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Ullrich: Peugeot hatte 2011 einen Entwicklungs-Vorsprung

Wolfgang Ullrich macht einen Vorsprung von Peugeot für die klare Entscheidung im ILMC verantwortlich und dämpft Erwartungen an einen schnellen Hybrid-Einsatz

(Motorsport-Total.com) - Die Winterpause ist im Motorsport nicht nur eine Zeit der Erholung, sondern auch eine Zeit der Analyse der Leistungen in der zurückliegenden Saison. Für Audi gab es bei den Le-Mans-Prototypen einiges aufzuarbeiten. Zwar war den Ingolstädtern zum Saisonhöhepunkt bei den 24 Stunden ein knapper Sieg gegen Peugeot gelungen, dafür sah man jedoch bei allen anderen Läufen des Intercontinental-Le-Mans-Cup (ILMC) buchstäblich "kein Land" gegen die Franzosen.

Wolfgang Ullrich (Audi Sportchef)

Wolfgang Ullrich und sein Team liefen 2011 einem Rückstand hinterher

"Sie waren in Sebring bereit, wir nicht." Wolfgang Ullrich

Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich hat die Gründe dafür mittlerweile ausgemacht. Zum einen sei die Verzögerung bei der Entwicklung des R18 dafür verantwortlich gewesen. "2011 lagen wir im Zeitplan hinter Peugeot zurück. Sie waren in Sebring bereit, wir nicht", wird Ullrich von 'AUTOhebdo' zitiert. Beim 12-Stunden-Rennen war der neue Prototyp noch nicht einsatzbereit gewesen, stattdessen musste Audi mit dem alten R15 antreten und war gegen die Peugeot 908 des Jahrgangs 2011 chancenlos.

Im weiteren Saisonverlauf habe Peugeot dann wesentlich mehr in die Weiterentwicklung des Fahrzeugs investiert. "Nach Le Mans, und vielleicht sogar schon davor, haben sie daran gearbeitet, ihre Autos für den Rest der Saison vorzubereiten. Das haben wir nicht getan. Audi ist die ganze Saison mit dem gleichen Auto gefahren." Aktuell entwickle Audi den R18 weiter, um auch außerhalb von Le Mans auf Augenhöhe mit der Konkurrenz zu sein, doch auch 2012 kann Ullrich nicht garantieren, dass das überarbeitete Auto bis zu den 12 Stunden von Sebring einsatzfähig sein wird.

Der Österreicher dämpfte, zumindest nach außen, Erwartungen, dass Audi schon in naher Zukunft mit einem Hybrid-LMP antreten könne: "Wir untersuchen die Vor- und Nachteile des Hybrids und werden ihn nur einsetzen, wenn wir davon überzeugt sind, dass dieses System einen wirklichen Fortschritt für den R18 darstellt." Nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' hat Audi zwar bereits einen Hybrid-R18 getestet, Ullrich betonte jedoch, dass ein Einsatz erst dann infrage komme, wenn die Zuverlässigkeit gewährleistet sein.

Schwierigkeiten durch die Doppelbelastung mit Langstrecken-Weltmeisterschaft und DTM in der Saison 2012 erwartet der Sportchef nicht. Ein solches Programm habe Audi in der Vergangenheit bereits erfolgreich bewältigt. "Darüber hinaus beginnen wir in beiden Klassen nicht bei null. In der DTM gibt es zwar ein neues Auto, aber auf der Langstrecke entwickeln wir einen Prototyp weiter, der das größte Rennen der Welt gewonnen hat. Das ist erträglich."

"Drei Klassen in der GT zu haben, ist keine gute Sache." Wolfgang Ullrich

Akuten Handlungsbedarf sieht Ullrich im GT-Sport, wo Audi allerdings nur im Kundensport aktiv ist: "Drei Klassen in der GT zu haben, ist keine gute Sache." Zwar hat sich diese Situation etwas entspannt, nachdem die GT1-Kategorie faktisch ohne Bedeutung ist und die GT1-WM in diesem Jahr mit GT3-Fahrzeugen gefahren wird. Allerdings würde sich Ullrich auch einen Start des R8 LMS in Le Mans wünschen. Die dortige GT-Klasse basiert jedoch auf der GT2-Kategorie. Daher fordert der Audi-Sportchef: "Es sollte einen Ausgleich zwischen ihnen geben, und ich hoffe, dass es letztendlich auf die jetzige GT3-Klasse hinausläuft."