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ServusTV-Experte Stefan Nebel: "Bin sehr dankbar, mit dabei zu sein"

Stefan Nebel wird in der Saison 2019 der Superbike-WM neuer Experte bei ServusTV - Im exklusiven Interview spricht er unter anderem über seine neue Aufgabe

(Motorsport-Total.com) - 2018 waren Stefan Nebel und Ruben Zimmermann gemeinsam Teil des MotoGP-Teams von Eurosport. 2019 wechseln die TV-Rechte der Königsklasse auf zwei Rädern von Eurosport zu ServusTV, doch die beiden bleiben dem Motorradrennsport trotzdem erhalten. Zimmermann weiterhin als Redakteur bei Motorsport-Total.com, Nebel hat bei ServusTV eine neue Rolle als Experte für die Superbike-WM (WSBK) gefunden.

Stefan Nebel

Stefan Nebel wird in der Saison 2019 zum Team von ServusTV stoßen Zoom

Vor dem WSBK-Saisonauftakt in Australien (23./24. Februar) hat sich unser Redakteur mit seinem Ex-Kollegen zusammengesetzt und im exklusiven Interview mit ihm unter anderem über seine neue Aufgabe bei ServusTV, seinen neuen Arbeitgeber und die Superbike-WM generell gesprochen.

Frage: "Stefan, was hast Du eigentlich in den letzten drei Monaten in der Winterpause so getrieben? So wie ich Dich kenne, hast Du bestimmt nicht nur am Kaminfeuer gesessen ..."
Stefan Nebel: "Stimmt, weil ich noch nicht einmal einen Kamin habe! [lacht] Nein, natürlich habe ich in der Vergangenheit gelernt, dass der Rennsport und dieses Fahrerlager doch relativ schnelllebig sind, und dass sich auch viele Dinge miteinander ergeben. Und im Motorsport - oder besonders Motorradsport - ist halt für mich erst einmal alles interessant. Der Vorteil war ja, dass wir relativ früh wussten, dass es mit Eurosport nicht weitergeht. Was auf der einen Seite natürlich ein bisschen deprimierend war, weil man wusste, dass diese Periode ein Ende hat - besonders so schön und locker, wie es im letzten Jahr mit allen Kollegen war. Bei mir ging die 'Saison' dann aber schon am 2. Januar wieder mit einem Pressevent von meinem Partner Nolan in Almeria los. Dadurch gab es eigentlich gar nicht viel Zeit, um sich jetzt hängenzulassen."

Frage: "Und Du bleibst den TV-Zuschauern ja auch 2019 erhalten und wirst neuer Experte für die Superbike-WM bei ServusTV. Wie hat sich diese Zusammenarbeit ergeben? Man ist den Kollegen im Fahrerlager der MotoGP in der Vergangenheit ja immer wieder über den Weg gelaufen. Hat man da schon einmal miteinander gesprochen?"
Nebel: "Es ist genau so, wie Du sagst. Man kennt sich, man sieht sich, und man weiß ja auch, was für Projekte bei anderen Unternehmen laufen. Ich muss ganz klar sagen, dass ServusTV für mich schon immer mit auf dem Zettel war - und natürlich auch interessant, weil dort das Programm anders aufgezogen wird. Man kann sich dort etwas detaillierter um dieses Produkt, MotoGP oder Superbike-WM, kümmern. Eurosport ist im Endeffekt ein großer Sportsender, der nichts anderes macht. Und da war es eben nur eine Sportart [von vielen].

Ich glaube, dass man bei ServusTV sehr detailliert darüber berichten möchte, weil man einfach eine andere Art der Produktion hat. Das hat mich schon immer interessiert. Und natürlich geht es auch darum, Neuerungen zu erfahren und sich selbst weiterzuentwickeln. Es war ja außerdem klar, dass die [MotoGP-]Rechte zu ServusTV gehen. Ich mag die Art von ServusTV, wie sie an die Sache herangehen. Und auf der anderen Seite wollte ich auch gerne mit in diesem Boot [der Motorradberichterstattung] bleiben. Und wenn man dann offen an die Sache herangeht, dann unterhält man sich miteinander. Und wenn man sich unterhält, dann ergeben sich eben Situationen, die man vielleicht gemeinsam bestreiten kann. Am Ende des Tages ist es sowohl für ServusTV als auch für mich eine sehr interessante Variante, weiterhin in Deutschland über den Motorsport berichten zu dürfen. Und daher bin ich sehr dankbar, mit dabei zu sein."


