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Das Monza-Drama: Rindt wollte zehn Tage vor Tod aufhören

Die Hintergründe der Tragödie von Monza 1970: Wieso Jochen Rindt kurz vor dem Tod aufhören wollte, wie ihn Lotus umstimmte und wie die Legende wirklich starb

Jochen Rindt, Colin Chapman
Vertrauensbruch: Lotus-Teamchef Colin Chapman und sein Fahrer Jochen Rindt
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Der königliche Park von Monza verstummt um genau 15:25 Uhr des 5. September 1970. Die Blicke Nina Rindts, die auf einem Barhocker vor der gemauerten Lotus-Box sitzt, wechseln immer hastiger zwischen Stoppuhr und Rennstrecke hin und her. Sie wird den Knopf nicht drücken. Denn während andere Piloten nach dem Abbruch des Qualifyings ihre Visiere hochklappen, kommt ihr Ehemann Jochen Rindt als einziger nicht an die Box zurück. Die Angst in ihrem Gesicht ist spürbar.

Wenige Meter hinter ihr: Formel-1-Reporterlegende Heinz Prüller, der das Qualifying stets aus der Box seines "besten Freundes" Rindt verfolgt. Als der Streckensprecher verkündet, dass der in der WM führende Lotus-Pilot einen Unfall hatte, aber bereits aus dem Auto sei, wehrt sich Prüllers Körper. "Mir ist es saukalt geworden", schildert der Österreicher seine Reaktion trotz des drückend schwülen Wetters. "Ich habe gezittert, obwohl ich nichts gewusst habe. Ich habe das einfach nicht geglaubt, dass der Rindt schon aus dem Auto ist."

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Der Lotus 72 Rindts, der heute seinen 75. Geburtstag feiern würde, war beim Anbremsen der Parabolica-Kurve plötzlich nach links ausgebrochen und mit Tempo 280 in die Leitplanken gekracht. Der Anprall war so heftig, dass ein Rad unter den Leitplanken durchrutschte und hängenblieb, das vordere Drittel des Autos wurde weggerissen. Rindt, der nicht korrekt angegurtet war, rutschte nach vorne und verletzte sich am Armaturenbrett und am Gurtschloss tödlich an Halsschlagader und Luftröhre. Seine Beine ragten ins Freie.

Stewart: Rindt starb nicht im Krankenwagen

Ausgerechnet sein Freund Jackie Stewart ist es, der als erster Fahrer Gewissheit hat, nachdem man ihm im Rennleiterturm die Wahrheit vorenthalten hatte. "Ich sah, dass Jochen in seinem Overall hinten auf einem Kleintransporter lag", erzählt er gegenüber 'MotorSport', was er auf dem Weg zum Medical Center sah. "Er war tot. Das wusste ich sofort, denn sein Fuß war beinahe abgerissen, aber es kam kein Blut. Und eine offene Wunde, die nicht blutet, bedeutet, dass sein Herz nicht schlägt."

"Ich wusste sofort, dass Jochen tot war."
Jackie Stewart

Dass Rindt später mit dem Krankenwagen, in dem auch Stewarts Frau Helen und Nina Rindt saßen, ins Krankenhaus gebracht wurde, war also eine Farce. Wie auch die Tatsache, dass das Unglück am nächsten Tag vom Streckensprecher in Monza nicht einmal erwähnt werden sollte.

Inzwischen breitete sich die tragische Nachricht auch in seiner Heimat Österreich aus: Seine Schulfreunde Helmut Marko, heute Red Bulls Motorsportkonsulent, Andy Zahlbruckner und Stefan Bachaneck, die in ihrer Jugendzeit gemeinsam mit Rindt auf dem Motorrad ihr Unwesen trieben, klebten an jenem Samstag mit den Ohren am Radiogerät, um irgendetwas über das Qualifying zu erfahren.

