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Stichwort Benzin-Temperatur

22. Oktober 2007 - 16:25 Uhr

Lesen Sie Hintergründe zur Beinahe-Disqualifikation von BMW Sauber F1 und Williams beim Brasilien-Grand-Prix wegen zu niedriger Benzin-Temperatur

Tankanlage
Die Tankanlagen in der Formel 1 sorgen immer wieder für Ärger...
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Das in der Formel 1 verwendete Benzin besteht mehrheitlich aus Bestandteilen, die auch in normalen Kraftstoffen für Serienautos enthalten sind. Die genaue chemische Zusammensetzung des Sprits regelt der Artikel 19 des technischen Formel-1-Reglements des Automobilweltverbandes FIA.

Artikel 19.7 besagt, dass vor jedem Rennen zwei separate Fünf-Liter-Proben der FIA zur Analyse und Abnahme vorgelegt werden müssen und kein nicht schriftlich von der FIA zugelassenes Benzin benutzt werden darf.

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Artikel 6.5 des technischen Reglements regelt das Nachtanken in der Boxengasse. Unter Punkt 6.5.5 heißt es dort wörtlich: "Kein Benzin an Bord des Autos darf mehr als zehn Grad Celsius unter der Umgebungstemperatur liegen." Vorrichtungen im Auto, um das Benzin während der Fahrt zu kühlen, sind nach Punkt 6.5.6 verboten.

Gekühltes Benzin bringt einen Vorteil, weil die Dichte zunimmt und damit mehr Kraftstoff in den Tank passt. Bei einer Abweichung von bis zu vier Grad ist laut Aussage eines Experten aber kein signifikanter Leistungsvorteil zu erwarten.

Die Benzinproben des Williams' des viertplatzierten Nico Rosberg und des BMW Sauber F1 des sechstplatzierten Nick Heidfeld waren in Sao Paulo einmal 3 und einmal 2 Grad zu kalt. Bei Heidfelds Teamkollegen Robert Kubica wichen die Proben zweimal um 3 und einmal um 4 Grad ab.

In den 90er Jahren hat es schon zweimal Strafen wegen nicht regelkonformen Benzins gegeben, allerdings jeweils wegen einer Abweichung von der hinterlegten Referenz-Probe und nicht wegen verbotener Kühlung.

Am 26. März 1995 waren ebenfalls in Sao Paulo beim Großen Preis von Brasilien Sieger Michael Schumacher (Benetton) und der Zweite David Coulthard (Williams) aufgefallen. Sie durften ihre Plätze behalten, ihren Teams wurden aber die Punkte für die Konstrukteurs-WM gestrichen. Am 4. September 1997 verlor McLaren-Mercedes-Pilot Mika Häkkinen nachträglich seinen dritten Platz beim Großen Preis von Belgien in Spa.

Um 21:45 Uhr gab die Rennleitung in Sao Paulo bekannt, dass die BMW Sauber F1 und Williams nicht aus der Wertung genommen werden - damit war der WM-Titel für Kimi Räikkönen offiziell.

Zuvor hatten sich McLaren-Mercedes und Lewis Hamilton noch einmal Hoffnung auf den Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft gemacht. Die "Silberpfeile" werden nun am 10. November in Paris vor dem Berufungsgericht der FIA erfahren, ob sie nachträglich doch noch die Fahrer-WM-Krone erhalten - was eher als unwahrscheinlich einzustufen ist.

Das Problem ist die Tatsache, dass nur ungenau gemessen werden kann, weil die Temperaturangaben der Lufttemperatur schwanken. So meldete die Messung der Rennleiter minimal 37 Grad, der Wetterdienst 'Meteo France', der die Teams mit Daten versorgte, minimal 33 Grad.

Laut der FOM-Messung hätte das Benzin also minimal 27 Grad warm sein dürfen, laut Wetterdienst minimal 23 Grad. Zudem wird die Temperatur des Benzins von einem Sensor am Boden der Tankanlage gemessen, nicht im eigentlichen Benzin, das im Tank ist.

Mit dieser Diskrepanz begründete die Rennleitung nach einer dreistündigen Beratung auch den Verzicht einer Bestrafung der Teams: "Es liegen deshalb genügend große Zweifel vor, ob die gemessene Außentemperatur und die Temperatur des Benzins an Bord des Autos in einem logischen Zusammenhang stehen, so dass eine Strafe gerechtfertigt ist."

Willy Rampf, Technischer Direktor des BMW Sauber F1 Teams, erklärt, dass das Benzin in der Tankanlage durchaus unter den erlaubten Wert gekühlt wird, wenn auch nicht viel: "Da sich der Schlauch in der Sonne bis auf 40 Grad erhitzt, fließt das Benzin schon mal wärmer in den Tank des Autos als er aus der Tankanlage kommt. Während der Fahrt kann sich das Benzin bis auf 60 Grad aufheizen", wird der Deutsche von 'auto motor und sport' zitiert.

Nach Angabe des Magazins befindet sich der Sensor "mitten in der Sonne und gibt seit Jahren falsche Zahlen an". Man müsse sich die Frage stellen, warum immer an der Tankanlage und nicht am Einfüllstutzen des Autos gemessen wird, also die Temperatur erfasst wird, die das Benzin tatsächlich hat, wenn es ins Auto fließt. Dort ist es definitiv wärmer als in der Tankanlage.

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