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Klien bei McLarens DTM-Premiere in Zolder siegfähig? "Auto gut auf Bremse"

Welche Chancen sich Christian Klien bei der McLaren-Premiere in Zolder ausrechnet, welche Stärke der Bolide ausspielen könnte und wo die Achillesferse liegt

(Motorsport-Total.com) - Die Spannung vor der McLaren-Premiere in der DTM ist groß: Kann Ex-Formel-1-Pilot Christian Klien mit dem 720S GT3 des JP-Motorsport-Teams in Zolder für eine Überraschung sorgen und das Feld aufmischen? "Grundsätzlich sind wir gut vorbereitet", reibt sich Klien die Hände.

Christian Klien

Wie stark ist Christian Kliens JP-McLaren in Zolder einzuschätzen? Zoom

Das liegt auch daran, dass die Truppe aus Erkelenz sogar das GT-Open-Wochenende in Imola opferte, um am 26. und 27. Juli in aller Ruhe auf dem Silesiaring in Polen zu trainieren, damit alle Abläufe sitzen. "Wir haben dort vor allem Boxenstopps trainiert und simuliert", bestätigt Klien.

"Wir wollten auch das Auto noch ein bisschen besser kennenlernen, denn für uns ist jede Rennstrecke neu, weil wir zum ersten Mal mit dem McLaren fahren."

"Rechne auf jeden Fall mit den Top 10"

Doch wie schätzt der Ex-Formel-1-Pilot, der von 2004 bis 2010 an 49 Grands Prix teilnahm und im Red Bull einmal Fünfter wurde, seine Chancen bei der DTM-Premiere ein? "Ich rechne schon damit, dass wir gut mithalten können, denn wir fahren ja auch sonst gegen diese Jungs und diese Teams", sagt Klien.

Auch beim privaten Testtag in Zolder, an dem vor etwas mehr als einem Monat zahlreiche DTM-Teams teilnahmen, sei man "gut dabei" gewesen. Auf eine angepeilte Platzierung will sich der 38-Jährige aber nicht festlegen: "Ich sehe uns nicht auf P15, sondern rechne auf jeden Fall mit den Top 10, auch wenn eine Einschätzung schwierig ist, weil das auch von der BoP abhängt", sagt der 38-Jährige.

Durch gutes Bremsverhalten in Zolder im Vorteil?

Aber kommt der winkelige Kurs in Zolder seinem schwarz-golden beklebten McLaren entgegen? "Das Auto ist gut auf der Bremse, ähnlich wie der Audi", antwortet Klien. "Und der Audi funktioniert in Zolder sehr gut. Daher müsste das okay sein. Bei der Bremse haben wir ein bisschen Ungewissheit. Eine ganze Stunde sind wir beim Test nie durchgefahren."

Christian Klien

Christian Klien feiert dieses Wochenende im McLaren sein DTM-Debüt Zoom

Die Bremsen sind auf dem Stop-and-Go-Kurs das entscheidende Kriterium - und so sehr gefordert wie auf keiner anderen Strecke. "Dort gibt es viele Schikanen und langsame Ecken, die aus hoher Geschwindigkeit angebremst werden", weiß Klien. "Die Geraden dazwischen sind zu kurz, um die Bremsscheiben und die ganze Bremsanlage runterzukühlen. Aber da sind auch die anderen am Limit."

Die Balance-of-Performance-Einstufung für den 720S GT3 könnte JP Motorsport aber diesbezüglich etwas entgegenkommen, denn der McLaren erhält zwar 75 Kilogramm Ballast, ist aber mit 1.305 Kilogramm gemeinsam mit dem Lamborghini dennoch das leichteste Auto. "Das ist beim Bremsen sicher kein Nachteil", weiß Klien.

Boxenstopps als größte Herausforderung

Und noch einen weiteren Vorteil erkennt Klien: Da man dieses Wochenende in die Saison einsteigt, erhält man am Freitag zwei frische Reifensätze, während die etablieren Teams mit sogenannten Carryover-Reifen von den vorangegangenen Wochenenden leben müssen. "Das ist ein kleiner Vorteil, man sollte die Zeiten am Freitag daher aber nicht überbewerten", sagt Klien.

