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Heidenspaß bei -17 Grad: KTM-X-Bow-Wintercup selbst erlebt!

12. Januar 2017 - 14:11 Uhr

Racing für jedermann: Chefredakteur Christian Nimmervoll über den Heidenspaß, bei minus 17 Grad im KTM-X-Bow über Eis und Schnee zu driften

Christian Nimmervoll beim KTM-X-Bow-Wintercup in Saalfelden
Christian Nimmervoll beim KTM-X-Bow-Wintercup in Saalfelden
© Lukas Sauseng (razoon)

(Motorsport-Total.com) - Vorweg: Ich bin kein Wintermensch. Mein Wintersport beschränkt sich auf Hallentennis und Joggen; letzteres eher widerwillig und auch nur bis zur persönlichen Schmerzgrenze bei der Null-Grad-Marke. Sehr wohl fühle ich mich hingegen am Steuer von motorisierten Fahrzeugen. Sei es ein gewöhnliches Indoor-Go-Kart mit neun, ein Formel BMW mit 140 oder mein Audi S3 mit 310 PS: Schnelles Autofahren ist genau mein Ding.

Wenn nun aber kalter Winter und schnelles Fahren zusammenkommen, ist es vorbei mit meiner Komfortzone. Die Kombination der beiden Erfahrungen durfte ich gerade beim KTM-X-Bow-Wintercup operated by razoon erleben. Heißt konkret: mit knapp 80 Sachen und offenem Helmvisier im offenen Sportwagen über Eis und Schnee driften. Bei frostigen minus 17 Grad Celsius, versteht sich. So passiert am 7. Januar im österreichischen Saalfelden, unweit der deutschen Grenze.

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Der Wintercup (ein Pendant dazu wird auch im Sommer veranstaltet) ist das geistige Baby von Dominik Olbert. Der Steirer hat einst seine Diplomarbeit darüber verfasst, wie man mit dem damals frisch vom Stapel gegangenen KTM X-Bow eine semiprofessionelle Rennserie veranstalten könnte, um das Marketing für das Fahrzeug anzukurbeln. Das Konzept stieß bei KTM-Chef Stefan Pierer auf Gefallen, wurde über die Jahre adaptiert und führte letztendlich zur Gründung von razoon, einem Unternehmen, das Fahrerlebnisse mit dem X-Bow verkauft. Darunter eben auch der Winter- und Sommercup.

In Saalfelden trafen an zwei Tagen rund 160 Teilnehmer aufeinander, aus Abwicklungsgründen eingeteilt in mehrere Gruppen auf zwei nebeneinander angelegten Rennstrecken. Diese lagen in Saalfelden mitten im Salzburger Gebirge, auf einem im Vorfeld sauber vereisten Untergrund, abgesteckt mit Pylonen, innerhalb deren Grenzen es sich aufzuhalten galt. Das funktioniert mit dem X-Bow auf Spikes selbst auf eisigem Untergrund erstaunlich gut, wenn man das Fahrzeug erst einmal ein wenig beschnuppert hat.

Überdimensioniertes Go-Kart mit 270 PS

Der X-Bow ist im Grunde genommen ein überdimensioniertes Go-Kart in Karbonbauweise, ausgestattet mit einem 2,0-Liter-Audi-TFSI-Motor, der das irrwitzige Spaßmobil in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. In Saalfelden freilich hätte ich auf die 270 PS ebenso gut verzichten können wie auf den Heckflügel, denn auf dem eng gesteckten Eisparcours zeigte der Tacho nie mehr als 77 km/h an. Die große Kunst ist beim Wintercup das Spiel mit der Traktion und nicht das Ausfahren der theoretischen Performance. Und zwar ohne ESP, ABS, Traktionskontrolle und was die modernen Straßenautos sonst noch so an elektronischen Helferleins bieten. Pures Racing also.

Beim ersten Losfahren (natürlich nach professioneller Einweisung und unter Beobachtung des ehemaligen österreichischen Rallye-Staatsmeisters Achim Mörtl, der mit Tipps und Tricks als Instruktor zur Seite steht) merke ich sofort: Hier gewinnt am Ende nicht der mutigste, sondern der smarteste und geschickteste Fahrer. Gleich beim ersten Tritt aufs Gaspedal drehen die Räder des heckbetriebenen X-Bow mächtig durch. Das macht zwar Spaß, ist aber natürlich auf der Stoppuhr ziemlich kontraproduktiv.

Bei der Einweisung ist noch davon die Rede, man werde wohl nur den dritten und vierten Gang brauchen. Wie man auf dem knapp 50 Sekunden langen Parcours je in den vierten Gang kommen soll, ist mir ziemlich schnell ein Rätsel. Meine erste Runde drehe ich als Beifahrer bei einem anderen Teilnehmer, der schon ein paar Runden auf dem Buckel hat. Was er macht, hat aus der Beifahrerperspektive Hand und Fuß. Seine Ansage: Alles im dritten Gang fahren, nicht schalten und sich darauf konzentrieren, sauber zu fahren.

Ich darf als Selbstfahrer insgesamt dreimal für je rund eine Viertelstunde ran. Am Ende sehe ich die Sache marginal anders als mein erster Chauffeur: Tatsächlich fahre ich den Großteil der Strecke im dritten Gang - sogar die extrem langsame erste Rechtskurve; erstens, weil dort jeder Größenwahn angesichts der nahe liegenden Boxengasse (die nur durch einen Schneestreifen von der Fahrbahn abgetrennt ist) unangebracht wäre, und zweitens, weil die Zeitnahme ohnehin nicht durchgängig ist, sondern nach der ersten Kurve beginnt und vor ihr endet.

