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Stefan Bradl stellt klar: "Der ADAC muss sich hinterfragen"

Stefan Bradl sorgt sich um den Nachwuchs und nimmt ADAC und DMSB in die Pflicht - Er selbst hat es ohne Unterstützung bis in die Königsklasse MotoGP geschafft

(Motorsport-Total.com) - "Es ist an der Zeit, dass jemand die Wahrheit sagt, auch wenn ich mich beim ADAC und beim DMSB unbeliebt mache. Aber das ist es mir wert, weil ich glaube, ich kann es mir als deutsches Aushängeschild erlauben, einmal auf den Tisch zu hauen und zu sagen, dass wir deutschen Nachwuchs brauchen", sagt Stefan Bradl am Mittwoch offen gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Der DMSB und der ADAC sollen sich angesprochen fühlen, denn wenn große Erfolge da sind, stellen sie sich auch vorne hin."

Stefan Bradl

Stefan Bradl spricht Klartext über die mangelnde Nachwuchsarbeit Zoom

Im Rahmen des Grand Prix auf dem Sachsenring kritisierte Bradl die mangelnde Nachwuchsarbeit im deutschen Motorradsport. Der einzige deutsche MotoGP-Fahrer und Moto2-Weltmeister von 2011 macht sich Sorgen um die Nachwuchsförderung und nimmt die nationalen Verbände in die Pflicht: "Da die Sache schon im Rollen ist, möchte ich noch einmal verdeutlichen, was der ADAC in Sachen Zweiradsport erreicht hat. Und das ist sehr überschaubar."

"Wenn Herr Langendorff sagt, dass ich 2003 im Red-Bull-Rookies-Cup gefahren und unterstützt worden bin, dann ist das richtig. Der ADAC hat das organisiert und gefördert, keine Frage. Wie jeder andere Cup-Teilnehmer musste ich es selbst finanzieren, meine Eltern haben mir das ermöglicht. Ich hatte dort keine Privilegien, ich musste wie jeder andere Fahrer die Ausscheidung bestehen. Diese habe ich mit fahrerischem Können erreicht."

Von Red Bull und KTM gefördert

"In der ersten Saison im Red-Bull-Rookies-Cup 2003 wurde ich Siebter. Anschließend bin ich nicht vom ADAC gefördert worden, sondern meine Förderer hießen Red Bull und KTM. Es gab dann das Red Bull KTM Juniorteam. Das wurde in der IDM ins Leben gerufen. 2004 und 2005 bin ich dann mit Michi Ranseder im Team gefahren." Der Österreicher und Bradl lieferten sich viele Zweikämpfe. 2004 wurde Ranseder IDM-Meister in der 125er-Klasse, Bradl 2005.

Stefan Bradl

Der größte Erfolg: 2011 wird Stefan Bradl Moto2-Weltmeister Zoom

Bradl erinnert sich zurück: "2004 wurde Michi Deutscher Meister, ich wurde in der Endabrechnung Fünfter. Daraufhin hat der ADAC gemerkt, dass es eine Konkurrenz zum eigenen Programm mit Toni Wirsing, Georg Fröhlich und so weiter gibt. Dann haben sie auch an unserer KTM den ADAC-Aufkleber angebracht. Damals war es schon kurios. Mein Vater hat sich damals schon geärgert, weil wir erfolgreich waren und der ADAC meinte, er muss jetzt einen Aufkleber ranmachen."

"Ich kann nur sagen, dass der treueste Sponsor meiner Karriere Red Bull war. Sie haben mich von den ersten Gehversuchen im Rennsport bis heute unterstützt. Red Bull war auch damals zusammen mit KTM mein Förderer. Ganz am Anfang waren es natürlich meine Eltern. Wenn Herr Langendorff meint, dass ich das in meinem jugendlichen Leichtsinn vergessen habe, dann stimmt es einfach nicht. Ich glaube auch, dass er damals keinen großen Einblick hatte."


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"Fakt ist, dass der ADAC sein Engagement im Zweiradbereich so gering wie möglich hält und versucht, so groß wie möglich aufzutreten. Das passt einfach nicht zusammen. Jetzt habe ich am Sachsenring die Wahrheit gesagt und über den deutschen Nachwuchs geschimpft. Wenn ich mir ansehe, wer aus dem deutschen Nachwuchs da ist, können wir uns zurecht Sorgen machen. Momentan stehen wir beim Nachwuchs schlecht da. Mir geht es darum, dass der ADAC zusammen mit dem DMSB einfach mal richtig handeln muss."

