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  • 24.09.2021 · 11:23

  • von Roland Hildebrandt

Ford Ka (1996-2008): Klassiker der Zukunft?

Man sieht es ihm nicht unbedingt an, aber der Ford Ka wird auch schon 25 Jahre alt - Hat er das Zeug zum Oldtimer? Wir blicken in die Modellhistorie

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die schon deutlich über 20 Jahre, teilweise aber auch viel weniger auf dem Buckel haben.

Ford Ka (1996-2008) Zoom

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.

Ford hatte immer schon ein Händchen für radikale Designwechsel: 1960 der Taunus 17M alias "Badewanne", 1982 der Sierra. Und schließlich 1996 ein kleines Auto, das kaum jemand zur Zeit als Klassiker auf dem Schirm hat. Ken Wunder, schließlich ist seine Optik immer noch modern, aber auch polarisierend: Die Rede ist von der ersten Generation des Ford Ka, die satte 12 Jahre gebaut wurde.

Ford Ka (1996-2008)

Ford Ka (1996-2008) Zoom

Gegen Ende des Jahres 1996 dreht Ford am großen Rad und steckt einen neuen Claim ab: "Sub-B", landläufig später "Kleinstwagen" genannt. Ford ist der erste deutsche Automobilhersteller, der so ein Fahrzeug im Angebot hat, erst später kommen der VW Lupo und der Opel Agila auf den Markt: Der 3,62 Meter kurze Ka der ersten Generation ist stets ein Dreitürer und verdankt seine Existenz dem Größenwachstum des Fiesta. Der war bei seiner Premiere 20 Jahre zuvor sogar nur 3,56 Meter lang, 1996 aber schon 3,82 Meter, um 2001 auf 3,92 Meter zuzulegen.

Das wusste man natürlich im Ford-Entwicklungszentrum schon und schuf einen kleinen Bruder des 96er-Fiesta, der dessen Technik nutzte. Zugleich war der Ka (dessen Name ägyptische Wurzeln hat) das erste Fahrzeug des Konzerns im neuen New-Edge-Design, mit dem der Focus später populär wurde.

Den Auftritt der ersten Ka-Generation prägt eine markante Kombination aus rundlich geschwungenen Flächen, Kanten und Winkeln. Besonders auffällig sind die wuchtigen Stoßfänger aus unlackiertem Kunststoff bei den meisten Versionen. Der mit 2,45 Meter ungewöhnlich lange Radstand unterstreicht nicht nur die dynamische Optik, sondern trägt auch entscheidend zum großzügigen Platzangebot bei.

Ford Ka (1996-2008)

Ford Ka (1996-2008) Zoom

Die Ausstattung stimmt ebenfalls: Bereits die Einstiegsversion bietet Seriendetails wie neigungsverstellbare Sitze, eine geteilt umlegbare Rücksitzlehne, ein Stereo-Radio Kassettengerät, getönte Scheiben, eine elektronische Wegfahrsperre und in der 60-PS-Version auch eine Servolenkung. Ein Beifahrer-Airbag ist auf Wunsch erhältlich, ein Vierkanal-ABS-Bremssystem folgt im Frühjahr 1997.

Die Antriebs-Auswahl beschränkt sich zum Marktstart auf zwei 1,3-Liter-Benziner. Die Basis-Ausführung mobilisiert 37 kW (50 PS), die stärkere Version 44 kW (60 PS). Beide Triebwerke liefern mit 97 und 105 Nm das höchste Drehmoment ihrer Leistungsklasse. Zur Rakete wird der Ka dadurch nicht: So beschleunigt die 50 PS-Version in 17,7 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 147 km/h; in der stärkeren Ausführung sind es 15,4 Sekunden und 155 km/h.

Nach dem damaligen europäischen Messzyklus "EEC 116" verbraucht der Basismotor 5,9 Liter, die stärkere Ausführung 6,7 Liter unverbleites Superbenzin pro 100 Kilometer. Dank Drei-Wege-Katalysator erfüllt der Ka außerdem die Vorgaben der ab 1. Januar 1997 geltenden europäischen Abgasnorm Euro 2.


Fotostrecke: Ford Ka (1996-2008)

In Sachen Verkauf läuft es von Beginn an gut für den Ka. Mit über 9.400 Zulassungen in den Monaten November und Dezember 1996 belegt er noch im Jahr seines Marktdebüts gleich die Spitze des deutschen Sub-B-Segments - in der Gesamt-Statistik für Pkw-Neuzulassungen in Deutschland erreicht er damit Platz 16.

Für die Kollegen der "auto motor sport" ist das New Edge-Design vor 25 Jahren eine "Mischung aus geraden Linien und schwungvollen Kurven", die eine Aufmerksamkeit erziele, "die in der Vergangenheit nur wenigen Neuerscheinungen zuteil wurde." Eine Fahrt durch die Stadt gleiche "einem Gang über den Laufsteg."

