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Lewis Hamilton: Dank Super-Simulator so super?

16. Juni 2007 - 11:19 Uhr

Der McLaren-Mercedes-Simulator ist eines der größten Geheimnisse des Rennstalls und hat Lewis Hamilton virtuell zu einem erfahrenen Piloten gemacht

Lewis Hamilton
Lewis Hamilton wurde perfekt auf sein Formel-1-Debüt vorbereitet - mit Erfolg
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Die Experten in der Formel 1 sind sich einig: Nie kam ein Rennfahrer so gut vorbereitet in die "Königsklasse des Motorsports" wie Lewis Hamilton. Dies mag erstaunlich klingen, denn immerhin waren viele Formel-1-Piloten jahrelang Testfahrer, bevor sie einen Vertrag als Stammfahrer unterzeichneten. Lewis Hamilton kam vor seinem Formel-1-Debüt nur auf 26 Testtage und rund 8.800 Testkilometer.

Doch hinter den Kulissen wurde der 22-Jährige wohl tatsächlich so gut vorbereitet wie kein Rennfahrer vor ihm. Teamchef Ron Dennis ließ ihn das Reglement büffeln, er sollte "jede Schraube und jede Mutter" seines Autos kennen, wie es der Brite ausdrückte. Und der junge Rennfahrer sollte verstehen, was sein Auto in jeder Situation macht.

Moderne Technologie für den perfekten Fahrer

Viel wichtiger war während der Vorbereitung vermutlich der Super-Simulator, der im McLaren Technology Centre in Woking steht. Um diesen Computer ranken sich viele Gerüchte, denn der Rennstall hält sich bedeckt. Viele Jahre Entwicklungsarbeit sind in das System geflossen, da möchte man der Konkurrenz keine Informationen Preis geben.

Seit rund einem Jahr soll der Formel-1-Neuling virtuell auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs sein, die dort bis ins kleinste Detail umgesetzt sind. "Gegenüber dem McLaren-Simulator ist der von Renault eine 'Play Station'", so Ex-Renault-Pilot Fernando Alonso gegenüber der 'Sportbild'.

McLaren-Mercedes hat der Konkurrenz etwas voraus

Der Simulator gilt als das derzeitige Nonplusultra. Mit ihm lässt sich nicht nur virtuell das Setup des Autos verändern - was sich natürlich realistisch auf das Fahrverhalten auswirkt -, sondern es soll sogar möglich sein, verschiedene Teile auszuprobieren. Somit lernte Hamilton nicht nur die Rennstrecken, sondern er konnte auch ganz ohne Risiko mit verschiedenen Setup-Einstellungen experimentieren und sein Auto sogar im Regen testen.

Selbst die Kräfte werden simuliert

Ähnlich jener Systeme, die die NASA für Astronautentrainings einsetzt, soll das System wie ein Fahrwerksprüfstand auf Hydraulikstempeln stehen, die Brems-, Beschleunigungs-, und Fliehkräfte so gut wie möglich simulieren. Der Fahrer sitzt wie in der Realität in einem Monocoque, angeschnallt im Schalensitz und hält das ihm bekannte Lenkrad in den Händen. Das System soll so realistisch sein, dass sich die Piloten wegen der Simulation der auf sie wirkenden Kräfte nicht entspannen können.

Häkkinen lernte seine virtuelle Lektion

Ex-Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen nahm vor seinem kurzen Test-Comeback drei Tage lang im Simulator Platz und krachte dabei in die virtuelle Streckenbegrenzung. Das Lenkrad schlug mit derselben Kraft zurück, wie es dies in der Realität getan hätte. Der Finne fühlte sich wohl nicht in die Realität versetzt, denn er nahm die Hände nicht vom Lenkrad: "Mika hätte sich fast die Hand gebrochen, hatte tagelang Schmerzen", wird ein Insider zitiert.

De la Rosa schwärmt vom McLaren-Simulator

Angeblich 1.000 Stunden hat Lewis Hamilton im Simulator verbracht - kein Wunder also, dass er von Anfang an auf den Rennstrecken unterwegs war, als hätte er jahrelang nichts anderes gemacht: "Er ist sehr nützlich, um als Neuling neue Strecke zu lernen", so Testfahrer Pedro de la Rosa gegenüber dem 'AutoSimSportMagazine'. "Er ist sehr gut, sehr nützlich und ich denke, dass heute viele Teams einen Simulator in der Formel 1 verwenden."

Die Fahrer verwenden den Simulator hauptsächlich, um das Setup des Autos für eine bestimmte Strecke zu verbessern, wie der Spanier erklärt: "Zudem hilft er dem Fahrer dabei, sich die Strecke wieder in Erinnerung zu rufen."

Unecht und doch so echt

Auch Pedro de la Rosa hat sich im Simulator schon oft anschnallen lassen: "Ich würde sagen, dass er der Wirklichkeit sehr nahe kommt, das Gefühl ist jenem sehr ähnlich, das man hat, wenn man in einem Formel-1-Auto sitzt. Aus diesem Grund ist er auch so hilfreich. Wenn er dem wahren Erlebnis nicht so nahe kommen würde, dann würde er vor einem Grand Prix oder einem Test nicht helfen."

Die Angst fährt nicht mit...

Wer im Simulator schnell ist, ist in den Augen des 36-Jährigen aber noch lange nicht auf der Rennstrecke schnell: "Es fällt sehr leicht, am Simulator mutig zu sein, aber es ist völlig anders, wenn du in einem Rennfahrzeug sitzt. Dann musst du alles ohne Furcht machen."

"Man sollte im Simulator schnell sein, aber das heißt nicht, dass jene Leute, die im Simulator schnell sind, auch in einem Rennfahrzeug schnell sind. Das sind komplett unterschiedliche Szenarien. Aber wenn du in einem Simulator nicht schnell bist, dann wirst du mit Sicherheit in einem Rennfahrzeug nicht schnell sein."

Und wer ist der beste "Simulant"?

Und welcher Fahrer ist nun am Simulator der Schnellste - Alonso, Hamilton, Häkkinen, de la Rosa? "Wir sind wirklich gleich gut", meint de la Rosa. "Es hängt einfach davon ab, wer einen besseren Tag hat oder die bessere Runde. Ich denke jedoch, dass wir im Simulator sehr eng beieinander liegen."

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