Keine gute Idee: Bremsen auf Eis

Auf dem längsten Beschleunigungsstück erspähe ich im Augenwinkel einmal 77 km/h, die mir vom Tacho angezeigt werden. Das ist schon ganz schön sportlich, weil danach eine der härtesten Bremszonen folgt. Zu spätes Bremsen ist so ziemlich das Dümmste, was man mit dem X-Bow auf Eis anstellen kann, denn das führt zu Untersteuern - sprich: Das Auto schiebt geradeaus und es ist a) vorbei mit dem spaßigen Driften und b) auch mit der schnellen Rundenzeit.

Die spannendste Passage befindet sich genau in der Mitte des Parcours, nämlich eine langgezogene Rechtskurve, die im zweiten Teil etwas zumacht. Die Anfahrt kommt aus einem leichten Linksknick heraus, was es relativ einfach macht, das Heck am Eingang ins Schwänzeln zu bringen, um sauber durch die Rechtskurve zu driften. Ich merke erst am Ende meines zweiten Stints: Vor der Stelle in den zweiten Gang runterzuschalten, um den X-Bow "kommen zu lassen", führt zu viel besseren Drifts als niedrigtourig im dritten Gang zu bleiben.

Der Wintercup funktioniert so: Hat man ein Paket mit drei Stints gebucht (ein Stint ist definitiv zu wenig!), darf man am Ende eines jeden Stints ein bis zwei sogenannte "Hot-Laps" drehen - aber alles, was vor der "Hot-Lap" passiert, wird von der Stoppuhr nicht erfasst. Im dritten Stint fühle ich mich also schon ziemlich wohl, fast jede Runde gelingt mir wie am Schnürchen, der Drift durch die langgezogene Rechtskurve geht in Fleisch und Blut über und klappt vor allem auch immer schneller und schneller.

Nerven versagen im entscheidenden Moment

Meine beiden "Hot-Laps" am Ende des zweiten Stints sind sauber und ohne großen Fehler - und mit Zeiten von 46,91 beziehungsweise 46,93 Sekunden auch praktisch gleich schnell. Das Driften klappt da aber noch nicht so gut: Ich bekomme das Auto schon ins Rutschen, aber als Kind des Asphalts fehlt mir der Instinkt, auf ein rutschendes Auto mit noch mehr Gasstoß zu reagieren. Das dämmert mir aber im dritten Stint, und so bin ich optimistisch, locker noch einmal eineinhalb Sekunden zu finden.

Jetzt geht's also um alles, zwei "Hot-Laps" direkt hintereinander: Rausbeschleunigt, die erste Rechts-Links-Kombination, wo Untersteuern immer gefährlich ist, superschnell und trotzdem sauber erwischt, jetzt Anfahrt zum Rechtsdrift. Eigentlich geht's ja nur um den Spaß an der Freud, aber der Racer in mir wird dann doch vom Ehrgeiz gepackt - und so bremse ich zu spät an. Anstatt in einen sauberen Drift im zweiten Gang geht's geradeaus in den Schnee, bis das Abschleppfahrzeug da ist.

Also noch einmal, allerletzter Versuch: Wieder alles super erwischt, wieder zu ehrgeizig an der gleichen Stelle, wieder neben der Strecke. Auf Eis hat man ständig das Gefühl, vom Limit meilenweit weg zu sein, dabei ist nach oben weniger Luft, als man den Eindruck hat. Ich ärgere mich grün und blau, denn meine fast perfekten Runden davor hat natürlich niemand gestoppt - in die Wertung kommen ja nur die "Hot-Laps".

Als Österreicher bin ich ein klassischer "Hättiwari", frei nach Gerhard Berger - und trotzdem soll es nicht anmaßend klingen, wenn ich sage: Meine beste Runde hätte ganz locker gereicht, um meine Gruppe zu gewinnen. Sieger Karl Polterauer hat den Parcours in 46,05 Sekunden gemeistert, ich selbst wurde mit einer Zeit von 46,91 Sekunden am Ende Vierter. Angesichts meiner weggeschmissenen Runden hätte ich vor der Ergebnisbekanntgabe nie und nimmer geglaubt, auch nur in den Top 10 zu sein.

Wintercup: Auch für Anfänger ein Riesenspaß

Und genau das ist das Schöne am Wintercup: Natürlich macht's am meisten Spaß, wenn man sich einigermaßen ans (persönliche) Limit herantasten kann, aber man muss kein Rennprofi sein, um an dem Zeitfahren teilzunehmen. Laut Veranstalterauskunft kommen drei von vier Teilnehmern ohne vorherige X-Bow-Erfahrung an - und kommen zu einem sehr großen Teil wieder, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Das würde auch mich sehr jucken.

Trotz des Amateurcharakters des Wintercups geht's natürlich auch um was: Der Letzte einer jeden Gruppe bekommt (tatsächlich) eine goldene Ananas, die Top 3 einen Lorbeerkranz und kleine Goodies. Und die acht Besten eines jeden Tages qualifizieren sich für das abschließende Superfinale, das am 25. Februar wieder in Saalfelden stattfindet. Der Sieger des Superfinales wiederum gewinnt eine Teilnahme an der KTM-X-Bow-Rookies-Challenge im Wert von über 5.000 Euro und darf echte Rennfahrer-Luft schnuppern.

Übrigens: Wer jetzt Blut geleckt hat und meint, er sei gut genug für das Superfinale 2017, der hat natürlich Gelegenheit, sich bei razoon zu melden und sich zu qualifizieren. Freie Teilnehmerkontingente gibt's noch für die Termine am 22. Januar am Zenzsee in der Steiermark sowie für den 28./29. Januar im Thomatal bei Obertauern.

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