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  • 08.02.2022 · 11:43

  • von Roland Hildebrandt

Opel Tigra A (1994-2001): Klassiker der Zukunft?

Die 1990er-Jahre waren das Jahrzehnt der Autos im rundlichen Biodesign und kleiner Spaßmodelle: Der erste Opel Tigra mischte beides perfekt

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die schon deutlich über 20 Jahre, teilweise aber auch viel weniger auf dem Buckel haben.

Opel Tigra A (1994-2001)

Opel Tigra A (1994-2001) Zoom

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.

Erinnern Sie sich noch an die 1990er-Jahre? Das Lebensgefühl damals war "Alles ist möglich" und auch bei den Autoherstellern explodierte das Modellprogramm durch die Besetzung immer neuer Nischen. VW packte plötzlich einen Sechszylinder in den Golf, Mercedes brachte A-Klasse und Smart Fortwo, viele Hersteller entdeckten nach dem Erfolg des Mazda MX-5 kleine Roadster für sich. Neben BMW Z3 und Fiat Barchetta wurde aber noch eine weitere Lücke gefüllt: die der kleinen Sportcoupés.

Das perfekte Auto für die 1990er-Jahre

Kaum ein anderes Modell schreit so laut und deutlich "90er!" wie der Opel Tigra A. 1993 stand er erstmals als Studie auf der IAA in Frankfurt. Daneben auch ein leider nie verwirklichter Roadster (erst der Tigra B kam offen, dann aber mit Metallklappdach) und ein Offroader-Pick-up namens Scamp.


Fotostrecke: Opel Tigra A (1994-2001): Klassiker der Zukunft?

1994 begann die Produktion des Tigra A in Saragossa parallel zum ein Jahr zuvor erschienenen Corsa B. Vom diesem stammte die technische Basis des mit 3,92 Meter rund 20 Zentimeter längeren Tigra. In etwa gleich war der Radstand von 2,43 Meter. Dennoch war der sehr rundlich gestaltete Tigra mit seiner Glas-Heckklappe nach Art des Porsche 924/944 deutlich enger geschnitten. Das Design stammte wie beim Corsa B von Hideo Kojima.

Je nach persönlichem Geschmack wirkt die Optik knubbelig/pfiffig/puppig. Im Gegensatz zum später erschienenen Ford Puma war der Opel Tigra tendenziell eher ein Frauenauto, gerne dekoriert mit Tribal-Arschgeweih-Stickern. Vielleicht war es kein Zufall, dass Ford mit Steve McQueen warb, Opel hingegen mit Franziska van Almsick, die 1995 in einem berühmten Werbespot im Tigra abtauchte (siehe Video).

Auch Vaukhall, Chevrolet und Holen hatten den Tigra

Wenden wir wir uns den Fakten zu: Global wurde der Tigra auch als Vauxhall, Chevrolet und Holden verkauft. Ein Export in die USA als Pontiac war angedacht, doch dort winkte man ab: zu klein. In der Tat bemängelten die Tester hierzulande nicht nur die miese Übersichtlichkeit. Gelenkig müsse man für den Einstieg sein, monierte der ADAC und befand die 225 Liter Kofferraumvolumen als zu wenig.

Cockpit des Opel Tigra A

Cockpit des Opel Tigra A Zoom

So interessant der Tigra mit seinen integrierten Stoßfängern von außen aussah, so fad gab er sich innen. Das Cockpit stammte vom Corsa und half dabei, den Preis im Rahmen zu halten: Knapp 26.000 DM waren es 1995. Angesichts der großen Glasflächen war die optionale Klimaanlage fast zwingend.

Und dann am besten noch für 4.000 Mark mehr den stärkeren 1,6-Liter-Benziner mit 106 PS, der den Tigra in 9,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigte und für 203 km/h gut war. Bis August 1998 gab es diesen "Big Block", ABS und Nebelscheinwerfer inklusive.

Über die gesamte Lebensspanne des Tigra A war der 1,4-Liter-Benziner mit 90 PS im Angebot, ihn gab es auf Wunsch auch mit Viergang-Automatik. Handgerührt schaffte er es in 11,5 Sekunden auf 100 und bis 190 km/h. Nicht schlecht, schließlich wog der Tigra nur zwischen 980 und 1.075 Kilogramm.

Deutlich rasanter dürfte der einzigartige Tigra V6 von 1995 gewesen sein: Opel versenkte dort den 3.0 V6 mit 210 PS aus dem Omega als Mittelmotor, dazu Hinterradantrieb. Immerhin 25 Exemplare soll es vom Irmscher Fun geben, einem Pick-up-Umbau des Tigra.

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Apropos Stückzahlen: Zwischen 1994 und Mitte 2001 liefen exakt 256.392 Tigra A vom Band, knapp 60.000 davon wurden in Deutschland verkauft. Das sorgt bis heute für einen recht großen Bestand und Gebrauchtpreise, die im niedrigen dreistelligen Bereich beginnen. Doch wie bei allen Opel-Modellen aus der damaligen Zeit ist Vorsicht angesagt: Rost als Hauptfeind, dazu schlichte Kunststoffe, eine mittelmäßige Verarbeitung und Probleme mit der Elektronik muss man auf dem Schirm haben.

Keine Frage, der Tigra A benötigt wahre Liebhaber, die Gefallen an der zeitgeistigen Form finden und sich am besten gleich noch einen zweiten Wagen billig als Schlachtfahrzeug besorgen. Bei den technischen Komponenten sorgt die enge Verwandtschaft zum Corsa B für günstigen Nachschub. Apropos: Wie wäre es mit einem günstigen Zeitgeist-Doppel? Tigra A mit Tribal-Stickern plus Corsa B Joy mit türkisen Schaltern ...

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