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Schneller als Wehrlein bei Premiere: Das ist Charles Leclerc

Schneller als Wehrlein beim Sauber-Debüt? Schon 2019 im Ferrari? Wieso das Schicksal den angehende Formel-2-Meister Charles Leclerc schneller reifen ließ

Charles Leclerc, Nicolas Todt
Charles Leclerc und Manager Nicolas Todt: Der Anfang einer großen F1-Karriere?
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Beeindruckendes Sauber-Debüt für Ferraris große Nachwuchshoffnung Charles Leclerc: Der angehende Formel-2-Meister nahm Stammpilot Pascal Wehrlein bei schwierigen Bedingungen fast vier Zehntelsekunden ab und ließ damit im Fahrerlager aufhorchen. War das die Premiere eines großen Stars der Zukunft? "Wir waren auf unterschiedlichen Programmen und haben unterschiedliche Dinge getestet", winkt der 19-Jährige ab. "Der Zeitenunterschied bedeutet mir nicht sehr viel."

Dafür gibt es Lob von Teamchef Frederic Vasseur: "Ich werde ihn nicht nur auf Basis dieses Freien Trainings beurteilen, aber er hat sich sehr gut geschlagen. Obwohl er nicht so viele Runden fahren konnte, war sein Tempo auf Anhieb gut. Auch sein technisches Feedback war sehr gut."

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Wie abgezockt und gut vorbereitet Leclerc ist, weiß auch Ferrari-Star Sebastian Vettel, für den der Ferrari-Junior regelmäßig im Simulator sitzt. "Er hat genug bewiesen", ist der viermalige Weltmeister davon überzeugt, dass Leclerc in die Formel 1 gehört. Sein Tempo in der Formel 2 sei "ziemlich unglaublich". Dass er in der kommenden Saison beim Ferrari-Kundenteam Sauber als Einsatzfahrer Gas geben wird, gilt im Fahrerlager als offenes Geheimnis.

Leclerc dominiert Formel 2 wie kaum ein anderer

Kein Wunder, denn sein Aufstieg spricht für sich: Nachdem er im Kartsport in Frankreich und Monaco einige Altersrekorde brach, wechselte er 2014 in den Formelsport und siegte bereits an seinem ersten Wochenende in der Formel-3-EM, die er am Ende als Vierter beendete. 2016 gewann er auch das GP3-Auftaktrennen und später die Meisterschaft.

Dieses Jahr ist er drauf und dran, als erster Pilot seit Nico Hülkenberg in seiner Rookie-Saison den Titel in der früher GP2 genannten Formel 2 zu holen. Mit einer Bilanz, die sich sehen lassen kann: Verfolger Oliver Rowland liegt vor den letzten zwei Saisonwochenenden bereits 59 Punkte zurück und darf sich nur noch absolute Außenseiterchancen ausrechnen. Außerdem egalisierte Leclerc mit sechs Poles in Folge den Rekord von McLaren-Pilot Stoffel Vandoorne.

Aber es ist nicht nur die Statistik, die zeigt, aus welchem Holz Leclerc geschnitzt ist. Es sind auch die Umstände: Vor dem Wochenende in Baku ereilte Leclerc die tragische Nachricht, dass sein Vater und Förderer Herve Leclerc verstorben ist. Doch anstatt - wie von seinem Team und Umfeld geplant - zuhause zu bleiben, reiste der Ferrari-Junior dennoch nach Aserbaidschan.

Baku: Leclerc brilliert nur wenige Tage nach Tod des Vaters

"Es wäre für jeden schwierig gewesen, nach Baku zu reisen, nachdem ich meinen Vater verloren habe", erklärt er seine Entscheidung. "Aber er hätte sich gewünscht, dass ich fahre. Ich habe daraus viel Kraft gewonnen und sehe die Dinge jetzt anders. Das Rennfahren ist nicht alles im Leben. Das hat mir auch viel Druck genommen - ich bin dadurch reifer geworden."

Um mit dem Schicksalsschlag umzugehen, erhielt er psychologische Unterstützung von Ferrari. Aber auch sein Rivale Rowland, der ebenfalls seinen Vater verloren hat, zeigte Mitgefühl. "Er hat mir damals eine sehr nette Nachricht geschickt", verrät Leclerc. Gesprochen haben die beiden über das gemeinsame Schicksal allerdings nicht.

Dafür ließ Leclerc an jenem Wochenende die Ergebnisse sprechen: Er sicherte sich mit sechs Zehntel Vorsprung die Pole, gewann das Rennen und stürmte im Sprintrennen von Platz acht auf Platz zwei. Die verbleibenden zwei Formel-2-Wochenenden werde er mit dem Helmdesign seines Vaters antreten, der früher ebenfalls Rennfahrer war. Das habe er ihm versprochen. Bereits seit dem Verlust des Vaters zieren die Aufschriften "Ich liebe dich, Papa" und "Du fehlst mir, Papa" seinen Kopfschutz.

Leclerc verdankt die Karriere Jules Bianchi

Der Tod ist ohnehin ein ständiger Begleiter in Leclercs Karriere, schließlich war es der an den Unfallfolgen seines Crashs in Japan 2014 verstorbene Ex-Formel-1-Pilot und -Ferrari-Schützling Jules Bianchi, der die Karriere des Monegassen erst in Schuss brachte. Auch das könnte eine Erklärung sein, warum der Youngster derart reif agiert.

