• 01.07.2016 15:18

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Formel-1-Funkverbot: Fahrer sehen auch Vorteile

Nach der Frustration von Lewis Hamilton im Formel-1-Grand-Prix 2016 von Baku melden sich Kollegen zu Wort: Funkverbot hat für Fahrer auch gute Seiten

(Motorsport-Total.com) - Im Formel-1-Grand-Prix 2016 von Europa hatte Weltmeister Lewis Hamilton phasenweise nicht die optimale Hybridpower zur Verfügung. Der Brite klagte lautstark im Mercedes-Funk, forderte von den Ingenieuren wichtige Hinweise bezüglich der Einstellungen am Lenkrad. Die Techniker durften dem amtierenden Champion jedoch aufgrund der neuen Einschränkungen im Funkverkehr nicht helfen. Hamilton probierte zwölf Runden lang verzweifelt diverse Schalterstellungen am Lenkrad - erst dann hatte er wieder vollen Schub.

Titel-Bild zur News: Lewis Hamilton

Funkverbot als Hemmschuh: Hamilton verzeifelte im Grand Prix von Europa Zoom

Die Probleme des Weltmeisters in Baku haben eine neue Diskussion über die Funkregeln entfacht. Allerdings scheint Hamilton mit seiner Einschätzung, die Regularien seien "lächerlich", recht allein zu sein. "Die Fans haben sich beschwert, dass wir Marionetten seien und nur machen, was die Ingenieure uns sagen. Deshalb wurde das geändert", sagt Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg. Es sollte schwieriger für Fahrer und Teams werden - und genau dies sei in Baku sicht- und hörbar geworden.

"Ich finde die aktuellen Regeln völlig okay", meint Kimi Räikkönen, der in Baku ebenfalls in Nöte geraten war. "Ein großes Problem war es bestimmt nicht", so der Ferrari-Star. "Wenn es um die Einstellungen bezüglich des Betriebsmodus des Antriebs geht, dann sollte der Fahrer das alles selbst wissen", schmunzelt Daniel Ricciardo. "Ich weiß gar nicht, warum die Diskussion gerade jetzt losgeht. Nur, weil ein Mercedes-Pilot Probleme hatte und es im TV zu hören war? Die Regeln gibt es schon länger, sicherlich hatten andere Fahrer auch vorher schon mal ähnliche Sorgen", erklärt Sebastian Vettel.

"Dann muss man halt die Prozeduren und Schalterstellungen im Kopf haben", sagt Jenson Button lapidar. "Ich kenne so ziemlich alle Dinge an meinem Lenkrad. Die Schalter, die ich nicht kenne, betreffen die Sachen, die ich sowieso nie ändere. Dennoch: Es ist alles sehr kompliziert. Hinweise zum Fahren an sich sollten verboten bleiben. Ob man Informationen zu Betriebsmodi erlauben sollte? Ich weiß es nicht", so der Brite. "Wir können aber nicht jedes Wochenende neue Regeln aufstellen. Das geht auch nicht."


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Williams-Pilot Felipe Massa und Haas-Fahrer Esteban Gutierrez bringen einen anderen Aspekt hinein. "Ich habe absolut keine Probleme", so der Mexikaner. "Die Einschränkungen helfen auch dabei, die Autos etwas weniger kompliziert zu machen", meint Massa. Gutierrez stimmt zu und ergänzt: "Dieses Funkverbot motiviert die Ingenieure, die Lenkräder wieder einfacher und weniger komplex zu gestalten. Das ist gut. Wir brauchen zum Fahren doch nur zwei Pedale und ein Lenkrad."