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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Die Rennkommissare

Inkonstante und oft nicht nachvollziehbare Entscheidungen - Das Augenmaß der Rennkommissare rund um Ex-Weltmeister Freddie Spencer ist zu hinterfragen

Freddie Spencer

Ex-Weltmeister Freddie Spencer (re.) sitzt in der Rennkommission Zoom

Liebe MotoGP-Fans,

mit drei tollen Rennen vor über 100.000 Fans im legendären Assen hat sich die Motorrad-WM in die verdiente Sommerpause verabschiedet. Das große Gesprächsthema war die Kollision zwischen Fabio Quartararo und Aleix Espargaro - dem WM-Führenden und WM-Zweiten.

Der Überholversuch von Quartararo hat nicht geklappt. Er ist dabei gestürzt und hat auch noch Espargaro ins Kiesbett befördert und den Aprilia-Fahrer dabei um jegliche Siegchance gebracht. Nach dem Rennen entschuldigte sich Quartararo und die Sache war ausgeräumt.

Meiner Ansicht nach war das ein normaler Rennunfall. Es war erstens keine Absicht dabei und zweitens passierte das in einer langsamen Kurve. Wenn so etwas im schnellen letzten Abschnitt der Strecke passiert wäre, dann wären die Konsequenzen anders gewesen.

Die Rennkommissare rund um Freddie Spencer, Andres Somolinos und Raffaele de Fabritiis werteten das anders. Sie sprachen eine Strafe gegen Quartararo aus. Beim nächsten Rennen in Silverstone muss er eine Long-Lap-Strafe absolvieren.

Die Begründung der Rennkommissare lautet, dass Quartararo "zu ambitioniert" agiert hat und das Rennen von Espargaro "stark beeinflusst" hat. Diese Einschätzung kann man auch gelten lassen. Wie gesagt, meiner Meinung nach war es ein normaler Rennunfall.

Startunfall in Barcelona: Keine Strafe

Aber wenn die Rennkommissare für diese Situation eine Strafe aussprechen, warum haben sie es dann nicht für den Startunfall in Barcelona getan? Dort hat Takaaki Nakagami zwei Fahrern das Rennen zerstört. Alex Rins hat sich noch dazu einen Handwurzelknochen gebrochen.

In Barcelona hat Nakagami zwar spät gebremst. Gestürzt ist er in den Luftverwirbelungen hinter der Ducati von Francesco Bagnaia. Ich habe schon damals gesagt, dass das meiner Ansicht nach auch ein Rennzwischenfall war, wie er in der Startphase passieren kann.

Aber wenn die Rennkommissare Nakagami keine Strafe geben und jetzt Quartararo schon - mit welchem Augenmaß wird hier gemessen? Entweder beide bekommen eine Strafe oder beide bekommen keine Strafe. So wie entschieden wurde, ist das nicht nachvollziehbar.

Und das ist seit Wochen der Kritikpunkt im Fahrerlager. Die Offiziellen treffen Entscheidungen, die inkonstant und oft nicht nachvollziehbar sind. Deswegen haben sie heute nach der ersten Saisonhälfte im übertragenen Sinne schlecht geschlafen.

Startunfall am Sachsenring: Strafe

Also halten wir fest. Nakagami hat als Auslöser für den Startunfall in Barcelona keine Strafe erhalten. Dann hat Carlos Tatay im Moto3-Rennen auf dem Sachsenring einen Startunfall ausgelöst. Der PrüstelGP-Fahrer hat vor der ersten Kurve wirklich viel zu spät gebremst.

Er ist Riccardo Rossi ins Heck gefahren und bei der Kettenreaktion ist auch John McPhee gestürzt. Dafür erhielt Tatay zwei Long-Lap-Strafen für Assen. Also das bestrafen die Rennkommissare, aber die Nakagami-Situation wurde nicht bestraft?

Blicken wir noch einmal nach Assen. Im Moto3-Rennen ist David Munoz ziemlich aggressiv gefahren. Schließlich knallte der Rookie in die Seite von Jaume Masia und beide stürzten. Adrian Fernandez ist in der letzten Runde gestürzt. Dabei hat er auch Joel Kelso zu Fall gebracht.

Kelso hat sich dabei den rechten Knöchel gebrochen. Munoz und Fernandez haben dafür eine Long-Lap-Strafe für das nächste Rennen erhalten. Mit dieser Strafe bin ich einverstanden, weil das wirklich wilde und aggressive Manöver waren.

Aber schlussendlich haben Munoz, Fernandez und Quartararo die gleiche Strafe erhalten. Wie gesagt, meiner Ansicht nach war der Fehler von Quartararo ein normaler Rennunfall. Aber selbst wenn es eine Strafe gibt, sollte sie nicht auf einer Stufe mit den anderen beiden Situationen sein.

Halten wir außerdem fest, dass Francesco Bagnaia für den Sturz in Katar mit Jorge Martin keine Strafe bekommen hat. Jack Miller hat in Portimao Joan Mir abgeräumt und ging auch straffrei aus. Nakagami hat für den Sturz mit Alex Rins in Mugello auch keine Strafe erhalten.

Sturz bei gelber Flagge: "Nur" Long-Lap-Strafe

Seit einiger Zeit greift die Rennleitung auch "hart" durch, wenn gelbe Flaggen geschwenkt werden. Im Training werden Rundenzeiten sofort gestrichen. Gar nicht gerne gesehen wird, wenn ein Fahrer bei geschwenkten gelben Flaggen stürzt.

Denn das kann die Sportwarte und Hilfskräfte in Gefahr bringen, wenn sie dem zuerst gestürzten Fahrer helfen. Das hat man in Assen gesehen. Daniel Holgado ist im Training bei gelber Flagge gestürzt. Er und sein Motorrad haben die Hilfskräfte im Kiesbett nur knapp verfehlt.

Da das ein gefährliches Thema ist, muss hier meiner Meinung nach wirklich hart durchgegriffen werden. Und was gibt es da für eine Strafe? Eine Long-Lap-Penalty! Ich möchte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber das Augenmaß der Rennkommissare ist doch etwas seltsam.

Daniel Holgado

Daniel Holgado ist in Assen im Training bei gelber Flagge gestürzt Zoom

Wenn jemand so wie Holgado bei gelber Flagge stürzt und Hilfskräfte in Gefahr bringt, dann gehört er gesperrt. Zumindest beim nächsten Rennen am Freitag. Und am Trainingstag muss er selbst als Sportwart arbeiten, damit er sieht, was das für ein Job ist, den so viele ehrenamtlich machen.

Dann wird er sich zweimal überlegen, ob er in Zukunft noch einmal bei gelber Flagge nicht vom Gas geht. Aber eine Long-Lap-Strafe ist in so einem Fall ein Witz. Und dass Quartararo für eine relativ harmlose Rennsituation die gleiche Strafe erhält, ebenso.

Dass mit Freddie Spencer ein dreimaliger Weltmeister in der Rennkommission sitzt, ist natürlich zu begrüßen. Aber vielleicht bräuchte es einen jüngeren Ex-Rennfahrer, der die aktuellen Rennsituationen besser einschätzen kann.

Ihr,


Gerald Dirnbeck

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