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Leute mit Biz: Sven Heidfeld - Vom Cockpit in den Chefsessel

19. Januar 2010 - 08:20 Uhr

In nur fünf Jahren schaffte Sven Heidfeld den großen Sprung vom Berufsrennfahrer zum erfolgreichen Unternehmer im Motorsport-Business

Sven Heidfeld
Sven Heidfeld
© Sven Heidfeld

(Motorsport-Total.com) - "Die Formel 1 ist alle zwei Wochen für zwei Stunden Sport, aber dazwischen knallhartes Business", hat der große Frank Williams einmal gesagt. Für 'Motorsport-Total.com' Grund genug, eine Artikelserie ins Leben zu rufen, die sich mit dem Businessaspekt des Motorsports beschäftigt. In unregelmäßigen Abständen stellen wir eine Persönlichkeit vor, die sich im Motorsportbusiness durchgesetzt hat und mit Biss an ihre Sache herangeht - "Leute mit Biz" eben. Heute in der 20. Edition: Sven Heidfeld, der in nur fünf Jahren den Sprung vom aktiven Motorsportler zum erfolgreichen Geschäftsmann geschafft hat.

Der Name Heidfeld ist im weltweiten Motorsport mittlerweile ein etablierter Begriff. Das liegt natürlich vor allem an Nick Heidfeld, der - Stand Januar 2010 - bisher 167 Formel-1-Rennen fuhr. Nick ist dabei der mittlere von drei Brüdern, die in ihrer Kindheit allesamt im Motorsport aktiv waren. Doch während Tim, der älteste Heidfeld-Spross, seine Karriere schon sehr früh beendete, schaffte es Nesthäkchen Sven immerhin bis in die Formel 3000, dem damaligen Vorgänger der aktuellen GP2-Serie.

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Heute ist Sven Heidfeld zwar nicht mehr als aktiver Rennfahrer unterwegs, doch hinter den Kulissen ist er erfolgreicher denn je. Mit seiner Firma Heidfeld Racing hat sich der 31-Jährige im Motorsport-Business in den vergangenen fünf Jahren ein Dienstleistungsunternehmen samt einer extrem vielfältigen Angebotspalette aufgebaut. Dazu kennt man seine Stimme natürlich als Motorsport-Kommentator beim deutschen Pay-TV-Sender 'Sky'.

Dabei hegte Heidfeld zunächst keinerlei Ambitionen, sich als Selfmade-Businessmann zu betätigen. 25 Jahre lang, also von den gemeinsamen Anfängen im Bambini-Kart auf Michael Schumachers Kartbahn in Kerpen bis zur Formel-3000-Saison 2004, stand für ihn nur seine Karriere als zweiter Berufsrennfahrer aus dem Mönchengladbacher Familienrennstall Heidfeld im Vordergrund.

Spa und das liebe Geld

Sven Heidfeld Formel 3000
Als aktiver Rennfahrer schaffte es Sven Heidfeld bis in die Formel 3000
© Heidfeld

Doch 2004 sollte sich als ein Jahr herauskristallisieren, in dem sich die Dinge rasch und vor allem nachhaltig änderten. Er erinnert sich: "Als ich in der Formel 3000 fuhr, hat es sich so langsam abgezeichnet, dass es immer schwieriger werden wird, die nötigen Gelder zu finden, um noch weiter aufzusteigen. Es war einfach nicht mehr genug Budget da, um alle Rennen der Serie zu bestreiten, und auch um genug zu testen."

Dazu kam Sven Heidfelds schwerer Unfall in Spa 2004, als er in der ultraschnellen Blanchimont-Kurve mit dem Russen Roman Rusinov aneinandergeriet. "Er wollte mich überholen und war schon neben mir. Ich habe ihn nicht gesehen. Ich schlug rückwärts mit etwa 200 Stundenkilometer in die Streckenbegrenzung und habe mich 14mal um die eigene Achse gedreht."

Vom Wrack blieb nur das Monocoque übrig, Heidfeld verlor kurz das Bewusstsein. "Ich kann von Glück reden, dass es die Kohlefaserchassis gibt, denn sonst würde es mich heute wahrscheinlich nicht mehr geben", lautet seine persönliche Unfallbilanz aus heutiger Sicht. Er betont jedoch, dass dieser Crash nicht der Auslöser für sein aktives Karriereende war.

