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Exklusiv: Was "Mad Max" Papis im Jahr 2010 plant

Max Papis geht 2010 in seine zweite Sprint-Cup-Saison. Was der einzige europäische NASCAR-Vertreter alles vorhat, verriet er 'Motorsport-Total.com'

(Motorsport-Total.com) - Max Papis ist auch in der Sprint-Cup-Saison 2010 der einzige europäische NASCAR-Vertreter. Der 39-Jährige, der im italienischen Como geboren wurde, lebt seit vielen Jahren in den USA. 1995 fuhr er sieben Formel-1-Rennen für Arrows, ging dann in die ChampCar-Serie und trat auch zweimal beim legendären Indy 500 an.

Max Papis, Las Vegas, Las Vegas Motor Speedway

Max Papis ist seit 2009 der einzige euopäische NASCAR-Vertreter

Seinen heute noch gültigen Spitznamen "Mad Max" eroberte er sich beim 24 Stundenrennen von Daytona, als er in einem stark ondulierten Ferrari superschnelle Rundenzeiten en masse in den Asphalt brannte, und den Langstreckenklassiker von Südflorida - trotz Rundenrückstand - um ein Haar noch gewann.#w1#

Seit einigen Jahren arbeitet der Schwiegersohn des zweifachen Ex-Formel-1-Weltmeisters Emerson Fittipaldi fieberhaft an seiner NASCAR-Karriere. In der Saison 2009 glückte ihm in einem Toyota Camry von Germain Racing der endgültige Sprung in den Sprint-Cup. Für Papis ging damit ein lange gehegter Traum in Erfüllung, denn als Wahl-Amerikaner weiß er natürlich bestens, was es bedeutet, ein Teil des US-Motorsportgiganten zu sein.

Was der sympathische Italiener mit der Startnummer 13 aus dem Vorjahr in die neue Saison mitnehmen kann, was sich 2010 bei ihm alles tun wird, und was er von Jimmie Johnson und Danica Patrick hält, verriet "Mad Max" in einem großen Exklusivinterview mit 'Motorsport-Total.com'.

Bilanz 2009 recht ordentlich

Max Papis

15mal beförderte Max Papis seinen Toyota Camry in den Sprint-Cup Zoom

Frage: "Max, du bist 2009 deine erste Sprint-Cup-Saison gefahren. Du hast 21 Anläufe gemacht, dich für ein Rennen zu qualifizieren. 15mal hast du die Qualifikation geschafft, sechsmal hat es nicht geklappt. Das ist eine Erfolgsquote von etwa 70 Prozent. Bist du mit dieser Zahl glücklich?"
Max Papis: "Klar wäre ich zufriedener, wenn ich alle Rennen geschafft hätte. Aber für ein Team, das sich ja in seiner ersten Saison befand und diese auch nur teilweise bestritten hat, war das schon in Ordnung. Denn NASCAR ist für mich in meiner bisherigen Karriere bisher die größte Herausforderung. Dies aus den verschiedensten Gründen. Wenn man sich zum Vergleich etwa die Statistiken anderer Leute ansieht, was diese in ihrer ersten NASCAR-Saison erreicht haben, wie zum Beispiel Sam Hornish, dann befinden wir uns durchaus auf diesem Level."

"Was mich besonders freut: Zwei oder dreimal waren wir auch im Rennen wirklich konkurrenzfähig und wir waren dann in der Lage, auch davon profitieren zu können. Wir sind in Talladega in die Top 20 gefahren und wir wären beim zweiten Mal wohl in die Top 10 gefahren. Dieses Top-10-Resultat haben wir dann auf einem der Rundkurse geholt. Ich würde 2009 also als eine Saison der Ups and Downs bezeichnen. Aber das war auch das, was ich im Vorfeld erwartet hatte."