Als Leclerc vier Jahre alt war, gab er bei seinen Eltern vor, krank zu sein. Stattdessen fuhr er gemeinsam mit seinem acht Jahre älteren Freund an die Kartbahn von dessen Vater. Als er zurückkam, offenbarte er seinen Eltern: "Ich will Rennfahrer werden."

Vater Leclerc unterstützte daraufhin den Sohn bei seinen Ambitionen, der selbst aufstrebende Rennfahrer Bianchi diente als Mentor. Nach einigen Kart-Erfolgen ging der Familie aber das Geld aus. Einmal mehr sprang Bianchi für seinen jungen Freund in die Bresche. Der Franzose, der bereits Teil des Ferrari-Nachwuchsprogramm war, stellte den Kontakt zu Leclercs heutigem Manager Nicolas Todt her, wodurch sich Ferrari der Karriere annahm und so das Talent vor dem Aus rettete.

Nur nicht nach Japan: Manager Todt zieht im Hintergrund die Fäden

Jetzt zieht der bestens vernetzte Sohn des FIA-Präsidenten bei Leclerc die Fäden. Während es die Spatzen bereits von den Dächern pfeifen, dass er kommende Saison im Sauber sitzen wird und 2019 gar Chancen auf die Nachfolge von Kimi Räikkönen haben könnte, gibt sich der Teenager vorsichtig: "Ferrari und Nicolas führen ständig Gespräche, aber sie binden mich nicht wirklich ein, damit ich mich um die Formel 2 kümmern kann. Das ist mir durchaus recht. Zuerst muss ich einmal den Formel-2-Titel holen, dann werden wir weiter sehen."

Ob der Sprung ins Ferrari-Cockpit möglich sei? "Das werden wir Ende 2018 sehen", meint er. "Wenn ich so weiter mache, dann werden sie schon einen Platz für mich finden." Nur nach Japan in die Super Formula, in der auch sein Weggefährte Pierre Gasly von Red Bull geparkt wurde, wolle er nicht wechseln: "Es wäre mir ehrlich gesagt lieber, das nicht zu tun."

Als einzig wirklicher Konkurrent um das Sauber-Cockpit gilt derzeit der zweite vielversprechende Ferrari-Junior Antonio Giovinazzi. Der bereits 23-jährige Italiener wurde im Vorjahr hinter Gasly Zweiter in der GP2 und beeindruckte dieses Jahr bei seinem Sauber-Formel-1-Debüt als Ersatzmann für den rekonvaleszenten Wehrlein.

Giovinazzi hat schlechtere Karten als Leclerc

Während er bei der Premiere zumindest auf Niveau des routinierten Marcus Ericsson war, brachte er sich bei seinem zweiten Rennwochenende in China mit zahlreichen Crashes selbst um den erarbeiteten Ruf. Dafür darf sich Giovinazzi bei Haas in einer Art Fernduell mit Leclerc in den einigen ersten Freien Trainings einschießen.

In Sepang fehlte ihm bei Regen eine Sekunde auf Leclerc, dafür aber nur 0,128 Sekunden auf Teamkollege Romain Grosjean. Ob der direkte Vergleich mit dem Junior-Rivalen zusätzlichen Druck bringe? "Wir fahren für unterschiedliche Teams, was unterschiedliche Situationen mit sich bringt", erklärt Giovinazzi. "Natürlich sind wir Teil des gleichen Programms, aber ich konzenrtriere mich mehr auf mich als auf ihn."

Auch Giovinazzi hofft auf Renn-Cockpit 2018

Sein Fokus liege ohnehin derzeit nur darauf, bei seinem verbleibenden drei Trainings mit Haas eine gute Figur abzugeben. "Und natürlich ist es mein Ziel, nächstes Jahr eine komplette Rennsaison zu fahren, aber das liegt in den Händen Ferraris. Nachdem er erst im Februar im 2015er-Ferrari erstmals in einem Formel-1-Auto saß, kam die Rennpremiere für ihn völlig überraschend. "Jetzt möchte ich dafür sorgen, dass ich bereit bin, wenn ich das nächste Mal ins Cockpit einsteige."

Ob sein Plan, 2018 Formel-1-Rennen zu fahren, wirklich aufgeht, ist derzeit fraglich: Sauber-Teamchef Vasseur ließ zuletzt hinter vorgehaltener Hand durchklingen, dass er lieber nur einen Ferrari-Junior ins Cockpit setzen würde, zumal dessen Ergebnisse an der Seite eines Piloten wie Wehrlein auch besser einschätzbar sind. Beim zweiten Ferrari-Kundenteam Haas will man allerdings überhaupt keine Junioren ins Cockpit setzen und hat Grosjean und Kevin Magnussen bereits für die kommende Saison bestätigt.

Wann er selbst mit einer Entscheidung rechne? "Hoffentlich bald", antwortet er. "Es ist aber nicht wichtig, wie lange es dauert. Wichtig ist für mich, nächstes Jahr im Auto zu sitzen."

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