powered by Motorsport.com

Drama-Peugeot disqualifiziert! Was genau schiefgelaufen ist

In der letzten Runde des Rennens verliert Jea-Eric Vergne das beste WEC-Resultat für den Peugeot 9X8 - Offenbar ist der Grund banal, muss aber genau untersucht werden

(Motorsport-Total.com) - Es war schlicht das Benzin: Dass Jean-Eric Vergne im Peugeot #93 (Jensen/Müller/Vergne) in der vorletzten Runde ausrollte, lag offenbar an einem Problem beim letzten Tankstopp. Das sagt zumindest Jean-Marc Finot, Motorsport-Direktor beim Mutterkonzern Stellantis.

Titel-Bild zur News: Der Unglücks-Peugeot von Jean-Eric Vergne, Mikkel Jensen und Nico Müller wurde disqualifiziert

Der Unglücks-Peugeot von Jean-Eric Vergne, Mikkel Jensen und Nico Müller wurde disqualifiziert Zoom

Nach dem Rennen kam es noch dicker als ohnehin schon. Der Peugeot wurde disqualifiziert. Grund: Wegen des fehlenden Benzins konnte "JEV" nicht mehr aus eigener Kraft in den Parc Ferme fahren. Damit gehen auch noch die Punkte für Platz sieben verloren.

Es profitieren der Ferrari #50 (Fuoco/Molina/Nielsen; 7.), der Alpine #35 (Chatin/Habsburg/Milesi; 8.), der Toyota #8 (Buemi/Hartley/Hirakawa; 9.) und der Proton-Porsche #99 (Tincknell/Jani/Andlauer; 10.), die nun alle mehr Punkte mit nach Hause nehmen.

Bemerkenswert ist, dass die Kommissare Peugeot böswillige Absicht unterstellen: "Aufgrund dieses Verstoßes und der Entscheidung des Teilnehmers, sich nicht an diese technische Regel zu halten, in der Hoffnung, klassifiziert zu werden, konnte Fahrzeug 93 die Linie überqueren, bevor es auf der Geraden endgültig zum Stillstand kam und nicht mehr in den Parc Ferme einfahren konnte."

"Ein Teilnehmer kann jedoch keinen Vorteil aus einem von ihm begangenen Verstoß gegen das entsprechende Reglement ziehen. Die Sportkommissare haben daher entschieden, dass die Tatsache, dass Fahrzeug 93 die Linie überquert hat, nicht berücksichtigt werden kann."

"Darüber hinaus war Fahrzeug 93 nicht in der Lage, unter den in Artikel 15.1.1 und 15.1.3 des Sportlichen Reglements der FIA WEC 2024 genannten Bedingungen wieder in den Parc ferme einzufahren. Folglich haben die Stewards aus diesen beiden Gründen zusammen und unabhängig voneinander entschieden, die Disqualifikation von Fahrzeug 93 zu verhängen."

Finot: Das müssen wir verdauen

"Was in der letzten Runde passiert ist, war leider nicht geplant", kommentierte Finot unmittelbar nach dem Rennen noch vor der Disqualifikation. "Das müssen wir jetzt erst einmal verdauen. In Imola sind wir wieder dabei." Natürlich wurden sofort Parallelen zum unglaublichen Le Mans-Drama von Toyota 2016 gezogen. Auch der Franzose zieht diesen Vergleich. Übrigens wurde auch der Toyota damals aus der Wertung ausgeschlossen.

Was war passiert? "Wir müssen das analysieren, aber ich glaube, wir hatten ein Problem mit der Betankung des Autos, als wir den Splash-and-Dash gemacht haben. Wir hatten nicht die erwartete Menge an Kraftstoff."

Vergne kam eine halbe Stunde vor Rennende in der 318. von 335 Runden zum letzten Mal an die Box. Da kein voller Tank mehr benötigt wurde, dauerte der Stopp zwischen den beiden Linien in der Boxengasse nur 59,298 Sekunden. Normal wären 75 Sekunden ohne Reifenwechsel.

Doch der Stopp war für diesen Zeitpunkt bereits ungewöhnlich lang. Die beiden Toyota GR010 Hybrid, die etwa zur gleichen Zeit stoppten, erledigten die Aufgabe in 55,103 und 52,223 Sekunden. Irgendetwas muss beim letzten Stopp gründlich schiefgelaufen sein."

"Wir haben einen Fehler gemacht oder ein Problem gehabt, daher ist das verdient. Nächstes Mal müssen wir es besser machen", fügt er hinzu. Vergne schleppte sich mit Elektroantrieb ins Ziel. "Der Hybridantrieb ist also auch im Motorsport nützlich", scherzt Finot.