Helmut Marko: Rindt dachte kurz vor Monza an Rücktritt

Die Nachricht über das Schicksal des 28-Jährigen sorgte für einen Ausnahmezustand. "Wir sind hin und her gerannt, haben Journalisten und Funktionäre kontaktiert, denn es gab ja kaum Informationsquellen", erinnert sich Marko. "All das kam für uns aus völlig heiterem Himmel, und wir waren komplett fertig. Rindt hatte für uns den Nimbus des Unbesiegbaren, Unverletzbaren, weil er so viele haarsträubende Crashes, an denen er nicht selber schuld war, überstanden hatte. Aber irgendwann stand dann fest: Er ist tot."

Wie der restliche Tag weiter verlief, weiß Marko nicht mehr genau. "Es hat auf jeden Fall im absoluten Vollrausch geendet", sagt er. Davor pochten immer wieder Erinnerungen an die letzten Tage auf - und ihm dämmerte, dass vielleicht doch nicht alles so sehr aus heiterem Himmel gekommen war. Zehn Tage vor dem Unglück hatte Rindt seinem Schulfreund am wunderschönen Traunsee in Oberösterreich noch gestanden, dass er einen tödlichen Unfall im Lotus befürchte.

"Er hatte Todesahnungen, oder sagen wir besser: Er realisierte, dass er bei Lotus ein tödliches Risiko eingeht", bestätigt Marko. "Er sagte ganz klar, dass er aufhören will. Er traue Teamchef Colin Chapman nicht mehr. Der höre ihm nicht zu, dem ist alles egal, der riskiere. Er habe genug." Stattdessen habe sich Rindt auf sein Formel-2-Team, das er gemeinsam mit seinem Freund Bernie Ecclestone betrieb, konzentrieren wollen. "Da hätten Emerson Fittipaldi und ich gemeinsam fahren sollen. Jochen wollte sich auf das Geschäft konzentrieren."

Innenliegende Bremsen: Rindt wusste um Gefahr

Tatsächlich kreisten Rindts Gedanken schon damals um die unsicheren innenliegenden Bremsscheiben, die ihm später das Leben kosten sollten. Designgenie Chapman, dessen Leichtbau-Konstruktionen umstritten waren, hatte beim richtungsweisenden Lotus 72 die Bremsanlage ins Innere des Chassis verlegt, um das Gewicht zu reduzieren. Bremswellen verbanden die Räder mit den tatsächlichen Bremsen. Ein Konzept, das die Kühlung erschwerte.

Durch die von der Hitze verursachten Verformungen kam es immer wieder zu Brüchen der Bremswellen, wie eben beim Boliden von Rindts Teamkollegen John Miles beim letzten Rennen vor der Monza-Tragödie in Österreich. Ausgerechnet vor der späteren Rindt-Kurve versagten in Runde 4 die Bremsen, weil die vordere Bremswelle gerissen war, und Miles, der nach Monza übrigens seine Karriere beendete, konnte nur mit Glück einen heftigen Crash verhindern. Die Konsequenzen blieben aus. "Miles hat ja seinen Mund nicht aufmachen dürfen und war ein ganz weltfremdes Bürschchen", erinnert sich Marko.

"Seelenfänger": Wie Chapman Rindt lockte

Ganz im Gegensatz zu Rindt, der stärkere Wellen forderte und sogar anbot, ein paar Kilogramm abzunehmen, um den Gewichtsnachteil wettzumachen. Doch Chapman schaltete auf stur, was bei seinem Piloten für Ärger sorgte. "Das Verhältnis war zerrüttet, denn Chapman ging überhaupt nicht auf Rindts Wünsche ein", erinnert sich Marko. Dennoch gelang es ihm, seinen Starpiloten vom Rücktritt abzubringen.

"Chapman war ja ein Seelenfänger", findet Rindts Freund klare Worte. "Er lockte also Jochen zwischen unserem Gespräch in Bad Aussee und Monza, dass er mit Chapmans neuester Idee, dem Vierradantrieb-Turbinenauto, in Zukunft alles mühelos in Grund und Boden fahren würde. Außerdem versprach er ihm eine ordentliche Gehaltserhöhung." Rindt biss an und ging eine Art Pakt mit dem Teufel ein.

