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TV-Kommentator: "Ein Schatten über diesem Rennen"

Ernst Hausleitner, TV-Kommentator für den österreichischen Sender ORF, spricht über die Situation in Bahrain und moralische Bedenken vor dem Grand Prix

Ernst Hausleitner
Ernst Hausleitner hat moralische Bedenken wegen des Grand Prix
© ORF

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Ernst, wie ist es dir bislang in Bahrain ergangen? Gab es gefährliche Situationen?"
Ernst Hausleitner: "Gar keine. Wir sind hier vier Mann vom ORF und wir hatten überhaupt keine Probleme. Wir fahren täglich rund 30 Kilometer von der Strecke ins Hotel und sind zum Teil in Manama auch zu Fuß unterwegs. In Manama selbst merkst du keinen Unterschied zu den Jahren 2005 bis 2010, in welchen wir ja bereits hier waren. Die Demonstrationen finden eher in den Dörfern außerhalb Manamas statt."

Frage: "Spürt ihr die verschärften Sicherheitsmaßnahmen?"
Hausleitner: "Nein, du siehst draußen an den Straßen und Autobahnen ein paar Polizeiautos, aber nichts wirklich Massives. Bevor wir hierher fuhren, dachte ich ja, da werden jetzt Panzer oder Militäreinheiten aufrücken, aber ich habe zumindest nur Polizeiautos gesehen. Ich habe das Gefühl, dass sich die Polizei zurückhält. Es wurde auch eine Demo angemeldet und das waren ganz normale Teilnehmer, die von der Polizei eskortiert wurden, wo es aber keine Tumulte gab. Also wir haben hier keine gefährlichen Situationen erlebt."

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Frage: "Befürchtet man noch, dass es am Rennsonntag zu Protesten oder gar Ausschreitungen an der Strecke kommen könnte?"
Hausleitner: "Es gibt Gerüchte, dass es etwas geben könnte, aber genaueres wissen wir auch nicht. Ich kann nur sagen: Wir bewegen uns hier frei und es gibt keinen Unterschied zu den Rennen davor. In den Einkaufszentren ist es nicht anders als in den Jahren zuvor, als wir bereits hier waren. Es ist dasselbe Bild, ich kann keinen Unterschied erkennen."

Frage: "An der Strecke sieht man eigentlich keine Zuschauer, nicht wahr?"
Hausleitner: "Ja, aber in Bahrain sind nie viele Zuschauer. Da sind nie wirklich viele Leute und ich kann mir vorstellen, dass diesmal noch weniger kommen."

Frage: "Wie geht es dir gefühlsmäßig? Fällt dir die Moderation schwerer als sonst?"
Hausleitner: "Es liegt einfach ein Schatten über diesem Rennen. Die Menschen hier sind nicht gegen die Formel 1, die Demonstrationen richten sich nicht gegen die Formel 1. Es sind Konflikte, die sehr komplex sind und die wir nicht so einfach verstehen können. Und man versucht, die Formel 1 zu instrumentalisieren."

Frage: "Ein Kritikpunkt ist, dass die Formel 1 in einem Land fährt, dass die Waffen gegen die eigenen Leute richtet..."
Hausleitner: "Ja, das ist eine Gewissensfrage. Und ich habe schon vor unserer Abreise gesagt, dass es keine gute Idee war, hier zu fahren. Schließlich sind hier seit den Tumulten im Vorjahr 40 bis 50 Menschen ums Leben gekommen."

Frage: "Dass ein Bernie Ecclestone ein knallharter Geschäftsmann ist, der, wie man sagt‚ 'über Leichen geht', ist bekannt. Doch es ist dann doch bedrückend, dass man in einem Land fährt, das die eigene Bevölkerung tötet. Es scheint Ecclestone respektive den Entscheidungsträgern der Formel 1 nur darum gegangen zu sein, ob die Sicherheit des Formel 1-Personals gefährdet ist."
Hausleitner: "Ja, es geht hier auch um die Moral. Wir sollten nicht immer nur an uns selbst denken und uns um die eigene Sicherheit sorgen. Hier sind Menschen getötet worden und ich glaube schon, dass die Formel 1 einen Imageschaden davontragen wird. Das ist einfach ein großer Makel an diesem Rennen."

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