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Investieren Werke in GT3-DTM? "Es nicht zu tun, wäre fast eine Dummheit"

Rowe-Teamchef Hans-Peter Naundorf fordert, dass die Hersteller mehr als nur Werksfahrer für eine GT3-DTM liefern, und sieht viel Potenzial, aber auch Hindernisse

(Motorsport-Total.com) - Rowe-Teamchef Hans-Peter Naundorf, dessen Truppe dieses Jahr mit dem BMW M6 GT3 den 24-Stunden-Klassiker auf dem Nürburgring triumphierte, fordert die Hersteller zu einem stärkeren Engagement in einer GT3-DTM auf. "Es muss ein Commitment der Hersteller geben, das darüber hinausgeht, Fahrer zur Verfügung zu stellen", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Nick Catsburg, Philipp Eng

Das Nordschleifen-Siegerteam bekräftigt das Interesse an einer GT3-DTM Zoom

"Sie müssten nur einen einstelligen Prozentsatz von dem investieren, was sie allein an Marketinggeldern bisher in die DTM reingebuttert haben - oder in die GTE-Klasse in Le Mans, wo man dann als Klassenbester Gesamt-20. wird. Dann hätte man die gleiche Plattform, die gleiche Fanbase wie bisher", sagt er. "Das wäre ein viel besseres Investment. Es nicht zu tun, wäre fast eine Dummheit."

Denn das Konzept einer GT3-DTM birgt laut Naundorf, der bis 2010 Technikchef des DTM-Teams Persson war, enormes Potenzial. Ohne Herstellerunterstützung werde es aber schwierig, 2021 auf ein attraktives Feld zu kommen: "Natürlich gibt es immer wieder jemanden, der einen Partner mit genügend Budget zur Verfügung hat, aber ich glaube nicht, dass das in der Breite bei mindestens 20 bis 24 Fahrzeugen möglich ist."

Rowe-Teamchef bestätigt ITR-Gespräche über DTM-Einstieg

Eine interessante Aussage, denn ausgerechnet BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt hatte vor einem zu großen Engagement der Hersteller in einer GT3-DTM gewarnt, um das Kundensportmodell nicht zu gefährden.

Aber wie sieht es mit dem Interesse des Rowe-Teams an einer GT3-DTM aus? "Wegen dieser Pandemie ist es wirklich schwierig, dieses Thema aufzuziehen, aber wenn das bei uns nächstes Jahr in diesen speziellen Rahmen reinpasst, dann sind wir interessiert", meint Naundorf, der Gespräche mit der DTM-Dachorganisation ITR im Rahmen des 24-Stunden-Rennens auf der Nordschleife bestätigt.

Dabei habe man neben dem neuen GT-Pro-Reglement auch über Budgetvorstellungen gesprochen. "Wir haben unsere Meinung dazu abgegeben, und das wurde sehr offen angehört", sagt der Rowe-Teamchef.

Rowe: Einsatzkosten von einer Million Euro die Obergrenze

Welche Budgets für ein Team in einer GT3-DTM zu stemmen wären? "Für acht bis zehn Wochenenden sind 700.000 Euro bis zu einer Million sicherlich die Obergrenze", verweist er auf die jährlichen Einsatzkosten pro Auto. "Alles darüber ist schwierig, solange sich die Hersteller nicht deutlich mehr engagieren oder man den Teams mit kostenlosen Reifen oder mit einem anderen finanziellen Ausgleich entgegenkommt."

"Oder - was man eigentlich nicht will - durch sogenannte Paydriver, wodurch das Niveau der Serie sinkt und die Plattform in eine Abwärtsspirale kommt." Doch wie kommt Naundorf auf diese Zahl? "Es gibt marktanalytische Auswertungen aus dem Sportmanagement, die besagen, dass bei einem DTM-Auto durch einen Hauptsponsor 600.000 bis 700.000 Euro fließen können, solange es sich nicht um einen Liebhaber handelt."

So stellt sich Naundorf Herstellerunterstützung vor

"Wenn wir dann über kleine Sponsoren noch 200.000 dazubekommen, dann haben wir 900.000 Euro. Dann ist die Frage: Bringt der Fahrer was mit? Gibt es noch eine Unterstützung von einem Werk? Dann sind wir bei einer Million. Und wenn es sich um zehn Rennwochenenden handelt, dann sind das 100.000 Euro pro Rennen. Damit ist man an der Grenze und bräuchte schon etwas Hilfe."

Wie er sich das "Commitment" eines Herstellers vorstelle? "Das muss nicht heißen, dass du 500.000 Euro von ihnen benötigst", sagt er. "Aber die Hersteller haben Zugang zu Teilen, zu Fahrzeugkomponenten, die für sie deutlich kostengünstiger darzustellen sind als für ein Team."

"Es liegt noch einiges vor der ITR, um das rund zu kriegen"

Wie Naundorf die ihm dargelegten ITR-Pläne für die Zeit ab 2021 einschätzt? "Die Ideen, die sie haben, sind gar nicht mal so schlecht", sagt er. "Sie haben erkannt, dass es Diversität und eine große Vielfalt an Herstellern braucht. Ich glaube aber, dass noch einiges vor ihnen liegt, um das rund zu kriegen."

Die Bemühungen im Hintergrund seien aber enorm, ist Naundorfs Eindruck. "Und auch Gerhard Berger wird mit seiner äußersten Kraft rangehen, weil das - so wie ich das mitbekommen habe - für ihn eine Herzensangelegenheit ist, dass die DTM weitergeht."

Wo für Naundorf der Reiz einer GT3-DTM liege? "Wir aus der GT3-Szene schauen ja oft nach Le Mans", holt er aus. "Und wir denken uns: Es wäre doch toll, wenn zum Beispiel die besten Ferrari-Fahrer gegen einen Nico Müller, einen Rene Rast, einen Philipp Eng oder einen Marco Wittmann antreten würden, man also die besten GT-Fahrer der Welt in einer Serie aufeinander loslässt. Das ist wie wenn die NBA nach Olympia geht - das will man sehen!"

Naundorf über GT3-DTM: Wie NBA bei olympischen Spielen!

Diese Vorstellung stoße bei ihm "auf wahnsinnig viel Liebe", stellt Naundorf klar. "Wenn das so kommt, dann bleibt das keine deutschsprachige Rennserie", sieht er enormes Potenzial, dass viele Hersteller auf den Zug aufspringen könnten. "Und auch die Marketingabteilungen, weil das einfach eine wahnsinnig gute Show wird."

Da die Basis ein GT3-Auto sei, "hätten wir gleichzeitig die Möglichkeit, die Kosten im Vergleich zur Vergangenheit deutlich zu drücken". Daher könne man "nur hoffen", dass die ITR "Partner findet, die bereit sind, da mitzumachen. Weil alleine kannst du so etwas heutzutage nicht mehr stemmen", sagt der Rowe-Teamchef.

Der übrigens nicht der Meinung ist, die DTM sollte dem GT-Masters im GT3-Bereich das Feld überlassen: "Wenn so eine Fanbase wie die der DTM wegbricht, dann wäre das für den deutschsprachigen Motorsport nicht gut. Denn dann ist sie für immer weg."

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