei Romain in diesen Bereich zu kommen. In Malaysia verhielt sich das Auto dann aber viel mehr nach seinem Geschmack, und er belohnte uns mit einer starken Fahrt."

"Romain erhält nun das aktuellste Auspuff-Update und die gleiche Verkleidung wie Kimi in Malaysia." James Allison

Frage: "Sind für China irgendwelche Updates geplant?"
b#Allison: "Romain erhält nun das aktuellste Auspuff-Update und die gleiche Verkleidung wie Kimi in Malaysia. Wir haben auch ein paar Verbesserungen beim Frontflügel, bei den Heckflügel-Endplatten und den Flügeln bei den Seitenkästen. Einer der Vorteile des neuen Auspuffpakets ist ein verbesserter Abtrieb im Heck durch Kurven, wo der Anteil des Auspuffs an der Geschwindigkeit des Autos hoch ist, was tendenziell die langsameren Kurven sind. Das bedeutet einen ordentlichen Schritt nach vorne, was uns hoffentlich dabei hilft, die Reifen auf dieser Art Strecke zu schonen."