Frage: "Als kleines Einwagen-Team in der modernen NASCAR macht es den Eindruck, als würdet ihr wie David gegen Goliath kämpfen. Ist es für dich so, als würdest du in einem Minardi gegen die Ferraris der Formel-1-Welt fahren?"
Papis: "Wir sind definitiv ein kleines Team. Aber es ist nicht so, als würde man in einem Minardi in der Formel 1 antreten. Denn du hast manches Mal wirklich die Hoffnung, dass du ein Rennen in den Top 10 oder gar in den Top 5 beenden kannst. Es gibt in der NASCAR diese Chancen, diese Gelegenheiten, in denen du richtig gut aussehen kannst."

Viel Hilfe von Michael Waltrip Racing

Juan Pablo Montoya, Max Papis

Auf den Rundstrecken tummelte sich Papis 2009 weit vorne - hier gegen Montoya Zoom

"Wir treten gegen Powerhouses vom Schlage eines Rick Hendrick oder Roush Fenway an, die viele Jahre Erfahrung haben und für die Hunderte von Menschen arbeiten. Wir sind ein kleiner Haufen, der extrem hart arbeitet. Aber ohne die Unterstützung von Michael Waltrip Racing hätten wir nicht diesen Erfolg gehabt. Zum Beispiel Cal Wells, der General Manager von MWR oder mein Crewchief Bootie Barker."

"Das soll aber nicht nach einer Entschuldigung klingen. Natürlich wäre es klasse, wenn man die Gelegenheit hätte, für eines dieser Top-Teams zu fahren, doch gleichzeitig ist dies auch eine perfekte Art und Weise, in der NASCAR zu beginnen, zu lernen und zusammen mit meinem Jungs zu wachsen."

Frage: "Stammen all eure Chassis aus dem Hause Michael Waltrip Racing?"
Papis: "Ja. Es ist eine Mischung aus Chassis des Jahrgangs 2008 und 2009. Unser Motorenstand war die gesamte Saison nicht der aktuelle Toyota-Stand. Schon alleine deswegen finde ich, dass unser gesamtes Team einen tollen Job gemacht hat. Wir kaufen Autos, Technologie und Manpower von MWR. Ohne sie wäre es für uns sehr schwer, überhaupt etwas erreichen zu können."

Frage: "Gibt es mit MWR und deren Piloten auch eine Art Datenaustausch?"
Papis: "Es gibt bei den StockCars in dem Sinne natürlich keine Daten, die man teilen kann. Aber wenn wir testen gehen, dann gehen wir meistens zusammen mit allen drei MWR-Piloten zum Test. Wir sind also ein Satellitenteam von MWR. Wir sind nicht Mitglied ihrer Organisation, aber wir bekommen von ihnen viel Unterstützung. Aber wir machen auch einiges selber. Wir sind also nicht alleine. Es ist nicht so, dass es Germain Racing und Max Papis ganz alleine versuchen müssen, ihr Glück in der NASCAR zu finden."

Der Druck am Freitag

Max Papis

Der extreme Qualifikationsdruck führt mitunter zu mittelschweren Schrammen Zoom

Frage: "2009 bist du keine komplette Saison gefahren. Du musstest dich also an jedem Freitag für das Rennen qualifizieren. Das muss ein unglaublicher Druck sein. Kannst du ein wenig darüber erzählen, wie schwierig es ist, wenn man sich außerhalb der Top 35 befindet?"
Papis: "Das ist nicht schwierig, das ist extrem schwierig. Die Leute machen sich gar keine Vorstellung, wie schwer es ist, zu einem Sprint-Cup-Rennen zu kommen, und nicht in den Top 35 zu stehen. Wir fahren an einem Freitag nicht um 43 Startplätze, wir kämpfen um acht Startplätze. Schon alleine das ist für alle Teams, die keinen sicheren Startplatz haben, ein Riesennachteil."

"Die Top-35-Teams können sich schon am Freitag ausführlich mit ihrem Rennsetup beschäftigen. Unser einziges Ziel an einem Freitag ist eine einzige Runde. Wir gehen mit dem Auto im Qualifyingtrimm auf die Strecke, das sich von Renntrimm stark unterscheidet. Dann habe ich im Prinzip fünf Runden zur Verfügung, um die Strecke zu lernen. Einen Run mit zwei oder drei Runden, einen Run mit zwei Runden. Danach gibt es für mich nur noch Runs über jeweils zwei Runden. Dann ist schon die Qualifikation."

