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Acht-Milliarden-Dollar-Deal bestätigt: Liberty kauft die Formel 1

Bernie Ecclestone bleibt (vorerst), aber der Verkauf der Formel 1 ist durch: Liberty Media kauft mit einem Milliardendeal CVC Capital Partners aus

(Motorsport-Total.com) - Am vergangenen Wochenende hatten sich die Gerüchte verdichtet, nun ist es offiziell: Die amerikanische Mediengruppe Liberty Media von John Malone übernimmt in zwei Schritten die volle Kontrolle über die Formel 1. Insgesamt ist der Deal über acht Milliarden US-Dollar wert.

Das Ende der Ära Bernie Ecclestone bedeutet der Einstieg von Liberty Media (noch) nicht. Wie erwartet wird der Medienmanager Chasey Carey im neuen Management-Konstrukt eine tragende Rolle spielen, allerdings nicht als Geschäftsführer, sondern als Vorsitzender von Delta Topco. Er löst damit Peter Brabeck-Letmathe, Präsident des Verwaltungsrats des Nahrungsmittelkonzerns Nestle, ab. Brabeck-Letmathe bleibt aber Aufsichtsratsmitglied der Formel 1."

"Ich bin ganz aufgeregt, die Rolle als Vorsitzender der Formel 1 zu übernehmen und die Chance zu haben, gemeinsam mit Bernie Ecclestone, CVC und dem Team von Liberty Media zu arbeiten", sagt Carey. "Ich bewundere die Formel 1 als einmaliges, weltweites Sport-Unterhaltungs-Franchise, das jedes Jahr hunderte Millionen Fans auf der ganzen Welt begeistert. Ich sehe große Chancen, die Formel 1 im Interesse des Sports, der Fans, Teams und Investoren weiterzuentwickeln."

Ecclestone wollte Liberty angeblich nicht

Ecclestones Zitat in der offiziellen Presseaussendung fällt kurz und knapp aus: "Ich möchte Liberty Media und Chase Carey in der Formel 1 willkommen heißen und freue mich darauf, mit ihnen zu arbeiten." Der 85-Jährige hat angeblich bis zuletzt versucht, andere Investoren ins Spiel zu bringen, weil er in die Verhandlungen zwischen CVC und Liberty nur rudimentär eingebunden war. Zudem spielt er in den Überlegungen von Liberty offenbar nur für eine Übergangsperiode eine Rolle.


Porträt: Wer ist John Malone?

"Bernie", sagt CVC-Manager Donald Mackenzie, "war in den vergangenen zehn Jahren ein wundervoller Geschäftsführer für uns. Es hat in dieser Zeit viele Erfolge gegeben und die eine oder andere Herausforderung, aber es wurde nie langweilig und wir hatten eine Menge Spaß. Die kombinierten Qualitäten von Chase und Bernie bedeuten, dass die Erfolge hoffentlich weitergehen, und wir wünschen den beiden alles Gute."

Liberty Media erwirbt in einem ersten Schritt 18,7 Prozent der Anteile vom bisherigen Kontrolleigentümer CVC Capital Partners. Dafür fließen 1,1 Milliarden Dollar (1,0 Milliarden Euro) in Cash an die Verkäufer, die darüber hinaus auch mit Liberty-Aktien und Schuldscheinen im Wert von weiteren 489 Millionen Dollar (435 Millionen Euro) vergütet werden. Das gilt freilich nur für die erste Tranche, die bereits abgewickelt und am späten Mittwochabend offiziell bestätigt wurde.

Abschluss der Transaktion erst 2017

In einem zweiten Schritt, der im ersten Quartal 2017 vollendet werden soll, plant Liberty Media die volle Übernahme über die Kontrolle der Formel-1-Dachgesellschaft Delta Topco. Neben CVC würden dann auch andere Formel-1-Eigentümer verkaufen. Liberty investiert dafür 4,4 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) an Eigenkapital und übernimmt zudem bestehende Verbindlichkeiten der Formel 1 in der Höhe von 4,1 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro).

Donald Mackenzie, Bernie Ecclestone und Pasquale Lattuneddu

CVC-Manager Donald Mackenzie, Bernie Ecclestone und Pasquale Lattuneddu Zoom

Daraus ergibt sich ein Unternehmenswert von rund acht Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro) für die Formel 1. Spekulationen, wonach Liberty Media die Königsklasse an der New Yorker Börse listen möchte, wurden bisher nicht offiziell bestätigt. Fest steht aber, dass die Teams die Möglichkeit haben werden, Formel-1-Anteile zu erwerben: "Bestimmte Teams haben bereits Interesse bekundet, nach Abschluss der Transaktion zu investieren", heißt es in einem Liberty-Statement.

Trotz der hohen Investitionssumme schätzt Liberty Media das damit einhergehende Risiko als sehr gering ein. Durch verschiedene Verträge (etwa mit TV-Sendern, Werbepartnern oder Rennstrecken) wird die Formel 1 bis 2026 einen garantierten Umsatz von mindestens 9,3 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro) erwirtschaften. Das ist der Bestand, der von CVC/Ecclestone übernommen wird. Alle Deals, die Liberty Media darüber hinaus abschließt, kommen da noch dazu.

FIA kann theoretisch Veto einlegen

Rein formell gesehen ist die Komplettübernahme im nächsten Jahr aber noch nicht bestätigt. Dafür erfordert es die Zustimmung von Wettbewerbs- und Finanzaufsichtsbehörden in mehreren Ländern, aber auch die Zustimmung des Automobil-Weltverbands FIA. Dieser hat ein Vetorecht und kann einen neuen Formel-1-Eigentümer theoretisch ablehnen. Außerdem besitzt die FIA ein Prozent der Formel-1-Anteile selbst. Und auch die Liberty-Aktionäre müssen noch zustimmen.


Analyse des Formel-1-Verkaufs

Bisherige Formel-1-Eigentümer:*
35,1% CVC Capital Partners (Private Equity)
20,9% Waddell & Reed (Vermögensverwaltung)
12,3% Lehman Brothers (Investmentbank)
8,5% Bambino Holdings (Treuhandgesellschaft)
5,3% Bernie Ecclestone
4,5% Staat Norwegen (Norges Bank)
3,0% JP Morgan Whitefriars (Bank-Tochtergesellschaft)
3,0% US-Bundesstaat Texas (TRS, Lehrer-Rentensystem-Fonds)
2,6% BlackRock (Vermögensverwaltung)
1,0% FIA (Automobil-Weltverband)
0,7% Churchill Capital (Private Equity)
3,1% Streubesitz mehrerer Einzelpersonen

* offiziell nicht bekannt, Angaben daher ohne Gewähr

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