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  • 02.04.2008 · 19:55

Schumacher: "Beginne im hinteren Drittel"

DTM-Debütant Ralf Schumacher im Interview: "Ohne Rennsport wird einem auf Dauer zu langweilig" - Vorfreude auf den Saisonstart in Hockenheim

(Motorsport-Total.com/sid) - Frage: "Du hast in deiner Formel-1-Karriere genug Geld verdient. Warum setzt du dich nicht zur Ruhe und genießt das Leben?"
Ralf Schumacher: "Wenn man Rennfahrer ist, fühlt man sich nach einer gewissen Zeit ohne Rennsport zu Hause nicht ganz so wohl, es wird einem auf Dauer zu langweilig. Als ich dann die Möglichkeit hatte, einen DTM-Mercedes zu testen, habe ich gesagt: 'Super, das würde ich gerne ausprobieren'. Nach insgesamt fünf Testterminen freue ich mich jetzt auf den DTM-Saisonauftakt am 13. April in Hockenheim."

Ralf Schumacher

Ralf Schumacher wäre es ohne Motorsport zu langweilig geworden

Frage: "Wann hast du ernsthaft über einen Wechsel in die DTM nachgedacht?"
Schumacher: "Das war im Dezember. Durch den Kontakt und durch die jahrelange Freundschaft zu Norbert Haug hat sich diese Chance entwickelt. Dass ich mal bei Gelegenheit ein DTM-Auto testen würde, hatten Norbert und ich schon vor langer Zeit ausgemacht. Wir haben in unserer gemeinsamen Zeit in der Formel 1 immer wieder darüber gesprochen, und jetzt gab es die Möglichkeit."#w1#

Frage: "Was hat dich letztlich bei dem Mercedes-Angebot am meisten überzeugt?"
Schumacher: "Die DTM vereint zwei Dinge: Motorsport auf höchstem Niveau mit extrem sicheren Rennautos. Beides war und ist mir wichtig. Ich hatte zwar auch andere Möglichkeiten, aber diese kamen für mich nicht in Betracht. Nach den ersten Runden beim ersten Test in Estoril im Januar habe ich schnell gemerkt, dass mir die DTM sehr viel Spaß macht. Nach einem weiteren Test war klar, dass ich hier fahren wollte. Danach haben wir gemeinsam alles klar gemacht."

Keine Angst, sich zu blamieren

"Ich sehe mich als Lehrling in einer Serie auf höchstem Niveau." Ralf Schumacher

Frage: "Du weißt, dass jeder andere Fahrer in der DTM alles geben wird, um dich zu schlagen. Weißt du wirklich, auf was du dich eingelassen hast?"
Schumacher: "Es gibt viel zu lernen für mich, aber ich habe Spaß dabei und stehe vor einer riesengroßen Herausforderung. Ich sehe mich als Lehrling in einer Serie auf höchstem Niveau. Meine erste DTM-Saison wird sicher ein Lehrjahr sein. Aber ich kehre zurück in eine Umgebung, die ich kenne und schätze - vor mehr als zehn Jahren fuhr ich drei Jahre lang als Nachwuchsfahrer im DTM-Rahmenprogramm und habe die Szene schätzen gelernt."

Frage: "Du gehst ein sehr hohes Risiko ein. Hast du Angst davor, dich zu blamieren?"
Schumacher: "Nein, überhaupt nicht. Wie gesagt, es ist ein Lehrjahr. Ich werde mich erstmal auf die neue Situation einstellen müssen, die für mich im hinteren Drittel des Feldes beginnen wird."

DTM als Imagepflege

Frage: "Du willst keine Sonderrechte in der DTM, sondern wie jeder andere Fahrer auch behandelt werden. Ist dieser Wechsel für dich vielleicht auch eine Chance dein Image aufzupolieren?"
Schumacher: "Wenn man in der Formel 1 aktiv ist, dann hat man durch zahlreiche Medien- und PR-Termine rund um den Globus teilweise so viele Dinge um die Ohren, dass es einem schwer fällt, dabei immer top zu sein. Was die DTM betrifft, hat man die Chance, sich auf und neben der Rennstrecke zu profilieren. Das will ich Schritt für Schritt erreichen."

"Meine Frau weiß, wie unleidlich ich werden kann, wenn ich zu lange ohne Motorsport zu Hause bin." Ralf Schumacher

Frage: "Was sagt deine Ehefrau Cora zur deiner Entscheidung? Wird Sie sich auf der kleinen DTM-Bühne wohlfühlen, wo es ganz anders zugeht als in der Glitzerwelt der Formel 1?"
Schumacher: "Meine Frau hat meine Entscheidung begrüßt. Zum einen, weil sie ganz genau weiß, wie unleidlich ich werden kann, wenn ich zu lange ohne Motorsport zu Hause bin. Zudem ist sie ein Motorsport-Fan und mag die DTM."

Frage: "Planst du langfristig in der DTM oder erstmal nur diese eine Saison?"
Schumacher: "Ich plane derzeit erstmal für die Saison 2008 und konzentriere mich voll und ganz darauf. Was danach kommt, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit Norbert Haug entscheiden."

Formel 1 ist nicht abgehakt

Frage: "Ist die Tür zur Formel 1 für dich endgültig zu oder träumst du von einem Comeback?"
Schumacher: "Ich freue mich total auf die DTM. Natürlich hätte ich gerne mit einem siegfähigen Auto in der Formel 1 weitergemacht, jetzt aber beginnt eine neue Herausforderung, der ich mich gerne stelle."

"Sollte es eine Chance auf ein konkurrenzfähiges Formel-1-Auto geben, würde mir Mercedes bestimmt nicht im Weg stehen." Ralf Schumacher

Frage: "Wäre es nicht fantastisch, auch in der Formel 1 in einem Silberpfeil zu sitzen?"
Schumacher: "Natürlich hätte ich gern in der Formel 1 weitergemacht, aber nur in einem konkurrenzfähigen Auto. Das war Ende der letzten Saison leider nicht gegeben. Das Ergebnis beim Formel-1-Auftakt in Australien zeigte das Leistungspotenzial der Silberpfeile, reizen würde es mich schon, so ein Auto zu fahren - ich habe 1996 übrigens meine erste Formel-1-Testfahrt in einem McLaren-Mercedes gemacht. Jetzt konzentriere ich mich allerdings hundertprozentig auf mein DTM-Engagement. Sollte es danach eine Chance auf ein konkurrenzfähiges Formel-1-Auto geben, würde mir Mercedes bestimmt nicht im Weg stehen."

Schumacher schätzt BMW stark ein

Frage: "Wem von den fünf deutschen Fahrern traust du in der Formel 1 in dieser Saison am meisten zu?"
Schumacher: "BMW Sauber und Nick Heidfeld. Nick steht nach zwei Rennen weit vorne in der Tabelle, und BMW Sauber hat in den ersten beiden Saisonrennen gute Ergebnisse gezeigt. BMW weiß schließlich, wie es geht: Die Älteren unter uns erinnern sich ja sicher daran, dass ich vor fünf Jahren in einem Williams-BMW Formel-1-Rennen gewonnen habe."

Frage: "Gibt es wieder ein Titel-Duell zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes? Oder kann BMW in diesen Zweikampf eingreifen? Wer sind deine WM-Favoriten?"
Schumacher: "McLaren-Mercedes und Ferrari sind sicher vorne dabei, aber BMW Sauber ist siegfähig, kein Zweifel, und deshalb erwarte ich einen Dreikampf."

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