Einen Nachteil sieht Klien hingegen bei den Boxenstopps. Und die könnten in Zolder von besonderer Bedeutung sein, da das Überholen ohne DRS und Push-to-pass noch schwieriger sein dürfte als in Class-1-Zeiten.

Dafür gibt es zwei Gründe: 1.) Das JP-Motorsport-Team hat im Gegensatz zu den etablierten Teams keinerlei Erfahrung mit Performance-Boxenstopps, wie es sie in der DTM gibt. Und 2.) Das Radmuttersystem des 720S GT3 erlaubt es dem Team nicht, auf die von AF Corse entwickelte Choreographie der Boxencrew zu setzen und den Ablauf beim Vorderrad zu splitten.

AF-Corse-Choreographie bei McLaren nicht umsetzbar

Dafür würde man Radmuttern benötigen, die an der Felge fixiert sind, damit der Mann mit dem Schlagschrauber nach dem Öffnen der ersten Mutter sofort die Mutter des zweiten Rades öffnen kann. "Das haben wir nicht, das ist also schon ein Nachteil", sagt Klien.

"Und der Vorteil ist ja nicht nur die Choreographie. Auch die Fehlerquote sinkt", ergänzt der Österreicher. "Du hast beim Vorderrad mehr Zeit. Nur derjenige, der hin und her rennt, hat Stress. Beim anderen System kannst du hingegen auch noch die Mutter verlieren. Sie kann dir vom Schlagschrauber fallen - und es wird hektischer."

Als würde das die Aufgabe nicht bereits herausfordernd genug machen, verfügt die Radmutter des Boliden auch noch über mehr Gewindegänge als zum Beispiel beim Audi, weshalb man sie "auch mit relativ viel Drehmoment anziehen" müsse.

"Gute Stopps haben acht, neun Sekunden gedauert"

Was Klien seiner Boxencrew in Anbetracht der großen Herausforderung zutraut? "Wir haben uns zwar wirklich gut vorbereitet und das Trockentraining schaut gut aus, aber im Eifer des Gefechts und mit Druck ist das immer etwas anderes", antwortet Klien. "Dass der eine oder andere Fehler passieren wird, ist ganz klar."

Denn sein Team betritt mit den Stopps auf Zeit völliges Neuland: "Im GT Open hat man sowieso keinen Zeitdruck. In der GT-World-Challenge ist das zwar ein bisschen eine andere Geschichte, aber seit diesem Jahr hat man wegen der Betankung auch 45 Sekunden Mindeststandzeit."

Christian Klien

Spektakuläres Fahrzeug: Der McLaren 720S GT3 von JP Motorsport Zoom

Wie lang die Stopps bei den intensiven Boxenstopp-Übungen für die DTM gedauert haben? "Die guten Stopps haben acht, neun Sekunden gedauert, aber das war ohne Stress", antwortet Klien. Zur Einschätzung: Der bislang beste Stopp der neuen DTM-Ära wurde von der AF-Corse-Truppe in Monza in 6,9 Sekunden absolviert. Alles unter neun Sekunden darf als ordentlicher Stopp gewertet werden.

Auch Klien fordert Regeländerung

Klien sieht seinen Boliden wie die Fahrzeuge von Audi, Lamborghini und BMW im Nachteil und schließt sich der Forderung von Abt an, die von den Ferrari- und Mercedes-AMG-Teams genutzte Choreographie zu verbieten.

"Es gibt ja eine BoP, um die Autos anzugleichen. Daher müsste es das eigentlich auch beim Boxenstopp geben, denn es ist ja das Ziel, dass die Autos so eng wie möglich beisammen liegen. Das hat am Lausitzring schon sehr gut funktioniert. Wenn man dann beim Stopp eine Sekunde verliert, dann ist das gleich mal eine Position - oder zwei, wie man bei Liam Lawson gesehen hat, der das Auto abgewürgt hat."

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