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1971: Ein Italien-Grand-Prix für die Ewigkeit

Der knappste Zieleinlauf, 25 Führungswechsel, tragische Helden und ein cleverer Sieger: Wieso 1971 in Monza mit der größten Windschattenschlacht eine Ära endete

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Engster Zieleinlauf aller Zeiten: Nur 0,61 Sekunden trennen 1971 die ersten Fünf. Weitere legendäre Italien-Grands-Prix zeigt unsere Fotostrecke.
Engster Zieleinlauf aller Zeiten: Nur 0,61 Sekunden trennen 1971 die ersten Fünf. Weitere legendäre Italien-Grands-Prix zeigt unsere Fotostrecke.

(Motorsport-Total.com) - Für viele endete in Monza 1971 die klassische Ära der Formel 1: Es war die letzte echte Windschattenschlacht auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im königlichen Park, denn im Jahr darauf wurden Schikanen eingebaut, die dem wahnwitzigen Temporausch ein Ende bereiteten. Und es war ein Rennen, das es in Rekordbücher des Grand-Prix-Sports schaffte: Sieger Peter Gethin sorgte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 247,016 km/h für den schnellsten Grand Prix der Geschichte, ehe Damon Hill in Monza 1993 die Bestmarke unterbot. Was aber noch viel schwerer wiegt: Beim Zieleinlauf lagen fünf Piloten innerhalb von nur 0,61 Sekunden - ein Rekord, der bis heute nicht gebrochen wurde.

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Doch nicht nur die Zahlen machen Monza 1971 zu einem ganz speziellen Rennen. Auch der spektakuläre Rennverlauf: Als der Formel-1-Tross ein Jahr nach dem tragischen Tod von Weltmeister Jochen Rindt durch die alten Mauern in den verschlafenen, nebelverhangenen Park zurückkehrt, ahnt niemand, dass die Führung am Sonntag zwischen acht Fahrern 25 Mal wechseln würde. Und dass ausgerechnet Peter Gethin seinen einzigen Grand Prix gewinnen sollte.

Die Nachwirkungen der Rindt-Katastrophe sind 1971 überall spürbar. Obwohl das Thema Sicherheit noch lange nicht groß geschrieben wird, gilt Monza wegen der enormen Geschwindigkeiten als besonders gefährlich, was bei vielen Piloten ein mulmiges Gefühl auslöst. Das Rindt-Team Lotus drückt sich sogar davor, in Monza unter eigener Flagge anzutreten, weil man wegen der nach wie vor nicht abgeschlossenen Ermittlungen Konflikte mit der italienischen Justiz fürchtet.

Angst nach Rindt-Tragödie: Lotus heißt plötzlich World Wide Racing

Stattdessen nennt man unter dem Namen "World Wide Racing" und stellt Stammfahrer Emerson Fittipaldi das legendäre Turbinenauto zur Verfügung, das danach wegen Erfolglosigkeit ins Museum wandern sollte. Die Ironie der Geschichte: Lotus-Boss Colin Chapman hatte Rindt nur wenige Tage vor dem Tod im September 1970 dazu gebracht, seine Karriere doch nicht zu beenden, indem er ihm versprach, er werde mit dem von einer Flugzeugturbine angetriebenen Lotus 56 alles in Grund und Boden fahren - eine kapitale Fehleinschätzung.

Aus Angst vor einer Festnahme bleibt auch Chapman dem Rennen in Italien fern. Doch er ist nicht der einzige, dem die italienischen Ermittler zusetzen: Auch Matra-Pilot Jean Pierre Beltoise taucht nicht in Monza auf, weil seine Lizenz außer Kraft gesetzt wurde. Grund ist der tödliche Unfall des italienischen Senkrechtstarters Ignazio Giunti bei einem Sportwagenrennen in Argentinien Anfang des Jahres, der von Beltoise ausgelöst wurde, weil er sein Auto zum Auftanken über die Strecke geschoben hatte. Chris Amon ist somit einziger Matra-Fahrer in Monza.

Die WM ist zu diesem Zeitpunkt schon entschieden: Jackie Stewart reist als frischgebackener Weltmeister nach Italien. Der Schotte fuhr eben erst auf dem Österreichring seinen zweiten Titel ein - drei Grands Prix vor Schluss. Favorit ist der Dominator der Saison dennoch nicht: Das liegt am Cosworth-Motor seines Tyrrell, der nur über acht Zylinder verfügt.

