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DTM Zolder: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Wie das Zolder-Wochenende für Marco Wittmann mit der Pole-Position perfekt begann, aber dann alles schieflief: Wiederholt sich jetzt auch noch ein altes Trauma?

Marco Wittmann

Ein nachdenklicher Marco Wittmann: Sieht er die Bedrohung durch Philipp Eng? Zoom

Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich hätte Zolder das Wochenende des Marco Wittmann werden sollen. Der BMW-Pilot kam als DTM-Leader mit breiter Brust nach Belgien und hatte am Samstag in Hockenheim klar gezeigt, dass er bei den Münchnern der Mann ist, der es 2019 mit Audi-Spitzenmann Rene Rast aufnehmen kann.

"Rene und Marco Wittmann waren in einer eigenen Liga", fiel selbst Rosberg-Audi-Teamchef Arno Zensen auf. "Die sind vorne davongefahren, da war der Vierte schon 35 Sekunden zurück."

Und genau in dieser Tonart legte Wittmann auch in Zolder los: Der 29-Jährige knallte im Samstag-Qualifying die Pole-Position hin und verwies damit seinen Audi-Rivalen Rast im Duell um die DTM-Vorherrschaft in die Schranken. Mit der zwölften Pole seiner Karriere baute er die DTM-Führung auf sechs Punkte aus.

Wie Wittmann das Zolder-Wochenende entglitt

Und liebäugelte bereits mit dem Sieg: "Überholen ist hier sehr schwierig." Alles schien angerichtet - und sogar Vater Herbert und Bruder Nico waren als Gaststarter bei den Tourenwagen Classics in Zolder vor Ort. Doch dann entglitt dem zweimaligen DTM-Meister das Zolder-Wochenende auf merkwürdige Art und Weise.

Als BMW-Kollege Bruno Spengler beim Start zwischen Wittmann und Rast durchschlüpfte, schien die Welt noch in Ordnung, denn der Polesetter behielt die Nerven und vor allem Rast hinter sich. Aber als dann plötzlich das Safety-Car auf die Strecke kam, fühlte sich Wittmann, der nicht wie andere mit einem frühen Boxenstopp pokerte, betrogen.


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"Das Safety-Car hat mein Rennen ruiniert", grummelte Wittmann, der durch seinen Stopp sogar aus den Punkterängen fiel und sich am Ende auf Platz sieben zurückkämpfte. "Wenn du hinten stehst, kannst du dieses Risiko gehen, früh zu stoppen und dann auf ein Safety-Car zu hoffen. Wenn du vorne bist, machst du das nicht, denn du gibst nicht deinen ersten oder zweiten Platz her."

Ohne Safety-Car hätte Wittmann am Samstag wohl gewonnen

Daher forderte der frustrierte Fürther, dass in Zukunft Stopps während der Safety-Car-Phase auch als Pflichtstopps gezählt werden, denn wenn man erst stoppen kann, wenn sich das Feld zusammengeschoben hat, sei man chancenlos.

Für manche galt er damit als schlechter Verlierer, dabei ist sein Ärger nachvollziehbar: Im Endklassement war Wittmann der bestplatzierte Fahrer, der erst nach der Safety-Car-Phase stoppte. Ohne die Neutralisierung hätte er wohl gewonnen.

24 Stunden später sollte auch die DTM-Führung dahin sein, denn das Pech blieb Wittmann am Sonntag treu: Im Qualifying patzte er beim ersten Versuch, ehe erneut ein gestrandeter Aston Martin die Session durcheinanderbrachte und für einen Abbruch sorgte: Startplatz sieben.

Neuer Tag, neues Pech!

"Ganz vorne zu stehen, hat gestern auch nichts gebracht", nahm's Wittmann zunächst noch mit Zweckoptimismus. "Und wir haben gesehen, dass schnell ein Safety-Car kommen kann." Und genau so war es: Auslöser des Safety-Cars war aber Wittmann selbst, der Robin Frijns bei einem Überholversuch von der Strecke geschoben hatte.


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Selbst die verzweifelten Versuche, die diesmal sogar von BMW-Mann Dirk Adorf unterstützten Rennkommissare über Boxenfunk von einer drohenden Durchfahrtsstrafe abzubringen, halfen nicht. Dabei zeigte sich erst im Nachhinein, dass Wittmann enormes Pech hatte: Genau in dem Moment, als er Frijns auf der Innenbahn austricksten wollte, verlor dessen Motor plötzlich an Leistung. Der Audi brach aus, Wittmann konnte die Kollision nicht mehr verhindern.

Als ob der sichere Rückfall ans Ende des Feldes nicht ausreichen würde, patzte Wittmann dann auch noch beim Re-Start und kollidierte mit Teamkollege Timo Glock, dessen BMW dabei beschädigt wurde. Das Ergebnis: Platz 13, null Punkte - die DTM-Führung ist plötzlich 16 Punkte entfernt.

PEng! Neuer alter BMW-Rivale als interne Bedrohung

Und wird von einem Mann eingenommen, der Wittmann schon einmal bei BMW das Objekt der Begierde wegschnappte: Philipp Eng. Der nur drei Monate jüngere Österreicher, der nach seinem Premierensieg am Samstag und Platz zwei am Sonntag als DTM-Leader die neue BMW-Nummer-1 ist, setzte sich vor zwölf Jahren beim Formel-BMW-Weltfinale gegen Wittmann durch und durfte als Belohnung den BMW-Sauber-Formel-1-Boliden testen.

Marco Wittmann, Philipp Eng

Eng setzte sich schon beim Formel-BMW-Weltfinale 2007 gegen Wittmann durch Zoom

Engs Aufwind sollte Wittmann zu denken geben, denn er bekommt damit einen gefährlichen Gegner im eigenen Lager: Nach technischen Problemen an den Vortagen ließ der Salzburger im Sonntags-Qualifying in Hockenheim die Konkurrenz mit einem riesigen Vorsprung von 0,416 Sekunden alt aussehen, ehe im Rennen das Safety-Car seinen Plan durchkreuzte.

Eng blieb cool. Jetzt liegt es an Wittmann, Stärke zu zeigen und dem alten Bekannten nicht die Vorherrschaft in München zu überlassen.

Sven Haidinger
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