"Es ist einfach unglaublich, dass uns in der letzten Runde das Benzin ausgegangen ist", klagt Nico Müller, der den Peugeot #93 in der Anfangsphase heldenhaft in Führung gebracht hatte.

"Das ist sicher auf ein Problem beim letzten Tankstopp zurückzuführen. Wir müssen analysieren, was da passiert ist. Das ist schwer zu verkraften, denn wir hätten es heute wirklich verdient gehabt, Zweiter zu werden. Wir wollten ein gutes Schlussergebnis für den Peugeot 9X8 des Jahrgangs 2023 erzielen."

Auch im Auto #94 (di Resta/Duval/Vandoorne) war der Frust groß. Paul di Resta wurde beim Start vom Cadillac #2 (Bamber/Lynn/Bourdais) umgedreht. Danach fuhr er rundenlang mit einem schleichenden Plattfuß, bis sich das Boxenstoppfenster öffnete. Wieder auf der Strecke, musste nach der Hälfte des Rennens die Batterie gewechselt werden. Danach war das Rennen nur noch ein Test.

Stoffel Vandoorne ist frustriert: "Was für ein Tag! Zuerst der Dreher in der ersten Kurve. Dann kämpfen wir uns zurück in die Top 10, nur um ein paar Runden später ein Problem mit der Batterie zu haben. Danach haben wir unsere Position genutzt, um der #93 zu helfen. Ich bin sehr enttäuscht, vor allem für meine Teamkollegen und alle im Team, die zehn Tage lang so viel Arbeit investiert haben."

Neue Version des 9X8 debütiert in Imola

Der Abschied des alten Autos, das ursprünglich für ein anderes LMH-Reglement gebaut wurde, hätte so schön sein können. Der Bolide ohne Heckflügel hätte sich mit einem großen Erfolg in den Ruhestand verabschieden können. So bleibt nur der Trost, dass sich das Fahrzeug im Rennen hervorragend geschlagen hat - wenn auch ohne Ergebnis.

"Wir sind sehr zufrieden, dass das 2023-Auto schnell und bei der Musik war", sagt Finot. "Mit unserer Einstufung bedeutet das, dass das Design des Autos, das auf dem Reglement für 2021 basiert, in Ordnung ist."

"Ich bin stolz auf das, was das Team geleistet hat. Die Arbeit an diesem Wochenende war in Ordnung. Wir hatten nicht erwartet, dass wir das Rennen in der ersten Stunde anführen und um das Podium oder den Sieg kämpfen würden."

Der Losail International Circuit war nach dem Circuit de la Sarthe vielleicht erst die zweite Strecke, auf der das Konzept des Peugeot 9X8 funktioniert hat. "Hier gibt es viel weniger langsame Kurven, in denen wir mit unseren 31-Zentimeter-Reifen keine Traktion haben - viel weniger als in Fuji oder Bahrain."


Fotos: WEC 2024: 1.812 Kilometer von Katar, Rennen


Der Peugeot 9X8 ist rundum mit 310 Millimeter (14 Zoll) großen Reifen ausgestattet. Alle anderen Hypercars sind längst auf 13,5 Zoll vorne und 15 Zoll hinten umgestiegen oder wurden von vornherein so konzipiert. Dies ist das Ergebnis der erst 2021 festgelegten Konvergenz zwischen LMH- und LMDh-Boliden - da war der 9X8 bereits fertig konstruiert.

Peugeot wird in Imola das Update-Paket mit Heckflügel bringen und dann ebenfalls mit der dann für alle Fahrzeuge einheitlichen Reifenkombination antreten.

"Auch der Asphalt ist hier sehr eben", fährt er fort. "Hier können wir unser Ground-Effect-Konzept voll ausspielen, ohne die Gefahr des Porpoisings." Die Strecke wurde 2023 mit dem aktuellen Formel-1-Asphalt versehen, der ganz spezielle Eigenschaften hat. Er bietet viel Grip, beansprucht die Reifen aber nicht zu sehr.

Anzeige
24h-Rennen Le Mans Fanartikel

"Wie Monza und Le Mans ist es eine Strecke, die sehr gut zum Design für 2023 passt. Ich denke, dass das Auto mit dem Upgrade für 2024 konkurrenzfähig sein wird. Das hängt von der Einstufung ab, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Bis auf die Ergebnisse ist heute alles positiv", schließt Finot ab.