Fotostrecke: Ducatis V2-Superbikes in der WSBK

Frage: "Du hast es ja eben gesagt, die MotoGP-Rechte für Deutschland liegen ab 2019 ebenfalls bei ServusTV. Gibt es da Planungen, Dich auch dort in irgendeiner Form miteinzubeziehen?"
Nebel: "Ich hoffe es! [lacht] Ich hoffe natürlich, dass es irgendwann dazu kommt, dass ich in die Königsklasse zurückkommen darf, indem ich mich eben bei der Superbike-WM bei ServusTV beweise. Es ist ja auch kein Geheimnis, dass ich bei ServusTV übergreifend ein Experte für MotoGP und Superbike-WM bin - also im Großen und Ganzen ein Experte für den gesamten Motorradrennsport. Wenn es also mal zu einer Situation kommen sollte, in der es an der einen oder anderen Ecke hakt, könnte man auch mal in der MotoGP einspringen. Das wäre dann vielleicht die nächste Stufe, um wieder in dieses Fahrerlager zurückzukommen. Das wäre auf der einen Seite ein Wunsch, aber auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich auch die Superbike-WM super interessant finde - gerade im Jahr 2019, weil wir einfach auch einen Markus Reiterberger und einen Sandro Cortese dabei haben. Es ist schön zu sehen, dass die Jungs in der WM sind, und dass ich darüber berichten darf. Die Superbike-WM liefert einen richtig guten Motorsport ab, und auf der anderen Seite wird einfach Sprit verbrannt, und da fühle ich mich sehr, sehr wohl! Und dann ist es mit eigentlich fast egal, ob es die MotoGP oder die Superbike-WM ist."

Frage: "Jetzt hast Du Markus Reiterberger und Sandro Cortese bereits angesprochen. Wird auf den beiden bei ServusTV auch ein bisschen der Fokus bei der Berichterstattung liegen?"
Nebel: "Ich glaube, dass sie den Fokus einfach auf sich lenken müssen. Sie haben natürlich vom Prinzip her einen kleinen 'Vorteil', und das finde ich auch absolut legitim, wenn ein deutschsprachiger Sender über eine solche Serie berichtet. Trotzdem ist es genauso interessant, zum Beispiel einen Tom Sykes auf der BMW als Teamkollege von Markus Reiterberger zu sehen. Und natürlich werden dann darüber auch die Storys gemacht. Und ich glaube, da gibt es in der Superbike-WM genug - wenn man über einen Alvaro Bautista redet, über einen Marco Melandri mit seinem Wechsel von Ducati zu Yamaha, oder über einen Jonathan Rea, der einfach außerordentlich gut fährt. Jeder möchte ihn schlagen. Da gibt es schon viele Geschichten, die sich über das Jahr ergeben werden. Und da wird jetzt keiner einen Vor- oder Nachteil haben. Klar ist aber, dass wir die Deutschen natürlich schon weit vorne sehen wollen. Aber Du kennst das ja auch: Wenn einer auf Platz 15 fährt, dann ist er manchmal nicht ganz so gesprächig wie auf Platz 3. Da sollte man dann die Situation, was die Berichterstattung angeht, vielleicht auch so ein bisschen anpassen. Aber normalerweise ergibt sich das ja von selbst."


Fotos: Wintertest Superbike-WM in Portimao


Frage: "Lass uns mal etwas detaillierter in die sportliche Situation der Superbike-WM einsteigen. Du hast eben Jonathan Rea schon genannt. Glaubst Du, dass es 2019 irgendwie einen Weg an ihm und Kawasaki vorbei gibt?"
Nebel: "Den gibt es immer - und das ist ja der Motorsport. Es gibt natürlich immer Ausnahmetalente. So wie es in der MotoGP ja auch einen Marc Marquez gibt. Trotzdem wissen wir, dass auch die alle nur mit Wasser kochen. Am Ende des Tages sind es manchmal ein, zwei Zehntel pro Runde, die den Unterschied machen. Wenn man sich als Rennfahrer am absoluten Limit bewegt, dann kann es eine ganze Kleinigkeit sein, die einen dazu bringt, noch einmal diese zwei Zehntel mehr herauszuholen. Und wenn irgendeiner diesen Schritt machen kann und ein Jonathan Rea dann auch mal wieder richtig über eine ganze Saison unter Druck kommt, dann kann auch der Fehler machen. Und diese Fehler sind im Motorradsport im schlimmsten Fall auch immer wieder mit Verletzungen verbunden. Und dann geht es auch ganz schnell, dass plötzlich ein Jonathan Rea einen Rückstand hat und vielleicht mit einer anderen Situation als in den letzten Jahren umgehen muss. Und ich glaube, mit der Brisanz, die sich da auch bei Ducati auftut mit einem Chaz Davies, der mit einem Bautista wieder einen Teamkollegen bekommen wird, der ihn sehr herausfordern wird, werden da ziemlich heiße Rennen entstehen. Somit würde ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, was Kawasaki und Rea angeht."

