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  • 05.07.2022 13:04

  • von Fabio Gemelli, Übersetzung: Roland Hildebrandt

60 Jahre Alfa Romeo Giulia: Ikone des Italo-Polizeifilms

Die erste Alfa Romeo Giulia wird 60 Jahre alt - Wir zeigen die Filmkarriere eines Autos, das eine Ikone der italienischen "Poliziottesco"-Fime ist

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Die erste Generation der Alfa Romeo Giulia wird 60 Jahre alt: Am 27. Juni 1962 wurde die Limousine vorgestellt. Knapp 600.000 Exemplare liefen vom Band und eigentlich wurde zur Giulia in den letzten Jahrzehnten schon alles gesagt.

Titel-Bild zur News: 60 Jahre Alfa Romeo Giulia

60 Jahre Alfa Romeo Giulia Zoom

Wir wollen stattdessen einen eher unbekannten Aspekt in Erinnerung rufen und kurz einige Filme vorstellen, in denen die viertürige Giulia-Limousine mit der internen Bezeichnung Tipo 105, die zwischen 1962 und 1977 produziert wurde, die Hauptrolle spielte.

Die Giulia wurde zu einer Konstante in den italienischen Filmen der 1960er- und 1970er-Jahre, insbesondere in den "Poliziottesco"-Filmen oder im italienischen Krimi-Genre, bis hin zu einer Ikone. Jene recht harten und gewalttätigen Polizeifilme liefen mit reißerischen Titeln wie "Gewalt rast durch die Stadt" auch in deutschen Bahnhofskinos.

Die Devise lautete meist: Ein Polizist räumt in einer abgewirtschafteten italienischen Großstadt per Selbstjustiz alleine mit der Kriminalität auf. Das traf durchaus einen Nerv der Zeit, da Italien in den 1970ern zwischen Links- und Rechtsterrorismus plus Mafia aufgerieben wurde.

Die Giulia zwischen Raubüberfällen und Verfolgungsjagden

In chronologischer Reihenfolge finden wir einen Alfa Romeo Giulia TI, der 1963 in dem Film "Super rapina a Milano" mit Adriano Celentano in der Hauptrolle debütierte. Für die Giulia war es eine der ersten wichtigen Rollen als Fluchtauto der Gangster, eine Rolle, die sie 1966 in "Caccia alla volpe" wieder einnahm. Kein Wunder, galten die 92 PS der TI damals als überaus spritzig.

Mehrere Giulia Super und Giulia TI traten dann in zahlreichen Filmen mit Franco Franchi und Ciccio Ingrassia auf, großen Schauspielern und talentierten Komödianten, die einen guten Teil ihrer Leinwandkarriere mit der Alfa Romeo Giulia verbrachten.

Zu den ersten Rollen der Giulia in Uniform gehörte 1967 der Film "Banditi a Milano" mit Tomas Milian und Gian Maria Volonté in den Hauptrollen. Hier trägt die Arese-Limousine die Farben, Sirenen und Blinklichter der schnellen "Pantera"-Einsatzwagen der Polizia, damals in Grün mit weißer Schrift.

Königin des Poliziottesco

Mehrere Giulia im Dienst der Polizia waren dann in anderen berühmten Titeln wie "The Italian Job" (1969) und in den frühen Filmen von Dario Argento zu sehen, bis sie die Stars in einigen Poliziotteschi wie "La polizia ringrazia" (1972), "La polizia è al servizio del cittadino?" und "La polizia incrimina, la legge assolve", beide von 1973, und "Milano odia: la polizia non può sparare" (1974) wurden.


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Maurizio Merli, Franco Nero, Luc Merenda, Enrico Maria Salerno und Henry Silva sind die Schauspieler, die diese Saison der italienischen "Genrefilme" mit Giulia im Vordergrund prägten, die in den letzten Jahren von Kritikern und einem großen Publikum, darunter auch Regisseur Quentin Tarantino, neu bewertet wurden.

Es ist vor allem Maurizio Merli mit seiner Figur des Polizeikommissars Betti, der mit der Filmtrilogie "Roma Violenta", "Napoli Violenta" und "Italia a mano armata" den Mythos des Polizeiautos Giulia unsterblich machte. Merli selbst sollte später als Kommissar Tanzi in "Roma a mano armata" und "Il cynico, l'infame, il violento" auftreten.