"Das war nicht das Problem, denn ich saß danach ja ziemlich schnell wieder in einem Rennauto." Der eigentliche Grund lag in den Finanzen. "Eine Saison in der Formel 3000 kostete schon damals etwa eine halbe Million Euro. Und das aufzutreiben, war sehr schwierig." Seine Konsequenz lautete: "Daraufhin habe ich für mich entschieden, nicht mehr aktiv zu fahren, sondern in das Business rund um den Motorsport zu wechseln."

Die Droge Motorsport

Sven Heidfeld 2004
Vom Rennfahrer zum Unternehmer: Sven Heidfeld musste sich umorientieren
© Heidfeld

Keineswegs ein leichter Prozess. "Wenn man sich 25 Jahre nur darauf konzentriert, Berufsrennfahrer zu werden und gar keine anderen Gedanken zulässt, dann ist man gezwungen, sich sehr schnell darüber im Klaren zu sein, wie es denn weitergeht. Mir war nur klar, dass ich keine Banklehre oder ähnliches beginnen werde, sondern dass ich unbedingt im Motorsport bleiben will."

Die berühmte Droge Motorsport also. "Ich besaß ja 25 Jahre lang die Möglichkeit, hinter die Motorsportkulissen zu blicken. Dort gibt es so viele Facetten, dass es mir durchaus realistisch erschien, ein eigenes Business etablieren zu können." Dieser Prozess der mentalen Umorientierung dauerte etwa ein halbes Jahr, doch dann ging es Schlag auf Schlag.

Es ergab sich die Möglichkeit, dass Sven Heidfeld bei 'DSF' als Aushilfskommentator tätig wurde. "Bei einem Rennen der Superfund-Serie hatte ich kein Rennbudget, war aber vor Ort. Da durfte ich mitkommentieren und habe gemerkt, dass mir das Kommentieren viel Spaß macht. Kurze Zeit später wurde ich bei den Formel-1-Übertragungen von 'Tele 5' zum Ersatzmann von Heinz-Harald Frentzen, und habe bei 'Premiere' damit begonnen, die Rennserien zu kommentieren, in denen ich früher selber gefahren bin."

Parallel dazu begann Heidfeld damit, erste Renntaxifahrten anzubieten. "Ich hatte ja in meiner aktiven Vergangenheit Partner, die mich gefördert haben. Denen habe ich diese Events angeboten und so fing alles an." Diesen Geschäftszweig baute er sukzessive aus: Formel 1 selber fahren, Off-Road-Fahrten, europaweit mobile Kart-Events - die Palette von Heidfeld Racing ist heute sehr vielfältig geworden.

Events und Fitness

Sven Heidfeld Events
Der umfangreiche Eventbereich ist bei Heidfeld Racing bereits preisgekrönt
© Heidfeld

Im Jahr 2007 gewann seine Firma einen ersten Agenturpreis für ein Motorsport-Event, auf den er heute noch sehr stolz ist: "Es war ein tolles Event zusammen mit TAG Heuer, einem Mercedes SLR, einem Lamborghini Gallardo, einem Ferrari und einem Audi R8. Mittlerweile sind wir im Eventbereich zu einer der führenden Agenturen geworden. Das war auch mein Ziel. Es ist wahrscheinlich ein Überbleibsel meiner Zeit als Spitzensportler, dass man nicht irgendeine Firma aufbaut, sondern in seinem Bereich der Beste sein will."

Dieser Weg ging natürlich nicht ohne umfangreiche Marketingmaßnahmen vonstatten. Heidfeld bediente sich dabei in erster Linie moderner Medien. "Ich habe mich schon immer sehr viel mit dem Internet beschäftigt und habe diese Plattform schon früh genutzt, um neue Kunden zu akquirieren." Das betrifft Privatpersonen übrigens genauso wie Firmenkunden.