Den Turbinen-Lotus sollte er allerdings nicht mehr erleben. Er ging als einer der größten Flops in die Formel-1-Geschichte ein: Das für die 500 Meilen von Indianapolis entwickelte Auto, das von einer Flugzeug-Gasturbine angetrieben wurde, sollte 1971 endlich auch für die Formel 1 bereit sein, kam aber nur bei drei Grands Prix zum Einsatz. "Aber es hat Jochen dazu gebracht, weiterzumachen", sagt Marko.

Rindt wettete mit Ehefrau um Rücktritt

Dabei war der Rücktritt bei Rindt auch privat ein Riesenthema gewesen. "Er hatte mit Nina eine Wette laufen", erinnert sich der Grazer. "Ich weiß nicht mehr genau, um Wie viel Geld sie gewettet haben, aber es war ausgemacht, dass sie es bekommt, wenn er weitermacht." Es soll sich um 10.000 Pfund gehandelt haben.

Den Rücktrittswunsch äußerte Nina Rindt, mit der der Rennfahrer eine zweijährige Tochter hatte, in der kurz vor dem Crash aufgenommenen TV-Dokumentation "It's Jochen" des hessischen Rundfunks. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, dann "dass du mit dem Rennfahren aufhörst", sprach die Tochter des finnischen Rennfahrers Curt Lincoln ihren Ehemann mit sentimentaler Stimme direkt an.

Und auch der sprach seine Angst vor einem Unfall offen aus: "Meine größte Sorge ist, dass am Auto etwas bricht. Ich fühle, dass ich gut genug bin, keinen Fehler zu machen, bin aber nicht sicher, ob ich das Auto kontrollieren kann, wenn etwas schiefgeht." Eine Seite Rindts, die Marko lange fremd war: "In unserer Jugend dachten wir: Warum ist ein 40-Jähriger überhaupt noch da? Warum hat der eine Lebensberechtigung? Aber plötzlich hatte er Angst um sein Leben."

Gurte nicht angezogen: Wieso Rindt Angst vor Feuer hatte

Dass er beim Crash in Monza keine Überlebenschance hatte, liegt auch daran, dass er die Oberschenkelgurte seines Sechspunkt-Gurtes nicht ordentlich festzog und so beim Aufprall ohne Halt nach vorne rutschte. Die Ursache? "Jochens Angst war, dass er nicht mehr herauskommt, wenn das Auto Feuer fängt, weil er den Gurt nicht mehr aufkriegt", erklärt Prüller, wieso Rindt so ein Risiko einging. Eine Gurtpflicht gab es damals noch nicht.

Die Angst vor dem Feuer war damals allgegenwärtig im Fahrerlager. Rindts Freund Piers Courage war erst wenige Monate vor Monza bei einem Feuerunfall in Zandvoort ums Leben gekommen. Und Rindt selbst machte 1967 beim Training zum 500-Meilen-Klassiker in Indianapolis unliebsame Bekanntschaft mit den Flammen, weil das Gaspedal bei Vollgasstellung steckenblieb. "Er ist damals aus einem brennenden Auto herausgesprungen nachdem er in die Mauer krachte", weiß Prüller. Daher habe er im Rennauto "Angst vor dem Feuer" gehabt.

Und auch das Schicksal der Eltern könnte eine Rolle gespielt haben: Ilse und Karl Rindt kamen 1943 bei einem Brandbombenangriff der Alliierten auf Hamburg ums Leben, als Jochen Rindt 15 Monate alt war. "Aus Angst, eingeschlossen zu sein, stürzten sie damals aus dem Luftschutzkeller, aber in dem Augenblick, als sie über die Straße rannten, ging eine Bombe nieder und traf seine Eltern", erzählt Prüller. "Dieses Ereignis hat sicher auch Jochens Feuerangst ausgelöst."

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