"Unser einziges Ziel am Freitag ist es also, in die Show zu kommen. Wir haben ganz wenige Runden zur Verfügung und müssen daher alles Menschenmögliche optimieren und natürlich viel improvisieren. Doch selbst wenn wir das geschafft haben, dann haben wir am Freitag alle neuen Reifen aufgebraucht, die wir dann am Samstag in den beiden Trainingseinheiten benötigen. Das bedeutet, dass du beim Arbeiten für das Rennsetup auf alten Reifen fährst."

"Du bist damit automatisch zwischen fünf und sieben Zehntelsekunden langsamer und du stehst damit in der Zeitentabelle weit unten. Und du weißt gar nicht genau, wo du wirklich stehst. Denn die anderen haben ja noch neue Reifen zur Verfügung und haben auch schon am Freitag am Rennsetup gebastelt. Du weißt also erst beim Rennstart, wo du wirklich stehst."

"Das ist also alles extrem schwierig. Dazu kommt natürlich der Druck an jedem Freitag. So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. Bei einer Rundenzeit von 20 oder 30 Sekunden stehen mir vielleicht zwei oder drei Minuten zur Verfügung, um die Strecke zu lernen. Danach geht es nur noch um diese eine Qualifikationsrunde, auf der du Leistung bringen musst. Dazu haben sich die Streckenbedingungen und das Griplevel geändert."

"Das ist alles so unterschiedlich im Vergleich zu dem, was ich früher gemacht habe. Egal ob Formel 1, IndyCars oder sonst etwas. Hier bleibt dir überhaupt keine Zeit zur Vorbereitung. Du gehst auf die Strecke, fährst durch Turn 3 und 4 so schnell es geht, und wenn es nicht gereicht hat, packst du dein Zeug zusammen und fährst nach Hause."

Über 2010 und die Sponsorenfront

Max Papis

Perfektes Marketing: Max Papis will europäische Sponsoren anlocken Zoom

Frage: "Wie sieht es mit deinen Plänen für das Jahr 2010? Wie viele Rennen fährst du und ist da das Daytona 500 dabei?"
Papis: "Ja. In diesem Jahr fahren wir das Daytona 500, worauf ich mich schon sehr freue. Insgesamt wollen wir 20 Sprint-Cup-Rennen und acht Truck-Rennen fahren. Hoffentlich werden es sogar ein wenig mehr, aber das hängt von den Rahmenbedingungen ab. Unser Plan ist es, dass wir zu Saisonbeginn als Start-and-Park-Team auftreten."

"Wir fahren also zu den Rennen, die eigentlich nicht auf unserem Fahrplan stehen, trotzdem hin und versuchen uns zu qualifizieren. Aber weil wir nicht genügend Budget haben, können wir nicht die gesamte Renndistanz bestreiten. Doch zumindest für ein paar Runden reicht das Preisgeld und ich bekomme auf diese Art und Weise die Streckenzeit, die ich brauche."

"Denn als ich meinen Sprint-Cup-Vertrag unterschrieb, gab es noch die alten Testregeln der NASCAR. Damals standen jedem Team noch 15 freie Testtage zur Verfügung. Aber dann haben sie in letzter Minute die Regeln geändert und ich hatte keine Chance mehr, das Auto zu testen. Deswegen betrachten wir diese Start-and-Park-Rennen als Test. Einfach um die Strecken besser kennen zu lernen und uns besser darauf vorbereiten zu können. Ich bin also wahrscheinlich an jedem Wochenende auf der Strecke, einige Rennen werde ich durchfahren können, einige nicht."

Frage: "In der Ownerwertung stehst du auf Platz 43. Im Falle eines verregneten Qualifyings wärst du also automatisch in der Show..."
Papis: "...und das ist ganz genau einer der Gründe, warum wir das machen. Wenn so etwas beispielsweise in Daytona passiert, dann fahren wir nicht nach Hause, sondern wir stehen im Rennen."

