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"Überhaupt nicht erwartet": Ferrari feiert P2 und P3 bei 24h Le Mans 2022

Glück beim Corvette-Crash, in der Schlussphase ohne Chance gegen Porsche: Ferrari belegte in der GTE-Pro-Klasse in Le Mans 2022 "überraschend" zwei Podestplätze

(Motorsport-Total.com) - Der Sieg in der GTE-Pro-Klasse bei den 24 Stunden von Le Mans ging am vergangenen Sonntag an Porsche. Im Verlauf des Rennens durften sich auch Ferrari, und vor allem Corvette, gute Chancen auf den Sieg ausrechnen. Während diese Hoffnungen für Corvette in einem "Wimpernschlag"-Drama zerplatzten, gab es für Ferrari immerhin noch P2 und P3 zu feiern.

Alessandro Pier Guidi, James Calado, Daniel Serra, und Miguel Molina, Antonio Fuocco, Davide Rigon

Alessandro Pier Guidi, James Calado, Daniel Serra auf P2, Miguel Molina, Antonio Fuocco, Davide Rigon auf P3 Zoom

Alessandro Pier Guidi, James Calado und Daniel Serra im AF-Corse-Ferrari mit der Startnummer 51, sowie ihre Teamkollegen Miguel Molina, Antonio Fuoco und Davide Rigon im Schwesterauto mit der Startnummer 52, feierten nach der 90. Auflage zusammen mit der siegreichen Porsche-Crew (Bruni/Lietz/Makowiecki) auf dem letzten GTE-Pro-Podium in Le Mans.

Für Ferrari kamen die Plätze zwei und drei trotz zwischenzeitlicher Führung unerwartet. In der Anfangsphase des Rennens hatte man sich keine großen Hoffnungen gemacht. "Es war offensichtlich, dass wir über die Distanz gesehen nicht schnell genug waren. Das konnte jeder sehen", sagt James Calado im Gespräch für unsere englischsprachige Schwesterplattform 'Motorsport.com'.

"Aber", so Calado weiter, "wir hatten keine großen Fehler und keine großen Dramen. Wir haben einfach versucht, das Auto in einem Stück ins Ziel zu bringen und sind dabei Schritt für Schritt nach vorn gekommen. Wir hatten ein bisschen Pech mit Slow-Zones, aber das gehört dazu. Manchmal gewinnst du dadurch, manchmal verlierst du dadurch." Zum Ergebnis in Form von zwei Podestplätzen sagt Calado: "Das hatte ich überhaupt nicht erwartet."

Glück bei Reifenschaden in den Porsche-Kurven

Zwischenzeitlich lag der AF-Corse-Ferrari #51 mit Calado und Co. sogar vor dem am Ende siegreichen Porsche #91. Dann aber warf ein Reifenschaden den 488 GTE Evo zurück. "Auf dieser Strecke fängst du dir manchmal einfach einen Reifenschaden ein. Das ist uns leider passiert", so Calado.

Davon kann auch Porsche ein Lied singen. Denn der 911 RSR-19 mit der Startnummer 92 erlitt am Sonntagmorgen in Führung liegend einen Reifenschaden, der letzten Endes nicht nur den möglichen Sieg für dieses Auto, sondern sogar einen Podestplatz zunichte gemacht macht.


24h Le Mans 2022: Alle Zwischenfälle

Abflüge, Dreher, Unfälle: Alle Zwischenfälle bei den 24 Stunden von Le Mans 2022!

Im Falle des AF-Corse-Ferrari passierte der Reifenschaden an einer vergleichsweise günstigen Stelle der Strecke. "Zum Glück ist es in den Porsche-Kurven passiert", sagt Calado und erinnert sich: "Im Auto saß 'Alle' (Alessandro Pier Guidi; Anm. d. Red.). Er hat es geschafft, an die Box zurückzukommen, ohne dabei allzu viel Zeit zu verlieren."

"Aber auch ohne diesen Zwischenfall hätten wir das Rennen aus eigener Kraft wahrscheinlich nicht gewonnen", meint Calado und sagt mit Verweis auf Porsche: "Sie hatten noch mehr im Köcher. In dem Moment, als wir auf die Tube gedrückt haben, konnten auch sie plötzlich zulegen. Unterm Strich bin ich froh, dass es ein zweiter und dritter Platz geworden ist. Für Ferrari ist das ein großartiges Ergebnis."