Tomas Milian: Polizist und Gangster, aber immer mit Giulia

In vielen dieser Filme teilt sich Merli die Leinwand mit Tomas Milian, einem weiteren großen Begleiter der Giulia im Kino. In den wechselnden Rollen des Verbrechers oder des Inspektors liefert sich Milian oft atemberaubende Verfolgungsjagden, bei denen die Alfa Romeo Giulia als Streifenwagen andere Giulias oder BMWs, Mercedes und ausländische Autos von unterschiedlicher Sportlichkeit herausfordert.

So tragen die Figur des Nico Giraldi und die des "Er Monnezza" dazu bei, das Genre unsterblich zu machen, auch in einer komischen Tonart, wobei die Giulia immer im Vordergrund steht.

Erwähnenswert ist auch "Piedone lo sbirro", ein Film aus dem Jahr 1973 mit Bud Spencer in der Hauptrolle, in dem die Giulia 1300 TI der absolute Star in den zahlreichen Verfolgungsszenen ist. In "Sie nannten ihn Plattfuß", so der deutsche Titel, prügelt sich Bud Spencer als Kommissar Rizzo durch Neapel.

Die Polizia-Giulia wurde ab 1976 blau mit zweifarbiger Seitenbeschriftung, und die Filme zeugen von diesem Wechsel der Lackierung, angefangen mit "Quelli della calibro 38" von 1976, aber auch "Il trucido e lo sbirro" und "Liberi, armati e pericolosi".

Carabinieri-Gazellen im Film

Ebenfalls Mitte der 1970er Jahre begann die Alfa Romeo Giulia auch als sogenannte "Gazellen" bei den Carabinieri, ab 1971 in blauer Farbe mit weißem Schriftzug. Die Giulia des "Nucleo Operativo e Radiomobile" der Carabinieri wurden in den frühen 1980er-Jahren immer häufiger in Spielfilmen eingesetzt, wobei sie oft eher in italienischen Komödien als in dem inzwischen schwindenden Polizeithriller eine Rolle spielten.

Beispiele sind die Giulia dei Carabinieri, die in den Filmkomödien "I Carabbinieri", "L'allenatore nel pallone" und der Fernsehserie "Quei trentasei gradini" auftritt.

Nostalgisches 2000er-Revival

Um Giulia als Protagonistin im Kino oder im Fernsehen wiederzufinden, muss man die Wiederbelebungswelle der 2000er Jahre abwarten, die mit "La meglio gioventù" begann und sich mit dem Film und der Serie "Romanzo Criminale" von 2006 fortsetzte, um bei "La mafia uccide solo d'estate" (2013) und einigen flüchtigen Auftritten in der TV-Serie "Bang Bang Baby" von 2022 anzukommen.

Wirklich einzigartig ist dann der Fall von"Noi e la Giulia", einem Film von Edoardo Leo aus dem Jahr 2015, in dem eine Alfa Romeo Giulia 1300 eine aktive Rolle in der Handlung spielt und gleichzeitig der "Motor" der Handlung ist. Das vergrabene Auto macht sich durch das Autoradio bemerkbar, das sich zufällig von selbst einschaltet und zu einer Art Legende wird.

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Platz für die neue Giulia

Natürlich ist inzwischen die aktuelle Giulia fester Bestandteil bei Polizia und Carabinieri in Italien. Es handelt sich im Fall der Carabinieri um Modelle mit 200 PS starkem Turbobenziner und 8-Gang-Automatikgetriebe. Die ersten Autos einer Flotte von insgesamt 1.770 Fahrzeugen wurden 2021 feierlich übergeben.

Für 2023 erwarten wir das finale Facelift für die Giulia, deren momentane Modellgeneration (952) auch schon seit 2016 auf dem Markt ist. Besonders extrem war die längst ausverkaufte Giulia GTAm. Mit 540 PS und Leichtbau auf Gangster-Jagd? Maurizio Merli, der mit nur 49 Jahren an einem Herzinfarkt starb, hätte das bestimmt gefallen.

(Fotos: Piotr Degler via RM Auctions, RM Sotheby's, Warner Bros.)

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