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Kolles: "Senna fährt hundertprozentig nicht für uns"

07. Januar 2011 - 13:31 Uhr

HRT-Teamchef Colin Kolles bringt Liuzzi als zweiten Fahrer ins Spiel und erklärt, warum er sich von Karthikeyan und dem Auto Fortschritte verspricht

Colin Kolles (Teamchef), Geoff Willis
Teamchef Colin Kolles und Geoff Willis basteln am HRT-Paket für die Saison 2011
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Lange gab es bei Colin Kolles' HRT-Rennstall viele Fragezeichen. Doch jetzt lichtet sich langsam der Nebel. Am gestrigen Donnerstag bestätigte der Inder Narain Karthikeyan völlig überraschend, dass er 2011 für das spanische Team fahren wird. Nun stellte der Teamchef klar, wer in der kommenden Saison nicht im Cockpit sitzen wird: Bruno Senna. "Ich kann definitiv sagen, dass Bruno Senna nicht für HRT fahren wird", sagt Kolles gegenüber 'Reuters'. Und fügt an: "Hundertprozentig nicht." Damit wird es für Ayrton Sennas Neffen schwierig, seine Formel-1-Karriere fortzusetzen.

Doch wer bekommt nun das zweite Cockpit? "Es könnte einige Überraschungen geben", hält sich Kolles gegenüber 'Autosport' noch bedeckt. "Vielleicht haben einige Fahrer, die einen Vertrag besitzen, derzeit kein Cockpit. Wir sind in Warteposition. Wir wollen einfach das bestmögliche Paket schnüren." Auf wen er damit anspielt, ist klar: Tonio Liuzzi. Der Italiener hat bei Force India laut eigenen Angaben einen Vertrag für 2011, dürfte aber von DTM-Champion und Ersatzpilot Paul di Resta aus dem Team gedrängt werden.

Dass Karthikeyan 2011 eines der zwei Cockpits erhält, hat jedenfalls nicht nur sportliche Gründe. Für Bernie Ecclestone ist es von besonderer Bedeutung, dass im Premierenjahr des Grand Prix von Indien ein indischer Pilot in der Formel 1 fährt, zudem zahlt der Sponsor des 33-Jährigen, die Tata-Gruppe, viel Geld. Geld, das Teamchef Kolles für sein finanzschwaches Team gut gebrauchen kann, will man 2011 von WM-Rang elf einen Schritt nach vorne machen.

War Karthikeyan 2005 nicht fit genug?

Dennoch ist Kolles, der mit Karthikeyan erstmals 2005 als Jordan-Teamchef zusammengearbeit hat, von dessen fahrerischen Qualitäten überzeugt. "Er hat die Erfahrung, er hat die Stärke und er ist schnell genug für die Formel 1", sagt der ehemalige Zahnarzt über den Inder, der in seiner bisher einzigen Grand-Prix-Saison eher mit Unfällen, als mit starken Leistungen auffiel. Doch Kolles kennt die Gründe: "In seiner Jordan-Zeit war seine physische Verfassung nicht die beste, doch er hat sich diesbezüglich seit damals stark verbessert. Er fuhr für mich in der Le-Mans-Serie, wo er mehrere Stunden lang fahren musste, und ich weiß, dass er sich verbessert hat."

In den vergangenen Jahren gab es einige Piloten, die nach längerer Pause ein Comeback in der Formel 1 versuchten - die meisten konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Ob dies auch auf Karthikeyan zutreffen könnte? "Normalerweise wird man als Rennfahrer reifer und das gibt dir einen Vorteil", meint Kolles. "Wenn du reifer wirst und Speed verlierst, dann ist das nicht gut, doch ich hoffe und glaube, dass er den Speed hat - also wird er schneller und reifer sein."

"Ich hatte schon immer eine kleine Indien-Connection - und das setzt sich jetzt fort."
Colin Kolles

Dass Kolles nach Karun Chandhok auch dieses Jahr wieder einen Inder aus dem Hut zaubert, ist eine Ironie des Schicksals, wie er selbst weiß: "Ich hatte schon immer eine kleine Indien-Connection - und das setzt sich jetzt fort. Narain war der erste Inder in der Formel 1. Ich war mit dem Start von Force India verbunden und half dabei, es aufzubauen."

Diese Verbindung nach Indien hat Vorteile, schließlich gilt Indien als einer der größten Wachstumsmärkte der Welt. "Es ist ein großes Land, ein wachsendes Land mit viel Potenzial. Wir müssen unser Team und unseren Sport finanzieren und ich glaube, dass Indien viel Potenzial hat, was große Firmen angeht, die eigene Marken bekannt machen wollen."

Neues Auto wird spät fertig

Wie groß allerdings das Potenzial des neuen HRT-Boliden sein wird, darüber lässt sich streiten. Nachdem der Plan platzte, den nie eingesetzten Vorjahres-Toyota als Basis für das neue Auto zu benutzen, konstruiert der ehemalige Red-Bull-Technikchef Geoff Willis von Grund auf einen eigenen Boliden, der bei einem der späteren Wintertests debütieren soll. Beim Testauftakt in Valencia am 1. Februar wird man noch mit dem alten Boliden ausrücken.

"Wir werden beim ersten Rennen wohl nicht ganz vorne mitfahren - obwohl man niemals nie sagen sollte."
Colin Kolles

"Das neue Auto sieht völlig anders aus", verrät Kolles. "Deutlich verbessert und viel besser entwickelt." Als Joker nennt er das neue Williams-Getriebe, das mit dem Cosworth-Motor harmoniert: "Dieses Paket erlaubte im Vorjahr Qualifyingergebnisse innerhalb der Top zehn, es kann also nicht so schlecht sein. Ich hoffe, dass wir auch das Aerodynamikpaket verbessern können, dennoch werden wir beim ersten Rennen wohl nicht ganz vorne mitfahren - obwohl man in der Formel 1 niemals nie sagen sollte."

Die nie ganz verstummten Stimmen, sein Team würde mit großen finanziellen Problemen kämpfen, relativiert Kolles: "Die letzten 24 Monaten waren sicher nicht einfach, doch vielleicht haben wir kleinere Probleme als andere."

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