Glück bei Corvette-Crash auf der Hunaudieres-Gerade

Bei AF Corse weiß man, dass es auch nur einer oder sogar gar kein Podestplatz hätte werden können. Denn abgesehen von Porsche präsentierte sich auch Corvette sehr gut aufgelegt. Doch das "Wimpernschlag"-Drama am Sonntagvormittag, das die C8.R von Milner/Tandy/Sims (Startnummer 64) in Führung liegend aus dem Rennen riss, kam Ferrari entgegen.

Corvette C8.R bei den 24h Le Mans 2022

Bei Sonennaufgang am Sonntag durfte Corvette noch auf den Sieg hoffen ... Zoom

"Ich habe das im Rückspiegel gesehen. Ich fuhr unmittelbar vor 'Simsy' als er sich drehte", berichtet Calado in Erinnerung des Crashs von Alexander Sims. Der Corvette-Pilot wurde auf der Hunaudieres-Gerade ausgerechnet von einem AF-Corse-Fahrer abgeräumt. Dabei handelte es sich aber nicht um einen direkten Konkurrenten aus der Klasse, sondern um Francois Perrodo im AF-Corse-Oreca aus der LMP2-Klasse (Perrodo/Nielsen/Rovera).

Calado sagt mit Blick auf Corvette-Pilot Sims ganz klar: "Es war nicht sein Fehler. So etwas passiert einfach. Wir haben davon profitiert. Diese Art von Glück ist nie besonders angenehm, aber so läuft es halt manchmal."

Vorfreude auf 2023 und die Aussicht auf den Gesamtsieg

Calado ist nicht der einzige im Ferrari-Lager, der P2 und P3 als Überraschung einstuft. "Wenn man es auf das Podium schafft, fühlt sich das immer gut an", bekennt Daniel Serra und ordnet ein: "Ich finde, wir haben hinsichtlich der Performance das Maximale herausgeholt. Wir haben alles optimiert. Der zweite Platz ist eine Überraschung und er ist ein gutes Ergebnis für uns."

Alessandro Pier Guidi sieht es ähnlich. "Wenn mir vor dem Rennen jemand gesagt hätte, dass wir auf dem zweiten Platz ins Ziel kommen, dann hätte ich an Ort und Stelle unterschrieben", sagt der Italiener, der den Schlussstint im Ferrari #51 fuhr.

Alessandro Pier Guidi, James Calado, Daniel Serra

Der 488 GTE Evo wird als Ferraris heißestes Eisen abgelöst durch das LMH-Auto Zoom

"Wir waren jetzt in vier Jahren zweimal Zweiter und haben zweimal gewonnen", erinnert Pier Guidi und meint: "Was bitte kann man sich mehr wünschen? Die letzten Minuten waren einfach toll. Klar, wenn man gewinnt ist es nochmals etwas anderes. Aber das werden wir nächstes Jahr versuchen zu schaffen."

Damit spricht Pier Guidi auf den verkündeten Ferrari-Einstieg in die Hypercar-Klasse an und somit auf die Aussicht auf den Gesamtsieg bei den 24h Le Mans. Die Rückkehr der italienischen Marke in die Topklasse fällt 2023 zusammen mit dem 50-jährigen Jubiläum des bislang letzten Ferrari-Auftritts in der Topklasse (P2 im Jahr 1973 mit Arturo Merzario und Carlos Pace im 312PB).

Und die Rückkehr von Ferrari in die Topklasse fällt auch zusammen mit dem 100-jährigen Jubiläum der 24h Le Mans. Zwar wird es am 10./11. Juni 2023 "erst" die 91. Auflage des Rennens sein. Die Erstauflage aber fand schon 1923 statt. In den Jahren 1936 (Arbeiterstreik) sowie 1940 bis 1948 (Zweiter Weltkrieg und anschließend Wiederinstandsetzung der Strecke) gab es keine 24 Stunden von Le Mans.


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