• 27.12.2023 11:06

  • von Filippo Einaudi

Alfa Romeo Tipo 1035: Der V10-Motor, der nie ein Rennen fuhr

Das für die Formel 1 konzipierte Aggregat mit bis zu 620 PS landete nur im 164 ProCar und dann auch in einem Gruppe-C-Sportwagen ...

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Im Laufe der Unternehmensgeschichte hat Alfa Romeo eine Fülle von Autos und Motoren geschaffen, die legendär sind oder dazu bestimmt sind, es zu werden. Einige von ihnen hatten aber leider nie die Chance, sich sinngemäß zu entfalten. Und genau vor diesem Hintergrund war 1987 ein besonderes Jahr: Damals wurden ein hervorragender V10-Motor und nicht weniger als zwei Rennwagen geboren, die aber nie auf die Rennstrecke kamen.

Titel-Bild zur News:

Der V10-Motor von Alfa Romeo Zoom

Zu dieser Zeit war der Hersteller gleichermaßen an der Formel 1, an Prototypen und an Langstreckenrennen interessiert und entwickelte einen V10-Motor, der in allen drei Disziplinen hätte eingesetzt werden können.

Der Ursprung des V10

Das Projekt für den Motor Tipo 1035 - ein Akronym für Motorgröße und Hubraum - erblickte 1987 das Licht der Welt mit dem Ziel, Alfa Romeo wieder als Motorenlieferant in die F1-Weltmeisterschaft zu bringen. Die Entscheidung, einen V10-Motor zu entwickeln, war nicht an ein Reglement gebunden, sondern wurde vom Chefkonstrukteur D'Agostino gegenüber den Alternativen mit 8 oder 12 Zylindern bevorzugt.

Mitte 1986 beschloss die FIA nämlich die endgültige Abschaffung der Turbomotoren, die nach einer Reihe von Unfällen (u. a. dem, bei dem der Fahrer Elio De Angelis ums Leben kam) als unsicher eingestuft wurden und ab der folgenden Saison schrittweise durch neue 3,5-Liter-Saugmotoren ersetzt wurden.

Der neue Motor wies dabei interessante Merkmale auf: ein 72° Winkel zwischen den Zylinderbänken, getrennte Kurbelgehäuse, Kurbelgehäuseträger aus Nikasil-behandeltem Aluminium, gegossene Kolben mit eingebauten Öldüsen, Vierventiltechnik (aber auch eine Fünfventiltechnik wurde untersucht), die von zwei Nockenwellen mit Phasenschiebern gesteuert wurde.

Die Leistung betrug in der Basisversion über 580 PS, wurde aber auf 620 PS bei 13.300 U/min gesteigert, das Drehmoment lag bei über 380 Nm bei 9.500 U/min.

Von der Formel 1 zum ProCar

Es war beabsichtigt, die Vereinbarung mit dem Ligier-Rennstall fortzusetzen, aber dies wurde durch die gleichzeitige Übernahme von Alfa Romeo durch die Fiat-Gruppe unterbrochen. Der Motor, der später auf dem Turiner Automobilsalon Ende 1988 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, wurde daraufhin für ein anderes in der Entwicklung befindliches Projekt "abgezweigt", nämlich für einen Wagen auf der Basis des 164, der in der entstehenden ProCar-Meisterschaft eingesetzt werden sollte.

Die Entwicklung dieses Fahrzeugs wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1988 auf einem von Brabham (Alfa Romeos F1-Partner in den 70er-Jahren) gefertigten Rohrrahmen fortgesetzt, aber als das 164 ProCar schließlich sein Debüt gab, kündigte der Verband die Streichung der Serie aufgrund der geringen Anzahl von Nennungen der Hersteller an. Infolgedessen landete auch dieses Auto im Museum, ohne dass seine Räder schmutzig wurden.

Vom ProCar zur Gruppe C

Wiederum Ende der 1980er-Jahre, als sowohl die Rückkehr in die Formel 1 als auch die ProCar-Serie in Vergessenheit geraten waren, startete Alfa Romeo das Projekt eines Gruppe-C-Wagens für die Sportprototyp-Weltmeisterschaft, die in jenen Jahren dank Fahrzeugen wie dem Porsche 956 und 962 und dem Lancia LC2 sehr populär war. Auch dieser ist zum Teil die Tochter des 164 und verwendet eine Stoßstangenaufhängung und viel Carbon - auch für die Bremsen.


Fotostrecke: Der V10-Motor von Alfa Romeo

Der Wagen sollte ab 1991 eingesetzt werden, um das neue Reglement Sport 3.5 zu nutzen, das neue Regeln für die höchste Langstreckenkategorie und eben 3,5-Liter-Saugmotoren ähnlich denen der Formel 1 anstelle der Ende der 80er-Jahre in Mode gekommenen Turbomotoren vorsah.

Ein neuer Kurswechsel, der von der Leitung des Fiat-Konzerns vorgegeben wurde, zwang das Team jedoch dazu, den V10-Motor von Alfa durch einen von Ferrari abgeleiteten V12-Motor zu ersetzen (seit Mitte der 1960er-Jahre ebenfalls ein Teil von Fiat). Bei der Entwicklung traten jedoch verschiedene Schwierigkeiten auf, sodass das Projekt Ende 1990 aufgegeben wurde.

Weitere Motoren für die Rennstrecke:

Mercedes-Benz M106: Der erste V6-Motor des Sterns war für die DTM
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