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DTM-Training Assen: Juncadella voran, 287 Verstöße gegen Tracklimits

Mit welchem Coup Daniel Juncadella zur Freitags-Bestzeit in Assen fuhr, wie es den Titelkandidaten und den Gaststartern ging und wieso ein Tracklimits-Chaos droht

(Motorsport-Total.com) - Trainingsauftakt der DTM auf der MotoGP-Traditionsstrecke in Assen - und das große Thema in den Niederlanden sind die Tracklimits! Alleine in der ersten der beiden 45-Minuten-Sessions zählte die Rennleitung unglaubliche 180 Verstöße, im zweiten Training waren es dann 107 Verstöße. Einer davon sorgte dann rund neun Minuten vor Schluss für den Abbruch des zweiten Trainings.

Daniel Juncadella

Reifen-Coup: Daniel Juncadella entschied das Freitag-Training für sich Zoom

Walkenhorst-BMW-Pilot Marco Wittmann hatte einen Poller erwischt, in dem sich dabei offenbar ein scharfkantiges Carbonteil verfing. Damit es zu keinen Reifenschäden kommt, reagierte die Rennleitung und ließ das Teil entfernen.

Die Tages-Bestzeit sicherte sich am Freitag bei bedecktem Himmel und Temperaturen an die 20 Grad GruppeM-Mercedes-Pilot Daniel Juncadella, der 0,160 Sekunden vor Abts DTM-Leader Kelvin van der Linde landete (hier geht's zum Ergebnis des zweiten Trainings). "Ich bin heute der Freitagskönig", grinst der Spanier, der im Gegensatz zu vielen Kollegen in den Genuss eines frischen Reifensatzes kam.

Daniel Juncadellas cleverer Reifen-Coup

"Wir hatten das Glück, dass wir heute einen frischen Reifensatz nutzen konnten, den wir uns beim Auftakt in Monza aufgespart hatten", liefert er die Erklärung ab. Für viele von uns ist das hier eine neue Strecke, auf der wir nicht getestet haben, also mussten wir diese Gelegenheit nutzen. Und ich glaube, wir profitieren davon. Ich werde morgen Gas geben!"

Die Taktik ergibt Sinn, denn die meisten Teams mussten nicht nur auf Tests in Assen verzichten, sondern die Strecke ist auch durch ihren rauen Asphalt gefürchtet, der die Reifen so sehr belastet wie kein anderer Kurs im aktuellen DTM-Kalender.

Winward-Mercedes-Pilot Philip Ellis kam mit seiner Bestzeit aus dem ersten Training (hier geht's zum Ergebnis) auf Platz drei, ehe auf Platz vier mit Nico Müller der nächste Audi-Pilot folgt.

So erging es van der Lindes Titelrivalen

"Das ist eine Megastrecke", schwärmt Kelvin van der Linde nach dem Trainingstag. "Ich habe gut und schnell das Gefühl bekommen, was hier wichtig ist. Platz zwei ist am Ende auch eine gute Motivation für das Team. Ich werde noch ein bisschen Daten anschauen, denn es fehlt noch das eine oder andere Zehntel."

Wo van der Lindes Titelrivalen landeten? HRT-Mercedes-Pilot Maximilian Götz kam mit 0,484 Sekunden Rückstand im Tages-Klassement auf Platz sieben, AF-Corse-Ferrari-Pilot Liam Lawson fehlten mit dem geringeren Ladedruck und dem Zusatzgewicht durch die BoP-Änderung mit seiner Zeit aus dem ersten Training 0,590 Sekunden, wodurch er auf Platz zehn kam. Und Walkenhorst-BMW-Pilot Wittmann wurde am Ende mit 0,719 Sekunden Rückstand Zwölfter.

Bortolotti bei DTM-Premiere in den Top 10

Bester Lamborghini-Pilot wurde wie erwartet Gaststarter Mirko Bortolotti: Der italienische Werksfahrer fuhr mit 0,495 Sekunden Rückstand auf Platz acht. Die Tatsache, dass der T3-Lamborghini-Pilot bei der Premiere zwei frische Reifensätze zur Verfügung hatte, relativiert die Rundenzeit allerdings ein bisschen. Er knöpfte T3-Stammpilot Esteban Muth 0,370 Sekunden ab.

