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  • 08.12.2006 · 17:57

Schön und schnell: Wiesmann MF3

Das ist ja ein schöner Oldtimer, war einer der Standardkommentare, die wir zum Wiesmann MF 3 hörten. Doch vorsicht, hinter der gemütlich-eleganten Retro-Optik verbirgt sich...

(Motorsport-Total.com/autogericke.de) - Roadster werde immer beliebter, das Freiluftvergnügen ist in. Wer hierbei Individualist bleiben will und etwas ganz besonderes sucht, kommt an der Sportwagenmanufaktur Wiesmann aus Dülmen nicht vorbei.

Wiesmann MF3

Ein Sportler durch und durch: Der Wiesmann MF3

Dort wird seit 1993 der Wiesmann Roadster in liebevoller Handarbeit gefertigt, die Jahr für Jahr steigenden Absatzzahlen geben der Philosophie des Familienunternehmens recht: alles außergewöhnlich. Individuell und exklusiv wird jedes Fahrzeug produziert, Ende März diesen Jahres verließ der 500. Roadster die Halle, seit Oktober 2005 ist daneben auch eine GT-Version erhältlich.#w1

Das Wiesmann-Erfolgsrezept ist so einfach wie einleuchtend: klassisches, englisch angehauchtes Design, gepaart mit aktueller Technik. Denn unter der Haube des vermeintlichen Oldtimer steckt moderne BMW-Technik, dank derer die gemütliche Ausfahrt auch sehr sportlich umgesetzt werden kann.

Natürlich kann so ein Fahrzeug nicht unter normalen Gesichtspunkten getestet werden. Uns stand der Roadster MF 3 zur Verfügung, der mit dem M-Aggregat aus dem 3er-BMW ausgestattet ist und 343 PS leistet. Während wir bei den Tests bislang die Alltagstauglichkeit von Serien-Motorsportlern unter die Lupe genommen haben, und hierbei auch das Preis-Leistungsverhältnis etc. bewerten, so fällt der Wiesmann einfach ein bisschen aus dem Rahmen: Handarbeit, kleine Stückzahl, individuelle Ausstattung, Roadster usw. Nichtsdestotrotz ist er ein Gradmesser für die Kombination Motorsport und Roadster.

Nostalgische Optik - moderner Sound

Die Optik des Wiesmann Roadster ist schlicht und ergreifend beeindruckend. Ein echter Hingucker, Vorne der gewaltige Kühler, hinten das rund abfallende Heck mit der charakteristischen Anordnung der Leuchten. Die Türen sind klein, die Windschutzscheibe steil, was den Retro-Look noch unterstützt.

Der Einstieg in einen Wiesmann Roadster will gelernt sein, denn an dieser Stelle schon kommt der Faktor Motorsport in Spiel. Unser Testfahrer fühlte sich unmittelbar an ein Monocoque erinnert, was an der engen und tiefen Sitzposition liegt.

Ein erster Rundblick auf das Interieur erfreut das Herz. Alles in feinstem Leder eingefasst, in der Cockpit-Mitte sind die Rundinstrumente schön aufgereiht angeordnet und leicht richtung Fahrer angewinkelt. Vor dem Lenkrad selbst befindet sich nur ein kleines Display mit den wichtigsten Funktionsleuchten.

Auch beim Starten treffen wieder alt auf neu: der Zündschlüssel dient nur zum Entriegeln und Aktivieren, gestartet wird der Wiesmann mit einem gesonderten Knopf, der wieder im typischen Wiesmann-Design gehalten ist. Der Sound, der dann aus den beiden Auspuffröhren zu hören ist, ist gewaltig.

In der Stadt

Grundsätzlich lässt sich der MF 3 problemlos im Stadtverkehr pilotieren. Natürlich ist dieser Roadster ein echter Blickfang, ein Auto eben, dass nur selten zu sehen ist und entsprechend neugierig beäugt wird.

Die Zuladung im Kofferraum bleibt mit rund 220 Litern recht begrenzt, denn der Wiesmann beschränkt sich bei einer Länge von 3,86 Meter auf das Wesentliche: Motor, Chassis, Reifen. Eine kleine Shopping-Tour bei sommerlichen Temperaturen ist immer drin, den Wochenend-Einkauf aber sollte man lieber einem anderen Fahrzeug überlassen.

Gerade einmal 1.180 kg bringt der MF 3 auf die Waage, die der kräftige M3-Motor natürlich spielend auf Touren bringt. Bei 343 PS und 365 Nm Drehmoment ergibt sich ein Leistungsgewicht von 3,44 kg/PS. Diese kraftvolle Kombination macht sich beim Beschleunigen schnell bemerkbar. Geradezu Hufe scharrend gibt sich der Roadster an der Ampel und quittiert den Tritt ins Gaspedal mit leichten Korrekturen auf der Hinterachse. Ganz klar, ohne das ESP würde deutlich mehr Gummi auf der Fahrbahn bleiben.

Auf der Teststrecke

Wie schnell fährt man offen? Letztlich ist das Geschmacksache. In unter 5 Sekunden beschleunigt der Wiesmann Roadster von 0 auf 100, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 255 km/h. Echtes Roadster-Feeling aber endet früher, trotzdem ist es natürlich schön, derart große Reserven zu haben. Auf der Teststrecke woll wir sehen, wie der MF 3 mit seiner Power im Grenzbereich umgeht.

Rein motorsportlich gesehen kann der Wiesmann mehr, als man vermuten würde. Der von Hand auf einem Gitterrohrrahmen gefertigte Sportler ist agil und kraftvoll, die moderne Technik korrigiert einerseits, sorgt aber andererseits auch für maximalen Fahrspaß durch ein perfekt abgestimmtes Fahrwerk und sehr gute Bremsen.

Sportlich ungeübtere Fahrer aber sollten das Stabilitätsprogramm nicht unbedingt ausschalten, sie riskieren sonst ungewollte Drifts und Quersteher. Unser Testpilot aber hatte natürlich seine helle Freude an diesem rassigen Renner. Standardübungen wie den Pylonenkurs absolviert der Wiesmann ohne Probleme, und auch auf nasser Fahrbahn bleibt er unbeeindruckt.

Offen ist Pflicht

Ein Roadster will offen gefahren werden, auch wenn der MF 3 ein manuelles Verdeck hat. Die Kombination aus klassischer Form und starker Motorisierung beschreibt unser Testpilot passend mit den Worten: "Wie ein Rennwagen von damals".

Die tiefe Sitzposition, Anordnung und Design der Instrumente sowie die Bedienung verstärken diesen Eindruck. Einen Stilbruch allerdings muss sich Wiesmann vorwerfen lassen: Das Radio. Ein modernes Becker Mexiko in Schwarz sieht dann inmitten edler, silberner Instrumente und rotem Leder doch eher wie ein Fremdkörper aus.

Mein Fazit

Gigantischer Sound, vollendete Optik. Der Wiesmann Roadster MF 3 ist so ein Auto, das immer offen Fahrbereit in der Garage stehen sollte. Motorsportlich gesehen steckt hier eine ganze Menge drin, die Kombination aus modernster Technik und Oldtimer-Optik macht's möglich.

Dieses Auto lässt sich aber nicht nach normalen Maßstäben bewerten, weil einfach die Vergleichbarkeit fehlt, dennoch würde ich den Motorsportfaktor schon recht hoch einschätzen, zumal man als Fahrer das Auto hier so richtig fühlen kann. Fahrspaß pur ist bei dieser Kombination jedenfalls immer garantiert: entweder beim entspannten cruisen, oder sportlich über Land.

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