Ferrari-Fans bejubeln Pole, die keine ist

Und so überrascht es wenig, dass sich die V12-Piloten in der Zeitenjagd um die Pole durchsetzen. Die Ferrari-Euphorie ist auf dem Höhepunkt, als die Gazetten den eben erst im Titelkampf geschlagenen Jacky Ickx auf Platz eins verkünden. Heute unvorstellbar: Der Belgier experimentiert im Qualifying abwechselnd mit Goodyear- und Firestone-Reifen.

Doch Matra-Zeitnehmer Michele Dubosc überzeugt die Rennleitung, dass bei der Zeitnehmung ein Fehler passiert ist: Und so steht am Ende doch kein Ferrari in Monza auf Pole, sondern der einzige Matra-Pilot Amon.

Der Hauptgrund, warum Matra plötzlich so konkurrenzfähig ist: Die Franzosen haben beim hauseigenen V12-Motor ein Problem mit dem Ölsystem in den Griff gekriegt. "Jeder hat plötzlich geglaubt, dass wir einen neuen Motor haben", spielt der Neuseeländer darauf an, dass er durch die Behebung des Fehlers plötzlich 460 PS zur Verfügung hat - um 65 mehr als bisher. "Damit sind wir auf Augenhöhe mit Cosworth, wenn nicht sogar mit Ferrari und den besten BRM-Motoren."

Bester BRM-Pilot ist Österreich-Sieger Jo Siffert als Dritter, dahinter folgt Teamkollege Howden Ganley. Der spätere Sieger Gethin, der als Ersatz des tödlich verunglückten Pedro Rodriguez zum zweiten Mal im BRM sitzt, ist nur Elfter in der Startaufstellung - übrigens unmittelbar vor Helmut Marko, der im alten BRM-Boliden sein zweites Formel-1-Rennen bestreitet.

Von Startplatz acht in Führung: Regazzonis erlaubter Frühstart

Und auch die Cosworth-V8-Piloten zählen zu den Geschlagenen: Bester ist Francois Cevert im Tyrrell als Fünfter, Weltmeister Stewart kommt hinter March-Fahrer Ronnie Peterson nur auf Platz sieben. Beim Start kommt es aber dann zu einer Riesenüberraschung, die die aufgebrachten Ferrari-Fans über die zu Unrecht verkündete Pole-Position von Ickx hinwegtröstet: Ferrari-Pilot Clay Regazzoni trickst die Konkurrenz aus, bringt seinen Boliden nach der Aufwärmrunde gar nicht zum Stillstand und schießt aus Position acht und damit der vierten Reihe wie eine Rakete an die Spitze.

Eine Ferrari-Disqualifikation ist zu dieser Zeit vor heimischem Publikum undenkbar, und so gleicht das Autodrom einem Tollhaus, als die Boliden das erste Mal bei Start und Ziel vorbeikommen und ein rotes Auto in Front liegt. Doch Monza sollte seinem Ruf als Windschattenstrecke alle Ehre machen. Es gilt das ungeschriebene Gesetz: Biegst du als Erster in die Lesmo-Kurven ein, bist du in der Parabolica-Zielkurve nur noch Zweiter.

Und so wechselt die Führung ständig: In Runde 4 schiebt sich der Schwede Ronnie Peterson in Front, auch Weltmeister Stewart und Österreich-Sieger Siffert ziehen an Regazzoni vorbei. Die Top 8 werden zu diesem Zeitpunkt nur durch eine Sekunde getrennt. Für die Fans ist es durch die ständigen Positionsverschiebungen schwer, die Übersicht zu bewahren. Ehe der materialmordende Kurs in Monza seine ersten prominenten Opfer fordert: In Runde 16 rollt erst Stewart, dann aber auch dessen Ferrari-Rivale Ickx mit Motorschaden aus, was bei den Tifosi für lange Gesichter sorgt.

Beide Ferrari-Motorplatzer innerhalb von zwei Runden

Doch der nächste Schock lässt nicht lange auf sich warten: Nur zwei Runden später raucht auch der zweite Ferrari von Regazzoni. Die ersten Zuschauer machen sich auf den Heimweg. Eine schlechte Entscheidung, denn der Grand Prix bleibt spannend: Nun schlägt die Stunde des Mike Hailwood.

Der neunmalige Motorrad-Weltmeister, der sechs Jahre lang kein Formel-1-Rennen bestritten hat und mit dem Surtees-Boliden nur als 17. startete, arbeitet sich zunächst auf Rang drei hinter Peterson und Tyrrell-Mann Cevert vor, ehe er die beiden zur Überraschung aller sogar überholt. "Ich hatte ja keine Ahnung, worum es bei diesem Windschatten-Jux eigentlich ging", sollte er später verdutzt sagen. "Ich habe das ja noch nie gemacht."