Mirko Bortolotti

Werksfahrer Mirko Bortolotti gibt dieses Wochenende im T3-Lamborghini Gas Zoom

Der zweite Gaststarter setzte sich im Mittelfeld fest: JP-McLaren-Pilot Christian Klien fehlten am Ende 0,782 Sekunden, wodurch er auf Platz 14 kam. Da der Österreicher aber bereits sein drittes DTM-Wochenende in dieser Saison bestreitet, kam er nicht in den Genuss von frischen Reifen.

Schrecksekunde für Klien im McLaren

Und sorgte für einen kleinen Zwischenfall, als sein 720S GT3 16 Minuten vor Schluss plötzlich stehenblieb. Wenige Momente setzt sich Klien aber wieder in Bewegung - und kam nicht mal an die Box, was darauf hindeutete, dass an seinem Fahrzeug alles in Ordnung war.

Wie der Kurs in Assen seinem McLaren liegt? "Ich würde sagen, wir haben vielleicht im Mittelsektor die größten Probleme, weil der McLaren wenig Grip an der Vorderachse hat", erklärt er auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Deswegen ist es ein bisschen schwierig, durch diese Kurven die Geschwindigkeit zu halten. Ansonsten war es bisher besser als erwartet."

Zu viel Bedeutung sollte man den Zeiten aber nicht beimessen, meint Klien: "Wir sind auf ziemlich alten Reifen gefahren - und das Auto hat sich auf unterschiedlichen Reifensätzen anders verhalten. Und ich denke, neue Reifen machen auf dieser Strecke viel aus."

Droht ein Tracklimits-Chaos?

Philip Ellis

Greift die Rennleitung diesmal bei den Tracklimits hart durch? Zoom

Spannend wird auch die Frage, wie die Rennleitung diesmal bei den Tracklimits vorgehen wird, nachdem in Spielberg Piloten wie Wittmann kritisierten, dass Vergehen teilweise nicht geahndet wurden. In Assen sind die Streckenbegrenzungen allerdings durch die flachen Randsteine und die Asphaltauslaufzonen noch deutlich weniger geregelt.

Im Qualifying drohen daher Streichungen zahlreicher Rundenzeiten, während im Rennen nach drei Verstößen eine Fünf-Sekunden-Strafe zu Anwendung kommen sollte.

Ist für die Piloten klar, wie weit sie gehen dürfen? Wir müssen innerhalb der weißen Linien bleiben, eine Seite des Autos muss auf der Strecke bleiben", antwortet Götz und stellt damit klar, dass die Regelung in der Theorie gleich wie in Spielberg ist.

"Es gibt viele Kurven, bei denen es am Ausgang eng wird"

"Sie haben ein paar 'Sausages' und Bollards installiert, aber soll eigentlich nur zu Orientierung dienen. Letztendlich sind die Regeln klar: Du musst die ganze Zeit mit mindesten einem Rad auf der Strecke bleiben. Das bekommen wir hoffentlich hin." Doch auch im Qualifying könnte die Angelegenheit "interessant werden", meint der Drittplatzierte in der Meisterschaft.

Wie Lawson, der in der Meisterschaft auf Platz zwei liegt, die Lage einschätzt? "Bei den Kurven mit denn Bollards ist es schon recht klar", sagt er. "Man darf halt den Bollard nicht berühren. Aber es gibt viele Kurven, bei denen es am Ausgang eng werden kann, ob man mit zwei oder vier Rädern über die weiße Linie kommt. Da ist es einfach, mal weiter rauszukommen."

Die Rennleitung scheine das Thema jedenfalls ernst zu nehmen, meint er. "Das zeigen die 180 Verstöße im Training. Wir müssend da auf jeden Fall vorsichtig sein."

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