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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Joan Mir

Zu viele Stürze und Ausfälle sowie keine Podestplätze - Joan Mir ist seine berühmte Konstanz abhanden gekommen - Seine Saison gleicht einer Achterbahnfahrt

Joan Mir

In diesem Jahr hat Joan Mir noch keinen einzigen Podestplatz erobert Zoom

Liebe MotoGP-Fans,

mit drei unterhaltsamen Rennen hat sich die Motorrad-WM in Großbritannien aus der Sommerpause zurückgemeldet. Allerdings setzte sich ein negativer Trend fort. Mit 41.000 Zuschauern waren die Tribünen rund um Silverstone recht spärlich besetzt.

In der bisherigen Saison waren Le Mans, der Sachsenring und Assen top besucht. Aber bei vielen anderen Rennen gingen die Zuschauerzahlen zurück. Das wird sicherlich vielfältige Gründe haben. Dass es nur an der Abwesenheit von Valentino Rossi und Marc Marquez liegt, glaube ich nicht.

Vor wenigen Wochen war die Formel 1 in Silverstone ausverkauft. Klar, dort haben die Briten Superstar Lewis Hamilton und Youngster George Russell. Die Tickets für die Formel 1 sind teurer als für MotoGP, aber trotzdem strömen dort die Fans in Scharen hin.

Vielleicht können es sich viele Fans und Familien finanziell nicht leisten, zwei Rennwochenenden relativ kurz hintereinander zu besuchen. Außerdem gab es jüngst mit der Frauen Fußballeuropameisterschaft ein weiteres Großereignis in Großbritannien.

MotoGP-Fans in Silverstone

Auch in Silverstone ging die Zuschauerzahl zurück Zoom

Ich könnte mir auch vorstellen, dass viele nach den zahlreichen Events einfach Urlaub machen. Die aufgeblähten Kalender in vielen Sportarten und eine gewisse Übersättigung könnten auch eine Rolle spielen. Wobei die Formel 1 derzeit boomt und ein Zuschauerwachstum erlebt.

Ob sich die MotoGP im Bereich Promotion etwas von der Formel 1 abschauen sollte? Schwierig zu sagen. Aber der Zuschauerrückgang ist nach zwei Pandemiejahren ein Aspekt, den wir in den kommenden Monaten weiterhin im Auge behalten müssen.

Joan Mir hat viel zu viele Ausfälle und Stürze

Aber kommen wir zum Hauptthema unserer Kolumne, nämlich wer nach dem Rennen im übertragenen Sinn schlecht geschlafen hat. Das ist nach Silverstone Joan Mir. Sein Wechsel ins Honda-Werksteam ist immer noch nicht offiziell. Er selbst darf darüber nicht sprechen.

Und sportlich läuft es für Mir speziell seit Beginn der Europasaison wie eine Achterbahnfahrt. Suzuki hat bei der GSX-RR für diese Saison etwas mehr Leistung gefunden und das Ride-Height-System optimiert. Aber dafür musste die komplette Abstimmung geändert werden.

Mir hielt jüngst selbst fest, dass er nicht damit gerechnet hätte, dass man dafür ein halbes Jahr braucht. Aber auch seine Fehleranfälligkeit ist gestiegen. Konstanz war eine seiner großen Stärken. Auch wenn er nicht ständig um den Sieg gekämpft hat, so war er immer in den Top 4 oder Top 6.

Konstanz hat Mir 2020 den Weltmeistertitel gebracht. Im Vorjahr konnte er zwar den Titel nicht verteidigen. Auch weil Suzuki die Entwicklung etwas verschlafen hatte. Trotzdem würde ich 2021 als sehr gute Saison von Mir bezeichnen. Denn er hat immer das Optimum herausgeholt.

Außerdem gab es nur zwei Ausfälle. Das sieht in diesem Jahr ganz anders aus. Der Sturz in Silverstone war bereits Mirs fünftes DNF. Und diese fünf Ausfälle passierten in den vergangenen acht Rennen! Das unterstreicht deutlich, dass dem Spanier seine Konstanz abhanden gekommen ist.

Joan Mir

Joan Mir ist schon öfter gestürzt als im gesamten Vorjahr Zoom

Weitere Zahlen untermauern das zusätzlich. Im gesamten Vorjahr wurden bei Mir acht Stürze gezählt. Jetzt hält er schon bei zehn Stürzen, aber es sind noch acht Rennen zu fahren. Gut möglich, dass er mehr Stürze als in seiner Rookie-Saison haben wird. 2019 waren es zwölf.

Klar, seit Suzuki den MotoGP-Rückzug mit Jahresende verkündet hat, ist irgendwie der Faden gerissen. Nach den Überseerennen zählten sie noch zu möglichen WM-Kandidaten, aber seither gilt es, die Saison bestmöglich zu Ende zu fahren.

Für Suzuki würde ich mich freuen, wenn Mir oder Alex Rins noch das eine oder andere Rennen gewinnen würden. Gegen Ducati, Aprilia und Fabio Quartararo wird es aber immer schwieriger, je länger das Jahr dauert.

Für Mir wäre es auch wichtig, dass er zurück zu seiner Konstanz findet und noch das eine oder andere Topergebnis holt. Denn im nächsten Jahr steht er vor einer sehr großen Herausforderung. Und dafür sollte er in Höchstform sein.

Ihr,


Gerald Dirnbeck

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