Nutzwert und Funktionalität kämen deswegen aber nicht zu kurz. Im Laderaum ließen sich "zwei Wasserkisten trotzdem locker verstauen", das Platzangebot sei "ausreichend", die Kopffreiheit sogar "erstaunlich großzügig". Kurven durcheile der Ka "mit nahezu neutralem Fahrverhalten" und bereite dabei "mehr Vergnügen als manch sportlich ambitioniertes Auto".

Ford Ka (1996-2008)

Ford Ka (1996-2008) Zoom

Mit diversen Sondermodellen führt der Ka im ersten vollen Verkaufsjahr 1997 seine Offensive auf die Herzen der Käufer fort. Nach den Bestsellern "First Edition", "Ka Kool" und "Ka1" wird er in der limitierten "Edition Lufthansa" gar zum Nobel-Mini: mit hellgrauen, gelb eingefassten Ledersitzen im Design der Airline, mit Leder-Elementen in den Türen, einem Lederlenkrad und einem lederbezogenen Schaltknauf. Sechs-Speichen-Leichtmetallräder und ein spezieller Schriftzug runden das Business-Class-Feeling ab. Der Preis: 23.500 D-Mark.

Rechtzeitig zum Frühjahrsbeginn im Jahr 2000 kokettiert der, so Ford, "lebenslustige Kleinwagen" auf Kundenwunsch mit einem elektrisch betätigten Faltdach. Um den Fahrer nicht vom Verkehrsgeschehen abzulenken, lasst sich das Dach dank einer One-Touch-Funktion per Tastendruck öffnen.

2002 wird dem Ford Ka ein kleiner Roadster namens Streetka zur Seite gestellt. Gebaut bei Pininfarina laufen dort zwischen 2003 und 2005 gut 37.000 Fahrzeuge vom Band. Unter der Haube steckt stets ein 95-PS-Benziner.

Ford Streetka (2003-2005)

Ford Streetka (2003-2005) Zoom

Knapp sechs Jahre nach dem Markt-Debüt läuft im Juni 2002 im spanischen Werk Valencia das ein-millionste Exemplar des normalen Ka vom Band. Rund 65 Prozent der Ka-Käufer sind Neukunden bei Ford - eine Quote, die bis dato kein anderes Modell der Marke erreicht hat.

Einen weiteren Spezial-Ka für Auto-Enthusiasten und Fahrspaß-Junkies offeriert Ford im August 2003 mit dem Sportka, dessen technisches Genom weitgehend identisch ist mit dem des Streetka. Für flottes Vorankommen sorgt also auch hier der 70 kW (95 PS) starke 1,6-Liter-Duratec-Benziner, kombiniert mit einem knackig kurz übersetzten Fünfganggetriebe und einer sportlichen Fahrwerksabstimmung. Optisch unterscheidet sich der Sportka durch die Frontpartie des Streetka von seinen zivilen Brüdern. Prominentes Werbegesicht wird der Fußballer Wayne Rooney.

Ein appetitliches Angebot, nicht nur für Mensa-Pilger und BAföG-Empfänger, bringt Ford im Januar 2005 auf den Tisch: Für eine unverbindliche Preisempfehlung von nur 7.990 Euro ziert der Ka Student die Preisliste des Herstellers. Trotzdem bietet der Sparfuchs kein automobiles Studentenfutter, sondern technische Vollwertkost und eine komplette Sicherheitsausstattung einschließlich ABS sowie Front- und Seiten-Airbags.

Individuelle Wunschausstattungen wie Audiosysteme, Ganzjahresreifen, ein elektrisches Faltdach oder Metallic-Lackierungen können, budgetgerecht, extra geordert werden. Im Februar 2005 präsentiert sich der Ford Ka auf dem Amsterdamer Autosalon mit verfeinerten Design-Details. Im Außenbereich zählen dazu neue Stoßfänger; der Innenraum verfügt über einen neu gestalteten Armaturenträger, ein größeres Handschuhfach, aufgefrischte Farben und Polstermaterialien sowie zusätzliche Komfortfunktionen.

Weitere Klassiker der Zukunft:

Ford Scorpio (1985-1998): Klassiker der Zukunft?
Audi A3 (1996-2003): Klassiker der Zukunft?

Neue Wunschausstattungen sorgen außerdem dafür, dass Ka-Eigner ihren Liebling noch stärker individualisieren können. Neue 14-Zoll-Leichtmetallräder im schicken Sechs-Speichen-Design oder dunkle Tönungen für Heckscheibe und hintere Ausstellfenster beispielsweise bringen ein Plus an Personalität. Der Sportka ist nun sogar mit einem Doppelzierstreifen erhältlich, der sich von der Motorhaube über das Dach bis zum Heck zieht.

Im August 2008 endet schließlich die Produktion der ersten Ka-Generation, rund 1,5 Millionen Exemplare des kleinen Ford wurden gebaut. Heute sind diese Modelle inklusive Sportka und Streetka sehr günstig zu haben. Doch der Rost nagt gerne an den Autos, hinzu kommt meist mangelnde Pflege vor allem bei den Brot-und-Butter-Ka, die oft mit knappem Budget am Leben erhalten wurden.

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