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Herausforderung japanischer Rennsport: Kultur und Arbeitsweise anders

Einige europäische Rennfahrer sind schon nach Japan gegangen - Andere Kultur und Arbeitsweise eine Herausforderung - Eindrücke von Loic Duval und Lucas Auer

(Motorsport-Total.com) - Schon viele Rennfahrer aus Europa haben den Schritt nach Japan gewagt und in der dortigen Formelserie ihrer Karriere neuen Schwung verliehen. Heinz-Harald Frentzen, Roland Ratzenberger, Volker Weidler oder Eddie Irvine waren beispielsweise in der japanischen Formel 3000 am Start. Sogar Michael Schumacher absolvierte Ende Juli 1991, also nur ein Monat vor seinem Formel-1-Debüt, einen Gaststart in Sugo. "Schumi" wurde damals hinter Ross Cheever, dem jüngeren Bruder von Eddie Cheever, Zweiter.

Naoki Yamamoto, Nick Cassidy

Die Super Formula (Bild von 2018) ist schon lange eine Anlaufstelle für Europäer Zoom

Erfolgreich war auch Ralf Schumacher, der 1996 die in Formel Nippon umbenannte Serie gewinnen konnte und damit seine Eintrittskarte für die Formel 1 löste. Insgesamt schafften es zwölf Nicht-Japaner, diese Meisterschaft zu gewinnen. Darunter sind Namen wie Pedro de la Rosa, Tom Coronel, Ralph Firman, Benuit Treluyer und Loic Duval. Andre Lotterer fuhr auch einige Jahre in Japan und krönte seine dortige Karriere 2011 mit dem Titelgewinn.

2019 sind sieben Nicht-Japaner in der Super Formula (seit 2013 der Name der Serie) am Start. Darunter ist auch Lucas Auer, der sich in Tokio eine Wohnung gesucht hat. "Ich freue mich auf die Challenge, es ist eine lässige Chance für mich", sagt der Österreicher zu seinem Schritt in ein für ihn komplett neues Land. "Auch abgesehen vom Motorsport lerne ich eine neue Kultur und Arbeitsweise kennen. Ich glaube, das ist für mich als Person goldrichtig."

Es ist eine Challenge, sich auf die Arbeitsweise einzustellen

Die Arbeitsweise und die Mentalität japanischer Firmen unterscheiden sich deutlich von Europa. Dazu kommt die Hürde bei Sprache und Schrift, wobei heutzutage Übersetzungsprogramme auf dem Smartphone die Kommunikation deutlich erleichtern. "Ich war sehr positiv überrascht, wie professionell gearbeitet wird", sagt Auer nach den Vorbereitungstests mit seinem B-Max-Honda-Team. "Die Arbeitsweise ist anders, aber davon kann man viel lernen. Man muss sich darauf einstellen. Das ist die Challenge. Aber wenn man das schafft, kann man große Dinge erreichen."

Lucas Auer

Mit diesem Auto fährt Lucas Auer 2019 in der japanischen Super Formula Zoom

Einer, der diese Herausforderung erfolgreich gemeistert hat, ist Loic Duval. Der Franzose fuhr zwischen 2006 und 2010 sowie von 2012 bis 2014 in Japan. 2009 gewann Duval den Formel-Nippon-Titel und 2010 auch die Super-GT-Meisterschaft. Mittlerweile hat sich der 36-Jährige zu einem Allrounder entwickelt, denn er hat auch schon die 24 Stunden von Le Mans (2013) gewonnen, war in der Formel E aktiv und geht derzeit in der DTM für Audi an den Start.

Ex-Meister Loic Duval schildert die Mentalitätsunterschiede

Im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' erinnert sich Duval an seine Zeit in Japan zurück: "Dort war es nicht einfach, denn da waren viele Japaner, die kein Englisch sprechen. Japan ist eine Insel, die weit von Europa weg ist. Daher spielt Englisch keine so große Rolle. Die US-amerikanische Kultur steht den Japanern näher. Manchmal sprechen die Leute also Englisch, aber es ist eher ein amerikanisches Englisch. Das war aber okay, weil die Japaner eine sehr feine Art im Umgang mit Ausländern haben."

Loic Duval

Der heutige DTM-Fahrer Loic Duval gewann 2009 die Formel Nippon Zoom

"Sie waren wirklich nett zu mir. Obwohl die Kommunikation nicht einfach war, haben sie immer versucht, mein Leben einfacher zu machen und Lösungen zu finden. Es handelt sich um die nettesten Menschen der Welt. Sie haben ihre Freizeit geopfert, um mir zu helfen. Ich kann dir dazu eine kurze Geschichte erzählen: Ein Freund von mir wollte nach dem Rennen zurück zum Flughafen, um nach Europa heimzufliegen. Da aber das Navi japanisch war, hat er sich verirrt."

"Er hat dann eine Frau gefragt, wie man zum Flughafen findet. Er war ungefähr 25 Kilometer entfernt. Sie hat es ihm versucht zu erklären, aber sie haben einander nicht verstanden. Sie ist dann nach Hause gegangen, hat ihr Auto geholt und ihn zum Flughafen gebracht. Sie fuhr also für jemanden, den sie gar nicht kannte, 50 Kilometer, nur um ihm zu helfen. So etwas erlebt man in Europa nicht. Sie haben eine ganz andere Mentalität. Abgesehen vom tollen Rennsport kann ich es also wirklich empfehlen, in Japan zu fahren, denn die Menschen sind unglaublich hilfsbereit."

Auer: "Noch nie so viele Autogramme geschrieben"

Außerdem ist die Begeisterung der Japaner für den Motorsport riesengroß. Das ist auch Neuling Auer aufgefallen: "Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Autogrammkarten unterschrieben wie in Japan - und das an einem Testtag!" Nun steht für ihn an diesem Wochenende in Suzuka das erste Rennen auf dem Programm. "Die Super Formula ist mit diesem Auto ein Härtetest. Wenn man sich dort durchsetzt und konkurrenzfähig ist, dann hat man gute Karten. Motorsport findet weltweit statt und es ist natürlich auch gut, wenn man sich in Asien und Japan durchsetzt."

Fans in Suzuka

In Japan ist die Begeisterung für den Motorsport riesengroß Zoom

Und hat sich Auer von anderen Europäern, die den Schritt nach Japan gemacht haben, Ratschläge geholt? "Ich habe mit jedem Kontakt gehabt", lacht der Österreicher. "Zuletzt habe ich mit Lotterer Kaffee getrunken und habe versucht ihn auszupressen. Es sind alle offen, denn wenn man dort drüben ist, sitzt man in einem Boot. Als Rennfahrer ist klar, dass man jeden Millimeter ausnutzen will." Und abseits der Rennstrecke wird Auer auch viel kennenlernen und erleben: "Ich kann mich als Mensch weiterentwickeln. Damit meine ich eine andere Arbeitsweise und ich muss mich fernab von Europa durchschlagen."

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