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Alexander Wurz und das unbequemste "Büro" der Welt

McLaren-Mercedes-Testfahrer Alexander Wurz erklärt, warum sein Arbeitsplatz im MP4-19B nicht gerade komfortabel ist

Alexander Wurz
Aufgrund seiner Größe hat es Wurz unbequemer als viele seiner Kollegen
© West

(Motorsport-Total.com) - Alexander Wurz ist im Fahrerlager der Formel 1 ein bekanntes Gesicht. Als Testfahrer des McLaren-Mercedes-Teams reist der Österreicher von Rennen zu Rennen, denn sollte einer der Stammfahrer ausfallen, müsste Wurz einspringen. Den Großteil seiner Arbeit vollführt der 30-Jährige jedoch abseits der Öffentlichkeit, wenn er auf den verschiedenen Strecken weltweit tausende von Testkilometern für das Team abspult - 7.300 waren dies beim Familienvater in diesem Jahr bereits.

"Mein Auto fühlt sich für mich fast so wie meine Wohnung an, da ich so viele Kilometer bei den Tests abspule", erklärte Wurz. "Wann auch immer ich Zeit hinter dem Lenkrad verbringe, kann ich jede kleine Veränderung spüren und sagen, falls etwas nicht in Ordnung ist. Sogar die kleinste Veränderung am Luftdruck der Reifen, dem Setup, Flügeln oder den Dämpfern hat einen Effekt, den ich im Cockpit spüren kann. Es gibt so viele Dinge, die sich durch das Setup des Autos verändern und ich meine, dass ich das Team mit einem guten technischen Feedback versorgen kann."

Monocoque statt Bürozelle

Nach vier Jahren als Benetton-Pilot und ebenfalls vier Jahren als Testfahrer des McLaren-Mercedes-Teams verfügt Alexander Wurz natürlich über jede Menge Erfahrung, was das Abstimmen eines Autos angeht. Für die Stammfahrer des Teams ist es wichtig, dass sie den Fähigkeiten des Versuchspiloten vertrauen können, denn sie müssen sich darauf verlassen, dass der Testfahrer die richtigen Entscheidungen trifft, wenn es darum geht, ob neue Teile zum Einsatz kommen sollen oder nicht.

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"Das Monocoque, in dem ich sitze, ist das Herz eines modernen Rennfahrzeugs. Es wird aus Kohlefaser hergestellt, einem Material, das vor 15 Jahren eingeführt worden ist", erklärt Wurz seinen Arbeitsplatz. "Es reicht von hinter den Vorderrädern bis hinter den Fahrer. Es ist unglaublich steif und aus diesem Grund sicher. Zusätzlich trägt es alle wichtigen Elemente wie den Tank, der Motor ist direkt daran angebracht."

Dass die Formel-1-Autos heute so aussehen wie sie aussehen, liegt daran, dass sie optimiert worden sind, möglichst hohe Kurvengeschwindigkeiten zu erreichen: "Das Auto wird nach dem Grundsatz eines Flügels konstruiert, wie ein Flugzeug, aber das Auto funktioniert in genau der entgegengesetzten Richtung, sodass das Auto mit einem Maximum an Abtrieb auf den Boden gepresst wird, wohingegen ein Flugzeug Auftrieb erzeugt, sodass es fliegen kann. Wir benötigen diese Haftung, um mit den unglaublichen Geschwindigkeiten um die Kurven fahren zu können, in denen manchmal Fliehkräfte von bis zu 5g erzeugt werden."

"Badewannensitz" statt Bürostuhl

"Wir nehmen eine schreckliche Sitzposition ein, haben dafür aber einen guten Grund: Manchmal erreichen wir Geschwindigkeiten von 360 km/h, dabei sitzen wir lediglich 10 bis 15 Millimeter über dem Boden und ist es wichtig, dass man sicher im Sitz sitzt. In einem Formel-1-Auto sitzt man in einer ziemlich unfreundlichen Umgebung, alles um einen herum ist aus Kohlefaser hergestellt und der Sitz muss sehr leicht und steif sein, es ist aus diesem Grund nicht sehr komfortabel."