Hinter den Top 3 klafft nun eine kleine Lücke, weil Siffert, dessen Getriebe später kaputt gehen wird, und Ganley mit überhitzenden BRM-Motoren kämpfen und etwas Tempo rausnehmen. Dahinter auf den Plätzen sechs und sieben: Amon und der spätere Sieger Gethin.

Pechvogel Amon: Leader reißt sich Visier vom Helm

Pole-Setter Amon, bislang unauffällig, bläst nun zum Großangriff: Der Neuseeländer überholt trotz Blasenbildung beim linken Vorderreifen einen Rivalen nach dem anderen und liegt in Runde 36 auf einmal in Führung - sehr zur Freude der Zuschauer, denn nach dem Ausfall der Ferrari-Piloten schlägt das Herz vieler nun für den ehemaligen Piloten der Scuderia. Der ist tatsächlich drauf und dran, seinen Premierensieg zu feiern und wehrt sich gekonnt gegen die Attacken von Peterson, Cevert und Hailwood, ehe das berühmte Pech in Runde 48 wieder einmal zuschlägt.

"Ich habe die Abreißfolien wohl zu gut am Visier befestigt."
Chris Amon

Amon will sieben Runden vor Schluss eine Folie vom Helmvisier reißen, um wieder klare Sicht zu haben, erwischt aber aus Versehen das gesamte Visier. Der Sieg ist somit dahin: Der Matra-Pilot muss seine fünf Verfolger ziehen lassen und fährt mit tränenden Augen langsam um den Kurs. "In den vergangenen Rennen habe ich Abreißvisiere verloren", wird er später sein Missgeschick erklären. "Deswegen habe ich sie diesmal besser befestigt. Zu gut, wie sich herausgestellt hat, denn plötzlich war das ganze verdammte Visier weg."

Gethins Finale Furioso

Im Angesicht von Amons Pech dreht nun Gethin auf: Drei Runden vor Schluss rast der Brite endlich als Leader an Start-Ziel vorbei. Doch er weiß: Wer in der letzten Runde bei der Anfahrt auf die Parabolica das Rennen anführt, wird aller Voraussicht nach nicht gewinnen. Er bleibt also im Führungsquintett, ist aber zu Beginn der letzten Runde nur Vierter.

Bei der letzten Anfahrt zur Zielkurve saugt er sich an die Rad an Rad kämpfenden Leader Cevert und Peterson an und nutzt deren späte Bremsmanöver, um innen durchzustechen. Auf den letzten Metern zieht er alle Register. "Der Drehzahlmesser war bereits bei 10.500 Umdrehungen in der Minute, aber ich drehte weiter auf 11.500, ehe ich den höchsten Gang einlegte", schildert er die entscheidenden Sekunden. "Ich wusste, dass es den faulen Sack wahrscheinlich zerreißen würde. Aber wenn nicht, dann würde ich das Rennen gewinnen."

Entscheidung in der letzten Kurve

Bei der Zieldurchfahrt reißt er beinahe auf Augenhöhe mit Peterson und Cevert als einziger die Faust in die Höhe. Aus taktischen Gründen, wie er später zugibt: "Es war so knapp, dass die Zielrichter Zweifel hätten haben können. Also würden sie wahrscheinlich den Piloten zum Sieger erklären, der vom Erfolg am meisten überzeugt ist." Doch diesmal funktioniert die Zeitnahme: Peterson fehlen am Ende 0,01 Sekunden auf die höchste Stufe des Siegerpodests, bei Cevert sind es 0,09 Sekunden. Dahinter folgen Hailwood (+0,18) und Ganley (+0,61). Amon rollt abgeschlagen mit 32 Sekunden Rückstand ins Ziel.

Es sollte der einzige Sieg in der Formel-1-Karriere des Peter Gethin bleiben - dafür aber einer, der unvergessen bleibt. Selbst die Randnotizen des Rennens lesen sich beeindruckend: Nur in acht der 55 Runden glich die Reihenfolge dem Umlauf davor. Und auch wenn sich erst im Laufe der Zeit zeigen sollte, welch denkwürdiges Rennen sich 1971 in Monza wirklich abspielte, so ahnen es einige bereits ein Jahr später bei der Rückkehr ins Autodrom.

Die nach der Curva Grande und nach den zwei Lesmos eingebauten Schikanen sorgen für Unmut. Hailwood, der auf der verlangsamten Strecke hinter Lotus-Pilot Fittipaldi Zweiter wird, schimpft über das Ende der Windschattenära: "Mein Ergebnis ist besser als im Vorjahr, aber der Spaß ist weg. Sie haben die Strecke mit diesen lächerlichen Schikanen zerstört."

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