Kritik aus eigener Erfahrung

"Wenn ich daran Kritik übe, dann weil ich das aus meiner eigenen Erfahrung kenne. Ich glaube, ich kann mich sehr gut reinversetzen, weil der ADAC schon damals nicht unbedingt beliebt war. Jetzt stellt sich die Frage: Aus den drei Jahren Rookies-Cup 2002, 2003 und 2004 gab es damals Fahrer wie Matti Seidel, Georg Fröhlich, Toni Wirsing oder Joshua Sommer. Von ihnen ist keiner in der WM."

Stefan Bradl

2008 der Durchbruch: Stefan Bradl gewinnt in Tschechien seinen ersten Grand Prix Zoom

"Ich habe zusammen mit meinen Eltern, Red Bull und KTM den Weg in die Weltmeisterschaft geschafft. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, keine Frage. Aber wenn ich sage, dass mich der ADAC nie unterstützt hat, dann hat er mich auch nie unterstützt! Der ADAC hat den Rookies-Cup organisiert, das hat er sehr gut gemacht. Es gab aber auch Helfer. Der ADAC stellt sich immer so hin, wie wenn er alles alleine machen würde, aber das stimmt nicht. Honda hat damals die Motorräder zur Verfügung gestellt und es gab diverse Sponsoren."

"Natürlich hat sich der ADAC um viel gekümmert, aber er darf sich nicht alleine hinstellen und sagen: 'Wir haben dieses Programm entwickelt'. Das stimmt nicht. Man muss die ganze Situation betrachten. Die Zeit von Sandro Cortese bei den Mini-Bikes und Pocket-Bikes kenne ich nicht, aber wir sind 2004 zusammen in der IDM gefahren. Damals war er mit Dirk Raudies in einem selbst initiierten Team unterwegs. Die Unterstützung vom ADAC war nicht sichtbar, oder zumindest sehr gering."

"Dann blicken wir auf Jonas Folger. Er ist sehr früh in die Spanische Akademie von Alberto Puig gegangen. Marcel Schrötter hat es auch in Eigeninitiative mit dem Team von Sepp Schlögl und Adi Stadler gemacht. Als ADAC muss man sich hinterfragen, denn in der WM sind nicht viele Starter unterwegs. Die kann man an einer Hand abzählen. Es sind alle dorthin gekommen, ohne Unterstützung vom ADAC. Und da muss ich mich fragen, ob der ADAC in den letzten Jahren alles richtig gemacht hat. Ich denke, da ist dringend Handlungsbedarf."

"Der ADAC ist im Automobilsport sehr groß und da ist auch Geld vorhanden. Ich denke, dass in der Zweiradszene eingespart wird. Natürlich gibt es den ADAC Junior-Cup, aber für mich stellt sich die Frage, ob sie es richtig angehen. Es wird dort mit einer KTM RC390 gefahren, ich kenne das Motorrad persönlich gar nicht. Man sollte hinterfragen, ob das der richtige Schritt ist."

"Meiner Meinung nach hat der ADAC im Zweiradsport eine große Baustelle." Stefan Bradl

"Meiner Meinung nach hat der ADAC im Zweiradsport eine große Baustelle. Wenn mich jemand fragen würde, wie ich die Chance sehen würde, in die WM zu kommen, dann kann ich nur antworten, dass es momentan sehr schwierig ist. Aber wenn, dann geht es eigentlich nur über Eigeninitiative, wie es Adi Stadler, Sepp Schlögl und Toni Mang mit Marcel Schrötter gemacht haben."

"Adi Stadler hat sich in den vergangenen zehn, 15 Jahren intensiv um den deutschen Nachwuchs gekümmert, aber er ist immer wieder mit dem ADAC konfrontiert gewesen. Mittlerweile hat er auch die Energie verloren, da weiterzumachen. Adi war der Mann, der sich wirklich um den deutschen Nachwuchs gekümmert hat. Es fehlt aber leider an der Unterstützung. Wenn ich mir Italien oder Spanien ansehe, dann gibt es zum Beispiel von der italienischen Föderation ein eigenes WM-Team."

Sollte man sich Italien als Vorbild nehmen und der ADAC ein eigenes Juniorenteam in der Moto3-WM einsetzen? "Ich könnte mir vorstellen, dass man so ein Team in der IDM platziert und mit diesen Fahrern dann in die WM geht. Das Team muss aber in der IDM weitergeführt werden und Nachwuchstalente fördern, die man dann in die WM schicken kann. So macht es der italienische Verband. Natürlich muss man dann Leute hinsetzen, die auch Ahnung davon haben und natürlich muss man auch Geld in die Hand nehmen. Das ist wahrscheinlich der springende Punkt. Nüchtern betrachtet sieht es beim deutschen Nachwuchs schlecht aus."

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