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Damon Hill: Sex, Hitler und die Hormone

Damon Hill erinnert sich an den frühen Tod seines berühmten Vaters Graham und spricht darüber, wie ihn dieser als Mensch geprägt hat

Damon Hill
Damon Hill hatte schon vor der Formel 1 ein bewegtes Leben hinter sich
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Damon Hill ging 1996 als erster Sohn eines Formel-1-Weltmeisters in die Geschichte ein, dem es selbst ebenfalls gelang, zumindest einen Titel zu gewinnen. Doch wenn sein Vater Graham (Champion 1962 und 1968) stolz auf ihn war, dann nur vom Himmel aus, denn der Racing-Gentleman mit dem legendären Oxford-Helm starb 1975 bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von London.

Klein-Damon war an jenem Novemberabend gerade mal 15 Jahre alt. Die Erinnerungen sind aber noch frisch: "Ich schaute fern und sah eine Nachrichtensendung und kapierte selbst, was los war. Es gibt nicht so viele Privatflieger, die so spät noch in Elstree landen, also hatte ich ein mulmiges, schlechtes Gefühl. Meine Mutter aß gerade mit ein paar Freunden zu Abend. Als dann das Telefon läutete, dachte ich mir: 'Das kann kein Zufall mehr sein!'"

Plötzlich hatten die Hills kein Geld mehr

"Ich konnte hören, wie sie von einem Journalisten befragt wurde, und da fiel der Groschen."
Damon Hill

"Ich konnte hören, wie sie von einem Journalisten befragt wurde, und da fiel der Groschen", so Hill zur 'Times'. Es sei "keine besonders nette Erfahrung" gewesen, zumal sein Vater selbst am Steuer saß, fünf weitere Mitglieder des Embassy-Hill-Teams ums Leben kamen und die Versicherung ausstieg. Auf einmal stand Witwe Bette Hill mit ihren drei Kindern alleine da - und ohne Geld, so dass sie die Pokale ihres Mannes verkaufen musste, um irgendwie zu überleben.

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"Man wird philosophisch", seufzt Hill heute noch. "Man lernt, sich anzupassen, aber ich stand dem Leben und Menschen auf einmal sehr skeptisch und misstrauisch gegenüber. Und dann realisiert man auch noch, dass der Flieger wegen des Fehlers eines Rechtsanwalts nicht versichert war. Das war eine Katastrophe, denn so haben wir nicht nur meinen Dad verloren, sondern auch alles, wofür er je gearbeitet hatte, den Schutz, den er für seine Familie gedacht hatte."

Das Leben des inzwischen 16-Jährigen nahm also quasi über Nacht eine dramatische Wende, denn vom Jetset des Formel-1-Lebens seines Vaters waren ein paar Wochen nach dem Absturz nur noch ein paar lästige Anwälte übrig, die den Hills ordentlich auf die Nerven gingen: "Mit 16", sagt er, "willst du doch nur Spaß haben! Diese Scheiße interessiert dich nicht - und ich glaube schon, dass mich das geformt hat."

Wut zur Verarbeitung der Trauer

"Als er starb, fühlte ich mich bis zu einem gewissen Grad befreit."
Damon Hill

"Ich war aus irgendeinem Grund ein ziemlich wütendes Kind. Ich glaube, ich war verwirrt, wie ich mit dem Ruhm meines Vaters umgehen sollte, denn das beeinflusst die Beziehungen zu Freunden. Das war immer schon ein Problem. Als er also starb, fühlte ich mich bis zu einem gewissen Grad befreit. Da schwirren so viele miteinander in Konflikt stehende Emotionen in einem rum. Ich stieg einfach auf mein Moped und haute ab. Ich war 16 und frei", so Hill.

Um seine teure Ausbildung scherte er sich zu jener Zeit einen feuchten Dreck. Stattdessen gründete er die Punkband "Sex, Hitler and the Hormones" (Übersetzung überflüssig) als Ventil für seine Wut, die wiederum in Wahrheit nichts anderes war als unverarbeitete Trauer. Hill erfing sich aber, nahm ein paar Gelegenheitsjobs an und arbeitete auch als Motorradkurier, um die angesehene Jungenschule in Hertfordshire zu finanzieren.

