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Philipp Öttl: WSBK-Mindestgewicht hätte größeren Effekt als das Drehzahl-Limit

Ducati-Pilot Philipp Öttl spricht über die Balance in der Superbike-WM und erklärt, warum ein Mindestgewicht sinnvoller ist als die Limitierung der Drehzahl

(Motorsport-Total.com) - In den zurückliegenden Wochen und Monaten wurde sehr intensiv über die Balance in der Superbike-WM debattiert. Vor einem Jahr war ein kombiniertes Mindestgewicht für Fahrer und Motorrad im Gespräch. Doch diese Idee wurde verworfen.

Titel-Bild zur News: Philipp Öttl

Philipp Öttl sieht bei den Datenaufzeichnungen, welche Vorteile Alvaro Bautista hat Zoom

Aktuell werden die unterschiedlichen Motorräder aller drei Events basierend auf den Ergebnissen der jeweiligen Fahrer angepasst. Zudem gibt es Concessions, die erfolglose Hersteller nutzen können. Doch die kritischen Stimmen mehren sich.

Im Lager von Ducati ärgern sich Alvaro Bautistas Markenkollegen, dass sie auf Grund der Seriensiege des Spaniers eingebremst werden. Seit dem Saisonstart musste Ducati bereits zwei Mal 250 U/min opfern.

Auf den Topspeed wirken sich die 500 U/min weniger kaum aus, doch auf kurvenreichen Strecken wie in Most bekommen die Ducati-Piloten einige Probleme, was die Übersetzung angeht (mehr Informationen).

Warum Philipp Öttl für ein kombiniertes Mindestgewicht ist

Philipp Öttl "leidet" unter Alvaro Bautistas Erfolgen und muss mit den gleichen Einschränkungen fahren wie der Superbike-Champion. Laut Öttl wäre ein kombiniertes Mindestgewicht zielführender gewesen, um eine gute Balance im Feld herzustellen.

Laut Öttl steht außer Frage, dass leichte Fahrer wie Bautista im Vorteil sind. Die Datenaufzeichnungen belegen diese Vermutung. "Na sicher! Die Physik kann man nicht austricksen", kommentiert Öttl im Exklusivgespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Man kann natürlich argumentieren, dass ein leichter Fahrer größere Probleme hat, wenn das Motorrad schwerer ist. Doch bei der Beschleunigung und beim Bremsen hat ein leichter Fahrer große Vorteile. Ich sehe auch kein Problem, den Reifen auf Temperatur zu bringen", erklärt der Deutsche.

Philipp Öttl

Philipp Öttl kann nicht so mühelos überholen wie Alvaro Bautista Zoom

Körperlich am Limit: Philipp Öttl kann nicht weiter abnehmen

Obwohl Öttl im Vergleich nicht groß ist, spürt er die Nachteile im Vergleich zu Bautista. "Ich bin 1,74 Meter groß und wiege zwischen 65 und 66 Kilogramm. Nach dem Rennen komme ich mit Lederkombi meist auf 76 Kilogramm. Das sind mindestens 8 Kilogramm mehr als bei Bautista", bemerkt er.

Öttl könnte noch das eine oder andere Kilogramm verlieren. Doch das hätte mehr Nach- als Vorteile: "Bei gleicher Körpergröße hatte ich bereits 4 Kilogramm weniger, was ausreichend war, um in der Moto3 vorne mitzufahren. Aber mit diesem Motorrad geht das nicht. Ich kann meinen BMI nicht so stark verringern."

"Ich erinnere mich an IDM-Zeiten, als ich 13 Jahre alt war und 18 Kilogramm zuladen musste bei der 125er. Wir wussten nicht einmal, wo wir so viel Zusatzgewicht unterbringen sollen", blickt Öttl zurück.


Fotos: Superbike-WM 2023: Most (Tschechien)


So viel Gewicht müsste Bautista laut Öttl gar nicht zuladen. Die Frage ist, welches Gewicht man als Minimum definiert. "Beim Superbike wäre es nicht richtig, sich am schwersten Fahrer zu orientieren. Richtig wäre, sich am Mittelmaß zu orientieren", nennt Öttl einen Lösungsvorschlag.

Das würde bedeuten, dass besonders schwere Fahrer das Zusatzgewicht aus ihren Motorrädern entfernen können. Doch viel Gewicht wird bei den modernen Superbikes nicht verwendet, um die vorgeschriebenen 168 kg zu erreichen. "Wir haben bei der Ducati etwas Zusatzgewicht an Bord, um die Gewichtsverteilung anzupassen. Das ist aber nicht viel. Wir haben das Gewicht unter dem Heck platziert", verrät Öttl.

Alvaro Bautista

Klein und leicht: Alvaro Bautista nutzt diesen Vorteil perfekt Zoom

WSBK-Balance: RPM-Limit laut Philipp Öttl nicht ideal

Vom aktuellen Format mit der Anpassung der Drehzahl ist Öttl nicht überzeugt: "Ich denke nicht, dass die Drehzahl einen großen Unterschied ausmacht. Es geht darum, wie man den Topspeed erreicht. Es ist ein Witz, wie Bautista in den Rennen an den anderen Fahrern vorbeifährt."

"Es sieht mühelos aus", stellt Öttl fest, wenn er sich Bautistas Manöver anschaut. "Als ich in Australien gegen Rea kämpfte, musste ich mich richtig strecken. Und mein Motorrad ist schnell. Leistungsmäßig sind wir gut dabei. Doch ich habe mich nicht so leicht getan wie der Bautista, der meist sehr früh überholen kann."