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AMG fordert größeren DTM-Restriktor: "Man sieht, dass hier was nicht stimmt"

Nach zwei enttäuschenden Wochenenden fordert Mercedes-AMG eine günstigere BoP: Wieso man im Nachteil ist und ein größerer Restriktor die Lösung wäre

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Norisring-Wochenende war der Tenor im Mercedes-AMG-Lager eindeutig: Die DTM-Teams waren mit der Balance of Performance (BoP) unzufrieden, auch wenn kaum jemand das Kind beim Namen nannte.

Arjun Maini

Seit dem Lausitzring ohne Podest: Auch in Nürnberg konnte AMG nicht zulegen Zoom

Man habe vor allem wegen "der aktuellen Einstufung des Fahrzeugs mit stumpfen Waffen gekämpft", sagt HRT-Geschäftsführer Ulrich Fritz, dessen Pilot Luca Stolz am Sonntag auf Platz acht kam. "Zufrieden sind wir eigentlich nicht."

Und Winward-Teamchef Christian Hohenadel meint, man könne als Team "nicht viel falsch gemacht haben", da Pilot Maximilian Götz in beiden Rennen bester AMG-Pilot war. "Wenn dann nicht mehr als zwei sechste Plätze herausspringen, müssen die Ursachen auch woanders liegen."

Mercedes-AMG blitzte bei AVL Racetech ab

In der Meisterschaft liegt Winward-Pilot Lucas Auer, der in Nürnberg punktelos blieb, bei Halbzeit als bester Mercedes-AMG-Fahrer auf Platz fünf - mit 29 Punkten Rückstand. Mit dem neuntplatzierten Stolz rangiert nur noch ein weiterer Pilot in den Top 10. Und auch in Imola war nur Auer wegen seines genialen Re-Starts als Vierter in Podestnähe. Am Samstag bliebt überhaupt nur Platz zehn durch Maro Engel.

Tatsächlich forderte Mercedes-AMG nach dem Italien-Wochenende von BoP-Dienstleister AVL Racetech einen um einen Millimeter größeren Restriktor - und damit mehr Leistung. "Man sieht, dass hier was nicht stimmt", verweist AMG-DTM-Chef Thomas Jäger darauf, dass man auch am Norisring während des Rennens "der langsamste oder zweitlangsamste Hersteller" war.

"Da wir kein Gewicht reduzieren können, denn fünf Kilogramm entsprechen 0,04 Sekunden, würde es aus unserer Sicht Sinn ergeben, wenn wir auf einen 36-Millimeter-Restriktor gehen", verweist Jäger auf die Tatsache, dass der Mercedes-AMG GT3 laut aktueller Einstufung nur fünf Kilogramm über dem Leergewicht liegt. "Das ist etwas, was vorgeschlagen und besprochen wurde, man aber leider abgelehnt hat."

AMG-DTM-Chef Jäger: Noch kein Sieg aus eigener Kraft

Dabei liegen die Fakten laut Jäger eindeutig auf dem Tisch. "Wir haben in Portimao ein Rennen gewonnen, aber nur, weil Bortolotti beim Re-Start nicht weggekommen ist", verweist der Ex-DTM-Pilot im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' auf den bisher einzigen AMG-Sieg in acht Läufen durch Auer beim Auftakt. "Wir waren also eigentlich nie in der Position, aus eigener Kraft gewinnen zu können, während bei den anderen Marken jetzt jeder seinen Sieg hat."

Lucas Auer

Einziger AMG-Saisonsieg: Auer profitierte in Portimao von Bortolottis Re-Start-Panne Zoom

Und das, obwohl Mercedes-AMG acht Piloten einsetzt. "Wenn man so viele starke Fahrer am Start hat - und zwar verhältnismäßig mehr als die anderen -, und gar keiner vorne ist, dann merkt man, dass irgendwas verkehrt ist. Da hoffen wir natürlich sehr, dass jetzt die entsprechenden Analysen umgemünzt werden, damit wir am Nürburgring wieder dabei sind."

Denn auch die Mercedes-internen Daten ergeben, dass man bisher bei der Einstufung nicht gerade begünstigt gewesen sei. "Ich bin kein Freund davon, über die BoP zu schimpfen, aber wenn man sich die Ergebnisse anschaut, dann haben wir unsere Baseline - und die ist ein bisschen unter der Hälfte und nie drüber", verweist er auf die Performance im Vergleich zu den anderen Marken.

"Eigentlich müssen wir jetzt zumindest wieder auf die Nulllinie zurückkommen, um die Chance zu haben, um das Podest mitzufahren." Dabei sei es zuletzt eher bergab gegangen.

AMG über plötzliche Leistungssprünge bei Rivalen verwundert

Woran es liegen könnte, dass man bisher bei der BoP unter dem Mittelwert gelegen habe? "Wir sind über das Wochenende hinweg vom ersten Qualifying bis zum zweiten Rennen auf einem guten Performance-Niveau, aber andere legen extrem zu", fallen Jäger von Samstag auf Sonntag auffällige Sprünge auf. "Und das ist - woran auch immer es liegt - von der BoP ganz schwierig zu erfassen."

Man mache zwar mit Hilfe der Datenanalyse von Samstag auf Sonntag auch einen Schritt nach vorne, "aber plötzlich kommt von irgendwo ein Team her", wundert sich Jäger. Das müsse jetzt von der Organisation in Hinblick auf die zukünftige BoP "analysiert und in Betracht gezogen werden, wenn sie ihre BoP für die Zukunft machen. Ich denke aber, dass es allen bewusst ist, denn die Daten lügen nicht."

Jäger erkennt "Unsicherheit bei AVL"

Dass AVL Racetech aktuell hin und wieder danebenliegt und die BoP bisher jedes Wochenende mehrmals geändert wurde, führt Jäger auf die mangelnde Datentiefe wegen des neuen Audi-Evopakets und des BMW M4 GT3 zurück. "Da gab es ein bisschen eine Unsicherheit von Seiten der AVL. Und deswegen waren auch die Änderungen nach den Sessions so groß."

Dennoch ist Jäger zuversichtlich, dass die Trefferquote in Zukunft besser wird. Das liege an den verbesserten Simulationsmodellen und der Tatsache, dass man die meisten Kurse aus dem Vorjahr kennt. "Wenn man in der zweiten Saison mal auf den gleichen Strecken fährt, dann tut man sich auch wieder leichter", hofft er.