Frage: "Hältst du es denn für realistisch, in der Saison 2010 irgendwann einmal in den Top 35 zu stehen?"
Papis: "Das glaube ich nicht, denn wir können nicht die volle Saison bestreiten. Ich werde die ersten vier oder fünf Saisonrennen fahren. Natürlich gibt es deswegen eine ganz kleine Hoffnung. Sollte so etwas wirklich eintreten, dann müssen wir für die Zukunft sicher die eine oder andere Sache unternehmen."

Frage: "Vor allem in Sachen neue Sponsoren?"
Papis: "Genau. Mein Ziel ist es, die Türe zur NASCAR auch für europäische Firmen aufzumachen. Ich möchte, dass die Leute immer mehr erfahren, welch gute Möglichkeiten für Sponsoren die NASCAR bietet. Welch gute Chancen zur Präsentation sich dort bieten, die man nicht so einfach kaufen kann."

Über Jimmie Johnson und Danica Patrick

Jimmie Johnson, Max Papis

Max Papis und NASCAR-Dominator Jimmie Johnson kennen sich sehr gut Zoom

Frage: "Früher bist du viele Jahre lang Testfahrer im Team von Rick Hendrick gewesen. Damals hast du auch mit Jimmie Johnson zusammen gearbeitet, der in der aktuellen NASCAR der Mann ist, den es zu schlagen gilt. Was macht ihn und sein Team so gut?"
Papis: "Ich weiß genau, auf was du anspielst. Ich war Jimmies Testfahrer und kenne ihn schon sehr lange. Ich kenne ihn schon seit 1995, als er noch Off-Road-Pilot war, also lange vor seiner Zeit bei Rick Hendrick. Ich kann nur sagen, dass Hendrick Motorsports in der NASCAR das ist, was Ferrari oder McLaren in der Formel 1 darstellen. Vor allem aufgrund der außerordentlichen Qualität ihrer Mitarbeiter."

"Jimmies Talent ist unglaublich. Er ist einer der Piloten, die nur alle zehn Jahre geboren werden. Und jeder Mitarbeiter in dieser Organisation verfügt über enorme technische und praktische Kenntnisse. Dazu arbeiten sie schon sehr lange zusammen. Sie wissen genau, wie sie ein Auto auf die Strecke bringen müssen. Und wenn das Setup einmal nicht ganz ideal ist, dann brauchen sie nicht viel Zeit, um es zu perfektionieren."

"Für mich ist ihr großer Vorteil das Selbstvertrauen, das sie auch ineinander haben. Also was Jimmie, Chad Knaus und dessen Mannschaft betrifft. Während viele andere Teams immer wieder personelle Änderungen unternehmen, sind Jimmie und Chad schon sieben oder acht Jahre zusammen. Aber es ist nicht nur alleine Chad. Da gibt es im Hintergrund noch eine Menge anderer Leute, die mindestens genauso wichtig sind."

Frage: "Max, meine letzte Frage: Die große Story der Winterpause war natürlich Danica Patrick. Du bist früher alles gefahren, auch Formel 1, ChampCars und IndyCars. Nun steht ihr der Übergang in die NASCAR bevor. Hast du mit ihr gesprochen und was würdest du ihr raten?"
Papis: "Ich habe nicht mit ihr gesprochen, insofern verfolge ich dies von einer Position außerhalb. Ich wünsche mir für den Sport, dass sie es schafft. Eine Pilotin mit ihrer so großen Anzahl Fans wäre toll für den Sport. Sie geht es ganz sicher richtig an, denn sie fährt für JR Motorsports, ein Top-Team. JR Motorsports betreibt das ehemalige Busch-Team von Rick Hendrick. Die meisten Leute, die bei JR Motorsports arbeiten, haben früher für Hendrick gearbeitet."

"Die große Frage ist aber, ob es richtig ist, die ganze Sache als Teilzeitjob aufzufassen. Und das denke ich nicht. NASCAR ist ein Lebensstil. Um hier vorne mitfahren zu können, musst du es leben und atmen. Deswegen wäre mein Rat an Danica: Wenn du es wirklich machen möchtest, dann musst du dich ganz darauf einlassen."

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