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Tech-3-Boss auf Fahrersuche: Wäre Michele Pirro eine Option?

Herve Poncharal hat sich noch nicht auf einen Ersatz für Jonas Folger festgelegt - Der Tech-3-Teamchef will Yamaha und Sponsoren "spannende Alternative" bieten

(Motorsport-Total.com) - Noch ist ein dauerhafter Ersatz für Jonas Folger bei Tech-3-Yamaha nicht gefunden. Beim MotoGP-Test in Sepang wurde der Deutsche durch Yonny Hernandez vertreten. Mit dessen Performance zeigte sich Teammanager Herve Poncharal auch zufrieden und schloss weitere Einsätze nicht aus, sprach aber auch von anderen Optionen. Allerdings seien diese angesichts der schon fortgeschrittenen Zeit nicht gerade üppig gesät.

Herve Poncharal

Herve Poncharal ist weiterhin ohne zweiten Fahrer für die MotoGP-Saison 2018 Zoom

"Ja, leider ist die Liste sehr kurz", bestätigt Poncharal im Gespräch mit 'Motorsport-total.com'. "Es ist Ende Januar. Die meisten guten Fahrer stehen unter Vertrag, egal ob Superbike, Moto2 oder MotoGP. Es gibt nur wenige Fahrer, die komplett ungebunden sind. Selbst Yonny hat eine Vereinbarung mit Pedercini Kawasaki. Ich glaube, im Moment ist nur ein einziger Fahrer völlig frei - und das ist Sandro Cortese. Daher ist die Liste sehr kurz."

Das schränkt Poncharal in seinen Handlungsmöglichkeiten natürlich ein. An seinem Anspruch hält er aber fest: "Ohne respektlos erscheinen zu wollen, muss man festhalten, dass unsere M1 im vergangenen Jahr auf dem Podium stand. Wir kennen unser Level. Zudem habe ich ein Programm an Yamaha und Sponsoren verkauft, und zwar mit dem Paket Zarco/Folger." Seinen Partnern müsse er deshalb "eine spannende Alternative" anbieten können.

Steht Ducati-Testfahrer Michele Pirro auf der Liste?

Im Nachgang von Folgers Rücktritt seien einige Fahrer auf ihn zugekommen, verrät Poncharal. "Und ich habe wirklich für jeden von ihnen Respekt. Aber es ist nun einmal so, dass wir nicht einfach nur an den Start gehen wollen, um an den Start zu gehen. Wir möchten etwas Spannendes. Dazu hätten wir gern einen jungen Moto2-Fahrer verpflichtet. Aber sie haben Verträge. Im Moment tue ich mich deshalb schwer", so der Franzose weiter.


Fotos: Tech 3, MotoGP-Test Sepang


Schon viele Namen sind im Zusammenhang mit Folgers Nachfolge gefallen - zuletzt auch Michele Pirro, der für Ducati in Sepang testete und in der vergangenen Saison einige Wildcard-Einsätze absolvierte. Zählt er zu den Optionen von Tech 3? Poncharal wiegelt ab: "Nach meinem Verständnis gehört Pirro zu einem Hersteller, der bis zum letzten Rennen um die WM gekämpft hat. Er ist ein essenzieller Bestandteil von Ducatis Rennprogramm."

Er respektiere Gigi Dall'Igna und jeden bei Ducati sehr und könne sich daher nicht vorstellen, "dass Yamaha und Tech 3 diesbezüglich jemals für Irritationen sorgen werden", erklärt der Tech-3-Teamchef weiter. "Natürlich sind wir auf der Strecke Konkurrenten, aber Freunde im Paddock. Das ist wichtig zu verstehen." An seinem Credo, keinen Fahrer aus einem bestehenden Vertragsverhältnis abzuwerben, will er deshalb festhalten.

Poncharal: "Will das Problem nicht weiterschieben"

So erklärt Poncharal seine Philosophie: "Wenn jemand etwas unterschreibt, dann hat er es vorher gelesen und kennt seine Pflichten. Man heiratet ja auch nicht und trennt sich sofort wieder, nur weil man in der nächsten Woche oder im nächsten Monat jemand anderen kennenlernt. Das ist ein extremes Beispiel. Aber man unterschreibt, weil es das beste Angebot ist, das man hat. Wenn dann etwas Besseres kommt, ist es manchmal einfach zu spät."

Zwar träumten viele Fahrer aus anderen Klassen davon, in die MotoGP aufzusteigen, und witterten die Chance ihres Lebens, weiß Poncharal. "Aber wenn sie (andere Teams; Anm. d. r.) mir ihre Fahrer geben, um mich glücklich zu machen, dann befinden sie sich danach in einer ähnlichen Situation wie ich zuvor. Warum? Das ist nicht fair. Ja, ich habe ein Problem. Aber ich werde es nicht einfach weiterschieben."

Wie sich das Problem mit einem Ersatz für Folger angesichts der verzwickten Lage bewältigen lässt, weiß er der erfahrene Teammanager nicht: "Im Moment habe ich noch keine Lösung. Ich hoffe einfach, dass noch etwas passiert. Die Chancen darauf sind gering. Aber wenn man ein Träumer ist, dann sein ganzes Leben lang. Und ich will nicht etwas tun, wofür ich keine Leidenschaft oder Begeisterung empfinde."

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