"Komplette Shitshow": Ist der offizielle DTM-Test in dieser Form noch sinnvoll?

In Zeiten der Testbeschränkung gibt es in den Reihen der Teams Unmut über den offiziellen DTM-Test: Worauf sich die Kritik bezieht und wie der ADAC darauf reagiert

(Motorsport-Total.com) - Der offizielle DTM-Test in Hockenheim sorgte im Fahrerlager für Unmut: Obwohl mit der neu eingeführten Testbeschränkung eigentlich Kosten gespart werden sollen, sahen einige Teamvertreter die zwei verpflichtenden Tage in Hockenheim als sinnlos an, da wegen der Balance of Performance kaum jemand die Karten aufdeckte und das Hockenheim-Finale erst im Oktober stattfindet.

Titel-Bild zur News: Thomas Preining, Marco Wittmann, Christian Engelhart

Filmaufnahmen und Fotos wie dieses werden beim offiziellen Test angefertigt Zoom

"Das ist doch eine komplette Shitshow", schimpft ein leitender Mitarbeiter eines Team, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber Motorsport-Total.com. "Wir verbrennen hier völlig umsonst Sprit und Reifen, lernen überhaupt nichts. Niemand zeigt hier, was er kann. Warum auch?"

Seiner Meinung nach sollte der ADAC einen Anreiz schaffen, damit die Teams die Katze aus dem Sack lassen. "In Daytona wird die Startaufstellung zum Beispiel beim offiziellen Test ermittelt. Und wenn es um was geht, fährst du plötzlich nicht mehr mit angezogener Handbremse."

"Für uns ist der Test superwichtig"

Aber ist es wirklich so, dass der offizielle Test sinnlose Geldverschwendung ist? Das hängt auch davon ab, mit welchem Team man spricht. "Für die erfahrenen Teams, die hier bereits hunderte Runden gedreht haben, bringt das nicht viel, aber für uns ist das superwichtig - uns hilft jeder Kilometer", sagt Teambesitzer Rainer Dörr, dessen McLaren-Team dieses Jahr in die DTM einsteigt.

Der zweite McLaren 720S GT3 Evo wurde erst vergangene Woche geliefert, und das Team probierte in den etwas mehr als sechs Stunden Testzeit gefühlt jede mögliche Einstellung aus, um Erfahrung mit den neuen Boliden zu sammeln. Zudem benötigt Rookie Ben Dörr, der kaum GT3-Erfahrung hat, jede Runde.

Abt-Geschäftsführer: "Test wichtig für die Presse"

Im Gegensatz dazu hat das Abt-Team, das den Audi R8 LMS GT3 Evo II in- und auswendig kennt, die letzte Teststunde am Mittwochabend gar nicht mehr genutzt und vorzeitig zusammengepackt. "Wir hatten ein Programm, das fahren wir durch", sagt Abt-Geschäftsführer Thomas Biermaier, der nicht vor Ort war. "Es bringt nichts, sinnlos Kilometer zu verfahren."


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Ob er den Test für relevant hält? "Grundsätzlich sehe ich ein Zusammenkommen aller Teams kurz vor der Saison positiv. Alle Teams und Fahrer sind da, jeder zeigt seine Overalls und seine Liveries", erklärt er. "Das ist wichtig für die Presse, damit jeder die nötigen Bilder machen kann."

Biermaier über Punkte: "Dann kann ich gleich Rennen machen"

Daher sei auch Hockenheim als Austragungsort "okay, weil wenn du sowas in Misano machst, interessiert es keinen", sagt Biermaier, der gerade mit der Formel E in Italien weilt. "Aber was das Thema Performance angeht, haben wir jedes Jahr vor und nach dem Test die gleiche Diskussion: Es bringt eigentlich nichts."

Was er davon halten würde, wenn man den Test sportlich aufwertet? "Man könnte vielleicht ein paar Punkte vergeben, aber ich weiß nicht", hat Biermaier Zweifel. "Dann kann ich gleich eine Rennveranstaltung machen. Es ist ein Warm-Up, eine Art Shakedown - und da darf man die Rundenzeiten nicht auf die Goldwaage legen."

Warum ADAC am Format des offiziellen Tests festhalten will

Beim ADAC sieht man künstliche Maßnahmen, um die Teams trotz der ausgereiften GT3-Autos und der Einstufung zu schnellen Zeiten zu zwingen, währenddessen kritisch. "Ich bin ein Gegner einer Überregulierung", sagt ADAC-Motorsportchef Thomas Voss auf Nachfrage von Motorsport-Total.com.

"Sie sollen hier in Ruhe testen. Wir haben zwei neue Teams dabei, die das ganze Umfeld noch gar nicht kennen. Es wäre der falsche Weg, ihnen über eine Maßnahme jetzt schon Höchstleistung abzuverlangen."

Stattdessen sollte man "es so lassen wie es ist", stellt Voss klar, der den offiziellen Test vor der Saison als ersten "Auftritt in der Öffentlichkeit", sieht.

Abgesehen davon werden auch in anderen Sportarten im Training nicht immer Höchstleistungen gezeigt, betont er. "Wenn der FC Bayern in der Säbenerstraße trainiert, dann sensen sie sich auch nicht so um wie im Spiel", grinst Voss - und zieht einen Vergleich mit dem Fußball.

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