Doch Heidfelds Ambitionen beschränken sich nicht alleine auf den Eventbereich. Er kümmert sich auch um das Thema Rennfahrerfitness. "Wir haben mittlerweile spezielle Simulatoren im Angebot, auf denen wir junge Rennfahrer schulen können, damit sie einmal die entstehenden Kräfte spüren können. Nacken, Unterarme, das Ganze auch computersimuliert, so dass man nach einem Long-Run die Daten auch vernünftig und professionell auswerten kann."

Vor allem in den Zeiten der Testverbote ist dies, wie Heidfeld betont, "für junge Rennfahrer eine kostengünstige Alternative, bei der wir viel Wert auf die mentale Stresssituation legen." Auch im Managementbereich selbst ist der 31-Jährige aktiv, der zwei Nachwuchspiloten unter seine Fittiche genommen hat.

Die leidige Finanzkrise

Sven Heidfeld mobile Kartbahn
Die mobile Kartbahn ist eines von etwa 80 Eventmodulen im Angebot
© Heidfeld

Dabei machte er natürlich Erfahrungen in Zusammenhang mit der Finanzkrise. "Das hat es uns vor allem beim Thema Sponsorenakquise sehr schwer gemacht. Die Firmen sparen und schlechte Nachrichten aus der Formel 1, wenn die Konzerne dort aussteigen, haben uns nicht gerade weitergeholfen. Da muss man sich dann auch schon in den unteren Klassen rechtfertigen."

Nebenbei rief er noch das Internet-Portal driverspaddock.com ins Leben. "Die Idee dahinter stammt aus meiner Kommentatorentätigkeit. Dort kann jeder Rennfahrer, vom Hobbypiloten bis zum Profi, seine Daten, seine Bilder und seine Erfolge hoch laden. Fans können mit den Piloten genauso in Kontakt treten, wie potenzielle Sponsoren. Eine Art Rennfahrernetzwerk also."

Dazu kommt noch ein mobiler Formel-1-Simulator, der bei Events auch für Reifenwechsel-Wettbewerbe genutzt wird oder etwa eine mobile Kartbahn, die sogar mitten in einer Großstadt aufgebaut werden kann. Mittlerweile bietet Heidfeld also fast 80 einzelne Eventmodule an, aus denen sich der Kunde sein Paket frei zusammenstellen kann.

Auch das Thema Motorsport Reisen deckt Heidfeld Racing ab. "Ich weiß aus meiner Erfahrung ja, wo die besten Tribünenplätze einer Strecke sind und in welche Bar die Fahrer in einer Stadt gehen", schmunzelt Heidfeld. "Zum Beispiel bieten wir in Monaco die Möglichkeit an, das Formel-1-Rennen von einem eigenen Balkon aus anzusehen."

Viel Herz im Management

Sven Heidfeld Kommentator
Seine Kommentatorentätigkeit sieht Sven Heidfeld eher als Saisonjob
© Heidfeld

Seine grundlegende Philosophie ist dabei nach wie vor, "kleine und große Sachen anbieten zu können, um möglichst alle Kundenwünsche zu erfüllen." Das führt zu einem steten Wachstum. "So etwas kann man natürlich nicht mehr alleine stemmen, deshalb haben wir etliche freie Mitarbeiter." Als Konsequenz war das Geschäftsjahr 2009 bislang "das beste Jahr von Heidfeld Racing überhaupt."

Eine vielfältige Palette also, mit der sich der Selfmade-Motorsport-Businessmann Sven Heidfeld heute den ganzen Tag beschäftigen kann. Einen Favoriten hat er jedoch nicht. "Was mir Spaß bereitet, ist die Abwechslung." Die Events und die Managementthemen nehmen den Löwenanteil seiner Arbeitszeit in Beschlag, während er seine Kommentatorentätigkeit von Mai bis Oktober scherzhaft eher "Saisonjob" bezeichnet.

Das Management wirft dabei nur ganz wenig Profit ab. "Aber da hängt einfach mein Herz stark drin, jungen Fahrern Tipps und Ratschläge zu geben. Dort investiere ich sehr viel Zeit und Wissen, aber Geld wird dabei nicht oder nur ganz wenig verdient." So hegt er auch zunächst keine Ambitionen, eine Karriere à la Willi Weber einzuschlagen.