Und plötzlich entwickelte er eine brennende Leidenschaft für Motorräder, die Folgen haben sollte: "Meine erste große Liebe war der Motorradsport", beschreibt er die Wende in seinem Leben. "Ich war total gegen Autos. Ich fand, dass sie hässlich aussehen und man sich nicht in die Kurve lehnen kann - was soll das bringen? Dann schickte mich meine Mutter an die Winfield-Rennfahrerschule in Frankreich, ohne die ich nie in den Automobilsport gewechselt wäre."

Geld sprach für eine Vierradkarriere

Ralf Schumacher und Damon Hill
Der letzte große Sieg: Damon Hill nach der Regenschlacht von Belgien 1998

Hill, geprägt von den erst sehr reichen und dann eher ärmlichen Verhältnissen, in denen er aufgewachsen war, realisierte, wie viel die Autorennfahrer im Vergleich zu den Zweiradartisten verdienen - und klemmte sich quasi über Nacht wie ein Verrückter hinter seine Autokarriere. 1984 fuhr er auf den Spuren seines Vaters Graham - und übrigens auch mit dessen Helmdesign - sein erstes Formelrennen, sieben Jahre später saß er in einem Formel-1-Auto.

Irgendwann dazwischen lernte er seine Frau Georgie kennen, die er aber erst einem Freund ausspannen musste: "Sie war zu gut für ihn", schmunzelt der 47-Jährige. "Ich wollte sie mit ein paar Witzen beeindrucken, aber sie war total undurchdringlich. Sie sah gut aus, machte auf mich intellektuell gesehen einen Spitzeneindruck und konnte sich gut verteidigen. Ich dachte mir: 'Für diese Frau musst du dich viel mehr anstrengen!'"

Im Mai 1989 kam das erste von insgesamt vier Kindern der beiden zur Welt, Oliver. Und das Schicksal hatte weiterhin kein Erbarmen mit Hill: Oliver leidet am Down-Syndrom. Doch der ungeachtet dessen stolze Vater und Georgie machten das Beste aus der Situation, nahmen ihr Leben in die Hand, gingen zu Selbsthilfegruppen und meisterten alle Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellten. Heute unterstützen sie viele Charitys, um Leidensgenossen zu helfen.

Kinder verändern das Leben

"Von da an habe ich immer gesagt: 'Ja, ich fahre für dich, aber ich will Geld dafür!'"
Damon Hill

"Du veränderst dich, wenn du Kinder hast, klar", sagt Hill. "Du verschwendest deine Zeit nicht mehr und es ist wahr, dass ich meine Karriere danach viel kompromissloser angepackt habe. Von da an habe ich immer gesagt: 'Ja, ich fahre für dich, aber ich will Geld dafür!' Es waren Jobs. Mein Dad war eine Inspiration: Er hatte kein Geld, arbeitete sich aber aus dem Nichts nach oben. Das wollte ich auch schaffen - und ich musste es schaffen."

Der Rest ist Geschichte: Hill absolvierte 1991 neben seiner Formel-3000-Saison einige Formel-1-Tests für Williams, landete 1992 in der hoffnungslos unterlegenen Brabham-Gurke und wurde 1993 nach dem Abgang von Nigel Mansell bei Williams überraschend ins Rennteam befördert. Mit der Startnummer null erzielte der Brite einige Achtungserfolge, darunter auch einen sensationellen Hattrick im Sommer. Gut drei Jahre später war er Formel-1-Weltmeister.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 1999 gründete Hill die Sportwagenfirma P1 International, er bestritt auch ein Rennen in der Grand-Prix-Masters-Serie, aber am meisten ist er heute für seine Tätigkeit als Präsident des britischen Rennfahrerklubs BRDC bekannt. Sein professionelles Leben ist also noch lange nicht vorbei, weshalb er mit einer Autobiografie noch warten will - "außer ich mache es wie Bob Dylan und schreibe mehrere Teile..."

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