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Sportpsychologe: Michael Schumacher ist "süchtig"

16. November 2007 - 12:19 Uhr

Ein Sportpsychologe erklärt, warum sich Michael Schumacher in dieser Woche wieder ins Auto gesetzt hat und wieso er "Comeback-gefährdet" ist

Michael Schumacher
Michael Schumacher: Hat ihn die "Sucht" zurück auf die Rennstrecke getrieben?
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Michael Schumacher hat in der Formel 1 alles erreicht, was man erreichen kann, prägte den Sport mehr als ein Jahrzehnt. Seinen Helm hing der Deutsche Ende der vergangenen Saison an den Nagel, kann sich nun als gesunder zweifacher Vater um seine Familie kümmern und bleibt Ferrari in seiner Rolle als Berater erhalten.

Dennoch klemmte sich der 38-Jährige in dieser Woche zwei Tage lang im Rahmen von Testfahrten auf der Rennstrecke von Barcelona hinter das Lenkrad und fuhr prompt zwei Tagesbestzeiten. Mit der Aussage, wonach die "Fahr-Geilheit gesiegt hat", begründete Schumacher seinen Einsatz unter anderem damit, dass es ihn wieder "gejuckt" habe.

Gerade in Italien tut man sich angesichts dieser Aussagen und seiner guten Rundenzeiten schwer zu glauben, dass Schumacher nicht in die Formel 1 als Stammfahrer zurückkehren möchte. Der Rekord-Sieger betonte mehrfach, dass er seine Entscheidung nicht revidieren wird: "Mein Rücktritt ist unwiderruflich".

Manager Willi Weber ließ immerhin die Hintertür einen Mini-Spalt offen, indem er zwar Gerüchte um eine Verpflichtung durch McLaren-Mercedes als völlig abwegig bezeichnete, jedoch verlauten ließ, dass Schumacher wenn überhaupt für Ferrari wieder auf die Rennstrecke zurückkehren wird.

"Ich würde schon sagen, dass man bei Schumacher von einer Sucht sprechen kann", meint Sportpsychologe Dr. Oliver Kirchhof gegenüber dem 'Express'. Warum sonst sollte Schumacher nicht nur im Formel-1-Boliden Platz nehmen sondern sogar zuletzt erneut auf die MotoGP-Maschine der Ducati steigen und richtig Gas geben?

Der Experte begründet seine Aussage mit zwei Erfahrungswerten. Zum einen würde es Menschen, die jahrelang im Rampenlicht stehen, schwer fallen, auf die öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung zu verzichten: "Scheinwerferlicht macht süchtig. Auch wenn sie es nicht zugeben, die Seele hat sich daran gewöhnt und sehnt sich danach."

Zweitens sei Motorsport "seine Welt", in der er fast sein gesamtes Leben verbracht hat der Kampf gegen die Konkurrenz, die Zusammenarbeit mit den Technikern - dies habe ihm "den Kick gegeben, und das hat eine enorme Anziehungskraft".

Schumacher habe sich beim Test selbst beweisen wollen, dass er es immer noch kann - das gab er am Mittwoch selbst zu -, dies werde bei ihm nach Ansicht des Experten wieder einen Kick auslösen: "Die Motivation steigt mit unserer Selbstwirksamkeitswahrnehmung, wie wir Psychologen sagen."

So ist es für Kirchhof gut vorstellbar, dass Schumacher an eine Rückkehr denkt und diesen womöglich eines Tages auch feiern wird. Sollte er sein eigenes Wort brechen, würde er dadurch ja niemand anderem schaden.

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