"Anfangs wollte ich das überhaupt nicht machen, obwohl schon 2006 erste Anfragen kamen. Auch mir wurde in meiner Karriere von sogenannten Managern viel versprochen. Später hat sich dann herausgestellt, dass da extrem viel heiße Luft dabei war. Ein reines Motorsport-Management hat teilweise einen negativen Touch und den möchte ich nicht angelastet bekommen."

Der Faktor Spaß

Sven Heidfeld Fahrertraining
Sven Heidfeld glaubt: Ohne den Spaßfaktor geht nichts
© Heidfeld

So ist eines seiner nächsten Projekte die Etablierung eines eigenen Kart-Teams für seine Nachwuchspiloten. "Viele machen sich keine Vorstellung davon, wie professionell in diesem Bereich bereits gearbeitet wird. So eine Kart-Saison verschlingt gerne einmal 100.000 Euro, wenn die Teams mit Sattelzügen und fest angestellten Mechanikern und Ingenieuren, und einer professionellen Datenauswertung anreisen."

Seine mittelfristigen Ziele liegen vor allem im Ausland: "Wir wollen auch in Europa eine Führungsrolle übernehmen", betont er. "Und wir wollen in allen Bereichen weiter wachsen." Ein Indiz dafür, dass Motorsport in Deutschland wieder salonfähiger wird, ist natürlich das Formel-1-Comeback von Michael Schumacher.

"Seit der Bekanntgabe, dass Michael wieder zurückkommt, ist die Nachfrage stark angestiegen. Ich denke, wir alle sollten froh und dankbar sein, dass es so gekommen ist. Das gilt übrigens auch für die Formel-1-Fahrer, auch wenn da sicherlich der eine oder andere etwas neidig sein wird. Michael ist einfach ein globales Zugpferd für den gesamten Motorsport."

Und wo sieht er selbst sein persönliches Erfolgsgeheimnis? "Beim Faktor Spaß. Ich habe einfach Freude an dem, was ich tue. Ich schaue bei Events nicht auf die Uhr, denn ich sehe meine Tätigkeit nur sehr bedingt als Arbeit." Sein Credo lautet: "Wenn man gut ist, dann muss man Spaß haben und sich nicht durch den Tag quälen."

Zum Beispiel "wenn ein gestandener Vorstandsvorsitzender, der sicherlich selbst zu Hause in der Garage den einen oder anderen Sportwagen hat, sich am Abend eines Events dafür bedankt, dass er viel Geld dafür ausgeben durfte, weil er mit uns auf der Nordschleife Grenzbereiche erlebt hat, die für ihn völliges Neuland dargestellt haben."

Sven Heidfeld im Kreuzverhör:

Geburtsdatum: 25.10.1978

Geburtsort: Mönchengladbach

Wohnhaft in: Männedorf (Schweiz)

Familienstand: ledig mit Freundin Marie und seit vier Jahren mit Hund Kit

Erstes Fahrzeug: Peugeot 306

Aktuelles Fahrzeug: Nissan Qashqai, Ariel Atom

Erlernter Beruf: Rennfahrer, Autodidakt

Im Motorsport involviert seit: ich fünf Jahre alt bin

Größter beruflicher Erfolg: Ein Agentur Preis! Das Heidfeld Racing TAG Heuer Sportwagen Event aus dem Jahr 2007 wurde in der Kategorie "Best Events" mit einem Preis ausgezeichnet. Dem Xaver 08, the Swiss Life Communication Award. Und das Heidfeld Racing auch im Wirtschaftskrisenjahr 2009 deutlich weiter gewachsen ist.

Größtes Ziel: Materiell gesehen einen Porsche Carrera GT

Online oder Print? Online

Business- oder Economy-Class? Economy-Class

Boulevard oder Feuilleton? Boulevard

Festgeld oder Optionsschein? Festgeld

T-Shirt oder Sakko? T-Shirt

Opernball oder Oktoberfest? keins von beiden

Arbeit oder Hobby? Arbeit ist Hobby

Lebensmotto: Spaß - Neid muss man sich erarbeiten

Geld bedeutet für mich... Freiheit, Reisen, Sportwagen, ein bedingter Gradmesser für Erfolg

Motorsport fasziniert mich, weil... es wie eine "positive Droge" mit sehr vielen tollen Facetten ist

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