"Es wird alles getan, um das Gewicht und die Steifheit zu optimieren, um die schnellste Rundenzeit aus dem Auto herauszuholen. Die Kräfte sind unglaublich hoch, sie betragen zwischen 4,5 und 5 g in jeder Kurve und jedes Mal, wenn man bremst. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man sehr gut im Auto sitzt. Aber am Ende eines Rennens oder eines langen Tests kann man dennoch sehr wund sein, hat Muskelschmerzen und Druckstellen vom Sitz. Er wird nicht hergestellt, damit man am Sonntag eine bequeme Ausfahrt genießen kann, er wird hergestellt, um Rennen zu fahren!"

Jeder Sitz wird speziell an den Fahrer angepasst, dies ist ein Prozess, der zwei bis drei Tage dauert und üblicherweise im Winter durchgeführt wird, wenn für das neue Auto neue Sitze angepasst werden müssen: "Aber, wenn man eine Weile gefahren ist, dann nimmt deine Muskelmasse zu und deine Körperproportionen verändern sich ein wenig", erläutert Wurz, warum es dennoch schnell unbequem werden kann. "Der Sitz ist unglaublich haltbar und steif, dennoch wiegt er nur rund ein halbes Kilogramm."

Keine schöne Aussichten

Während es im Auto selbst also nicht bequem zugeht, kommt für den Piloten die erschwerende Tatsache hinzu, dass sie aus ihren Cockpits kaum etwas erkennen können: "Die Sicht aus einem Formel-1-Auto ist anders als jene aus einem Straßenfahrzeug. Man sitzt niedrig, aber das ist ziemlich gut, wenn man mit 360 km/h die Geraden hinunterbrettert!"

"Die Regularien verlangen, dass wir zwei Seitenspiegel haben, auf jeder Seite einer, und aus Sicherheitsgründen ist es wichtig, dass ich sehen kann, was hinter mir vorgeht, zum Beispiel, wenn ich aus der Boxengasse fahre. Man muss auch nach vorne sehen können und ich habe eine kleine Windschutzscheibe, die die Luft über meinen Helm leitet. Ich kann die vorderen Reifen nicht sehen, lediglich den oberen Teil von ihnen. Ich kann weder die Nase noch den Frontflügel sehen, aber ich kann ausreichend von der Strecke sehen, darauf konzentriere ich mich."

Lenkrad statt Computer und Telefon

Für Wurz ist das Cockpit sein Büro, man könnte sogar sagen, dass seine Lenkrad sein Telefon und Computer ist: "Das Lenkrad verfügt über viele Funktionen, einen Knopf für die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Boxengasse, darunter einen Schalter für die Trinkflasche. Dann gibt es das Kommunikationssystem mit einem blauen Licht, das mir anzeigt, dass ich mich mit der Box unterhalte. Dann gibt es drei Schalter mit zehn Einstellungen jeweils für die Traktionskontrolle, das Motormanagement, mit dem ich Charakteristiken wie das Mapping des Motors verändern kann. Dann gibt es einen Schalter, den ich benötige, wenn ich auf Regenreifen wechsele, da sie einen anderen Durchmesser haben als Trockenreifen und einen Knopf, um das Getriebe auf neutral zu stellen."

Das Lenkrad wird über sechs Kontakte an der Lenksäule befestigt, dennoch muss sichergestellt sein, dass Wurz das Auto jederzeit schnell verlassen kann: "Die Gurte müssen extrem eng angelegt werden und es benötigt zwei Mechaniker, um sie so hart wie möglich festzuziehen. Auf Grund der hohen Fliehkräfte möchte man nicht im Auto herumrutschen. Die Gurte sind aus diesem Grund nicht nur zur Sicherheit da, sie sollen einen auch an Ort und Stelle halten. Um die Gurte zu lösen, drehe ich einfach an einem zentralen Knopf und wenn ich dann das Lenkrad noch entferne, ist das Aussteigen nur eine Frage von Sekunden."

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