Frage: "Ein anderes Thema ist das neue Format mit drei Rennen pro Wochenende. Findest Du das gut, oder denkst Du, dass es für den Zuschauer vielleicht auch etwas unübersichtlich und zu viel des Guten sein könnte?"
Nebel: "Ich gebe Dir insofern recht: Wenn es drei Rennen über die identische Renndistanz wären, dann wäre es glaube ich 'too much'. Denn dann könnte sich die Situation [im Rennen] immer relativ identisch entwickeln. Weil es aber ein Sprintrennen gibt, sieht man dann natürlich die unterschiedlichen Charaktere der Fahrer und der Technik. Denn in einem Sprintrennen ändert sich das Motorrad ja alleine schon in der Hinsicht komplett, wie man mit dem Reifenmaterial umgehen kann. Ich glaube, dadurch kann eine sehr interessante Form des Rennens entstehen. Zu der Gefahr, dass man [als Zuschauer] irgendwann den Überblick verliert: Da sind wir [als Kommentatoren und Experten] für zuständig. Jeder, der einschaltet, sollte wissen, wo er gerade ist - ob das das Rennen am Samstag ist, das Sprintrennen oder was auch immer. Das muss sauber aufgeschlüsselt werden. Und ich glaube auch, dass der Fan am Ende des Tages relativ schnell durchblicken wird. Für den Quereinsteiger ist es in erster Linie einfach mal ein Rennen - und davon sieht er drei am Wochenende. Und ich glaube nicht, dass das ein Nachteil ist."

Stefan Nebel

Nebel und Zimmermann waren 2018 Teil des Eurosport-MotoGP-Teams Zoom

Frage: "Und wie ist das für die Fahrer? Wie war es bei Dir früher, wenn Du mehrere Rennen an einem Wochenende gefahren bist? Es kann ja zum Beispiel passieren, dass man gleich im ersten Rennen stürzt, und dann hat man direkt mal einen Nachteil ..."
Nebel: "Es muss kein Nachteil sein - und das ist genau die Rennfahrersicht! Klar, Du hast natürlich den Nachteil, dass Du stürzt und keine Punkte holst. Der Vorteil ist aber, dass Du dann noch zwei Chancen hast. Und für mich ist es sehr interessant, die unterschiedlichen Charaktere der Rennfahrer zu sehen, je länger das Wochenende dauert. Viele ändern ihren Charakter von Lauf 1 zu Lauf 2. Bei mir war es immer so, dass Lauf 2 besser war, weil ich das einerseits von der Fitness her sehr gut kompensieren konnte, um 11:00 Uhr ein Rennen zu fahren, und dann um 14:30 Uhr wieder. Da muss man auch die Regeneration seines eigenen Körpers sehr gut kennen und sich dahingehend vorbereiten.

Da liegt dann der Schlüssel: Wer hängt sich mehr rein? Wer hat mehr Erfahrung? Wer hat welchen Fahrstil? Welcher Fahrstil kostet nicht ganz so viel Kraft? Und so weiter. Und diesen Fokus dreimal am Wochenende - neben den ganzen Trainings - darauf zu lenken, ist nicht einfach. Aber da trennt sich dann eben die Spreu vom Weizen. Für mich war es immer schön, zwei Rennen zu haben. Ich habe lieber am Wochenende mehrere Chancen gehabt und bin dann mit dem positiven Gefühl von einen guten Lauf - oder von zwei - nach Hause gefahren. Viel deprimierender ist es zum Beispiel, wenn die MotoGP nach Phillip Island fliegt, und man in der zweiten Kurve stürzt. Dann war es das, und man hätte gar nicht erst hinfliegen brauchen. Denn dann gibt es auch kein zweites Rennen mehr, und man muss mindestens eine Woche warten, bis man die Chance zur Revanche hat."

Frage: "Zum Abschluss noch einmal eine Frage zu Dir. Die Superbike-WM fährt 2019 'nur' an 13 Wochenenden. Jetzt kenne ich Dich ja auch gut genug, um zu wissen, dass Du in der restlichen Zeit nicht auf der faulen Haut liegen wirst. Was ist 2019 bei Dir sonst noch geplant?"
Nebel: "Zum einen gibt es über eine Versicherung, die ab dem 1. April mit einem neuen Produkt auf den Markt kommen möchte, ganz interessante Optionen für mich. Die Art und Weise, wie man mich genau einsetzen wird, werden wir noch sehen. Aber das wird auf jeden Fall ein Drittel meiner Arbeit sein und ein ganz interessanter Job. Und zum anderen schlägt mein Herz natürlich immer etwas höher, wenn ich an der Rennstrecke bin. Und da die Superbike-WM mich in der Hinsicht nicht ganz auslastet, und ich vor allem nicht selber fahre, muss ich irgendwann auch mal aufs Motorrad. Und da sind die Hafeneger Renntrainings wieder ganz oben auf meiner Liste. Da haben wir dieses Jahr 62 Tage auf der Rennstrecke. Aufgrund der Superbike-WM und meinen anderen Jobs kann ich zwar 'nur' 47 Tage dabei sein, aber 47 Tage plus die ganze Reiserei sind glaube ich eine ganze Menge, und dementsprechend freue ich mich da sehr drauf, ordentlich auf dem Motorrad zu sitzen und einigen Interessierten das Motorradfahren von der anderen Seite beizubringen!"

Im zweiten Teil unseres Interviews, das in der kommenden Woche auf 'Motorsport-Total.com' erscheint, blickt Stefan Nebel unter anderem auf die kommende MotoGP-Saison voraus.

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